Frankenberg

Interesse für „leidiges Thema“ Steuern

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- Frankenberg (jos). Selbst der Chef des Finanzamtes Korbach-Frankenberg, Ralf Langguth, war nach eigener Aussage mit der Steuererklärung für seinen Sportverein zu spät dran – und ist gemahnt worden. Dass viele Vereine das „leidige Thema“ Steuern ernst nehmen, zeigte sich an der hohen Besucherzahl bei der Info-Veranstaltung in der Ederberglandhalle.

Sozusagen als „Stargast“ des Abends richtete Finanzminister Thomas Schäfer ein Grußwort an die Vereinsvorstände und Kassierer. „Das Ehrenamt ist in Hessen weiter auf Wachstumskurs“, sagte der Christdemokrat. Die seit Jahren angebotene Vortragsreihe „Gemeinnützige Vereine und Steuern“ richte sich an die vielseitige Vereinskultur in Hessen und habe mittlerweile eine große Tradition in der hessischen Finanzverwaltung. Mit diesen Veranstaltungen leiste die Finanzverwaltung einen wertvollen Beitrag zur Förderung der ehrenamtlichen Arbeit in Hessen. „Auf diese Weise können steuerliche Probleme der Vereine vermieden werden, bevor sie überhaupt entstehen“, so der Finanzminister.

Insgesamt 1250 Vereine werden beim Finanzamt Korbach-Frankenberg steuerlich erfasst, berichtete dessen Vorsteher Ralf Langguth. Alle drei Jahre sei es die „lästige Pflicht“ der Vereine, eine Steuererklärung abzugeben. „Das ist auch 2011 wieder der Fall“, sagte Langguth. Zu den Themen Gemeinnützigkeit, Spenden, Übungsleiter und Rücklagen referierte Heiner Woitschell, verantwortlicher Mitarbeiter im Finanzministerium. Er stellte unter anderem die Voraussetzungen zur Erlangung des Status „gemeinnützig“ dar. Entscheidend sei dafür, dass die ideelle Tätigkeit bei dem Verein im Vordergrund steht. Eine wirtschaftliche Betätigung sei zwar zulässig – etwa, wenn Vereine Feste ausrichten und dabei Getränke verkaufen. Allerdings müsse dies in einem „angemessenen“ Rahmen bleiben.

Überhaupt rückte Woitschell immer wieder das Stichwort „Angemessenheit“ in den Blickpunkt. Ob bei Geschenken an Mitglieder, Aufwandsentschädigungen für Autofahrten oder Löhne für Mitarbeiter: Sobald ein Verein „unangemessen“ handelt, sei die Gemeinnützigkeit in Gefahr. Konkrete Tipps gab Woitschell den Zuhörern auch mit auf den Weg. So ist es beispielsweise einem gemeinnützigen Verein nicht gestattet, Mitgliedern zu besonderen Anlässen wie Geburtstagen oder Ehejubiläen Geld zu schenken. „Ein Gutschein bei einem Kaufhaus ist aber in Ordnung“, riet Woitschell.

Grundsätzlich versuchte der Referent, den Vereinsvertretern die Angst vor Formularen und anderen bürokratischen Dingen zu nehmen. So erklärte er beispielsweise zum Tätigkeitsbericht, den Vereine zusammen mit der Steuererklärung abgegeben müssen: „Schreiben Sie dem Finanzamt einfach das auf, was der Kassierer bei der Jahreshauptversammlung ohnehin erklären muss.“ Es gebe zwar auch vorgefertigte Formulare des Finanzamtes. Die seien allerdings nur als Hilfe gedacht. Es reiche auch eine protokollartige Auflistung der Einnahmen und Ausgaben des Vereins.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 27. Oktober

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