Vorsitzende des Türkisch-Deutschen Vereins: „Integration in Frankenberg auf gutem Weg“

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Hand in Hand: Die Vorsitzenden des Türkisch-Deutscher Vereins, Riza Aras (links) und Manfred Berger, schildern im Interview die Erfolge, die der Verein in 20 Jahren errungen hat. Foto: Biedenbach

Frankenberg. Zum 20-jährigen Bestehen des Türkisch-Deutschen Vereins Frankenberg berichtet die HNA in einer Serie über türkische Einwanderer im Frankenberger Land und ihre Nachfahren. Sie schildern ihr Leben und Erlebnisse in Deutschland. Heute, zum Abschluss unserer Serie, sprechen wir mit den beiden Vorsitzenden über ihre Sicht der Integration von Türkischstämmigen im Frankenberger Land.

Wie gut sind Menschen mit türkischem Hintergrund in Frankenberg integriert? 

Riza Aras: Ich persönlich finde die Situation in Ordnung. Es hat folgende Entwicklung stattgefunden: Bei der ersten Generation, der Generation der Gastarbeiter, gab es weder auf türkischer noch auf deutscher Seite Bemühungen zur Integration. Man ging noch davon aus, nach wenigen Jahren in die Türkei zurückzukehren. Mit der zweiten Generation, zu der ich gehöre, begann die Integration. Mein Sohn hat mehr deutsche als türkische Freunde

Manfred Berger: Die Integration zeigt sich auch räumlich. Zunächst lebten viele türkische Immigranten in Frankenberg in der Wigand-Gerstenberg-Straße. Mittlerweile sind sie über die ganze Stadt verteilt, viele haben sich Häuser gekauft und haben deutschen Nachbarn. Glücklicherweise haben wir in Frankenberg nie eine Ghettobildung gehabt. Im oberen Edertal, wo viele Türkeistämmige leben und wir auch Mitglieder haben, sieht es ähnlich aus.

Wie kam die Integration in Gang? 

Berger: Die zweite Einwanderer-Generation hat sich dafür interessiert. Das sind Menschen, die zwischen acht und 18 Jahre alt waren, als sie vor allem in den 70er- und 80er-Jahren hierher kamen. Viele sind hier noch zur Schule gegangen und haben Deutsch gelernt. Dadurch kamen Kontakte mit Deutschen zustande. Eine Frankenberger Initiative setzte sich Anfang der 1990er-Jahre dafür ein, dass türkische Kinder in die Kindergärten gingen und so Deutsch lernten. Diese Initiative hat damals Patenschaften für Kinder übernommen. Mittlerweile besuchen sogar die Kinder des Iman den katholischen Kindergarten.

Was hat der Türkisch-Deutsche Verein zur Integration beigetragen? 

Berger: Wir haben für Begegnungen und gegenseitiges Kennenlernen von Türkeistämmigen und Deutschen gesorgt. Dabei wurde uns klar, dass wir ganz ähnliche Alltagsinteressen, Sorgen und Freuden haben. Die Freude am gegenseitigen Kennenlernen, das ist für mich auch der größte Erfolg des Vereins.

Aras: Aus den Begegnungen im Verein sind Freundschaften zwischen Deutschen und Türken entstanden. Freunde, die sich auch außerhalb des Vereins treffen.

Sie sprechen mit Ihren Veranstaltungen ja meist Familien mit Kindern an? 

Berger: Ja, das war uns von Anfang an wichtig. An der Gründung des Vereins waren nur Männer beteiligt. Durch die geselligen Veranstaltungen mit Kinderprogramm kamen auch die Frauen und Kinder hinzu. Am Anfang scheuten sich manche türkische Frauen, uns deutschen Männern die Hand zu geben. Denn fremden Männern reicht man nicht die Hand. Dann wurden nach und nach deutsche Gebräuche akzeptiert und sind nun auch bei Türkeistämmigen üblich.

Aras: Und heute sind die Busfahrten, die der Verein regelmäßig anbietet, mit Stadtbesichtigung und Einkaufsmöglichkeit vor allem bei den türkischen Frauen beliebt.

Welche Gewohnheiten Türken und Deutsche von der jeweils anderen Kultur übernommen haben und wie Vorurteile abgebaut wurden, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine.

Quelle: HNA

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