Interview mit Ute Zöllner: Wie man in der Adventszeit zur Besinnung kommen kann

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Ute Zöllner: Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle des Diakonischen Werkes Kassel.

Frankenberg. Eine besinnliche Adventszeit wünschen wir uns gegenseitig. Viele nehmen sich auch vor, nicht in Weihnachtshektik zu geraten. Doch oft sieht es dann – alle Jahre wieder – anders aus.

Was uns hindert zur Ruhe zu kommen, und wie wir es vielleicht dennoch schaffen können, darüber haben wir mit der ehemaligen Frankenberger Dekanin Ute Zöllner gesprochen, die heute die Psychologische Beratungsstelle im Diakonischen Werk in Kassel leitet.

Warum sollten wir uns gerade im Advent Zeit zur Besinnung nehmen? 

Ute Zöllner: Die Adventszeit ist seit den frühen Jahren der Christenheit als Bußzeit begangen worden. Das lateinische Wort Advent (=Ankunft) meint die Ankunft Jesu unter den Menschen und bedeutet zudem seine erhoffte Wiederkehr. Darauf sollen wir uns vorbereiten, uns besinnen.

Was verstehen Sie unter Besinnung? 

Zöllner: Besinnlich meint, sich auf sich selbst zu konzentrieren und auf das, was meinem Leben Sinn, Halt und Orientierung gibt. Es ist ein Prozess, der Herz und Gemüt bewegt, unseren Verstand anspricht und unser Fühlen. Ein Weg, der nach innen zu mir, nach außen zu anderen Menschen, und zur Krippe, zu Gott führt.

Was hindert uns, gerade in der Vorweihnachtszeit zur Besinnung zu kommen? 

Zöllner: Ich denke, das hat viel mit unseren Erwartungen an die Advents- und Weihnachtszeit zu tun. Wir erwarten eine besonders erfüllte, dichte Zeit, in der es harmonisch zugeht. Dazu kommt, dass viele Menschen dazu neigen, es allen Recht machen zu wollen, es soll eben keiner zu kurz kommen. Zwar wissen wir, dass dies ein unwahrscheinliches Unterfangen ist, aber in dieser Zeit spielen die Gefühlsbeziehungen untereinander eine hervorgehobene Rolle.

Wir haben also zu große Anforderungen an uns selbst? 

Zöllner: Ja, manche Menschen sind darüberhinaus gerade in diesen Wochen sensibler und offener für Ungerechtigkeit und Friedlosigkeit in der Welt. Wir spüren die Gegensätze und Widersprüche deutlicher; ich halte das für eine große menschliche Gabe. So verstanden ist Weihnachten kein „Event“ - dazu wollen wir es manchmal gerne machen, vielleicht auch deswegen, weil das Fest so beliebt ist und gemocht wird.

Manchmal gibt es gerade in der Weihnachtszeit Krach in der Familie, woran liegt das? 

Zöllner: Ein Hinderungsgrund, in der Advents- und Weihnachtszeit zur Besinnung zu kommen, besteht darin, sich nicht flexibel auf veränderte Bedingungen im Leben einstellen zu können. Dann brechen alte Konflikte, oder andere schmerzhafte Ereignisse, die nicht verarbeitet wurden, wieder auf und man versucht, so zu tun, als wäre es noch wie früher – wo alles vermeintlich schöner und besser war.

Wie können wir es schaffen, trotz aller Hektik zur Besinnung zu kommen? 

Zöllner: Das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden, die eigenen Erwartungen überprüfen. Auch Rituale helfen dabei, zur Ruhe zu kommen. In dieser Zeit soll es so sein wie immer, die Hüter dieser Einstellung sind oft die Kinder. Der Adventskranz soll aussehen wie immer, zu Weihnachten soll es dasselbe wie im letzten Jahr zu essen geben. Rituale helfen, die Ansprüche zu begrenzen. Wir lassen uns in dieser Zeit eher von unseren Wünschen nach Geborgenheit bestimmen. Rituale geben Halt und schaffen Traditionen. Besonders Frauen pflegen die Bräuche und haben auch die Arbeit damit.

Das vollständige Interview lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine/HNA Waldeckische Allgemeine.

Von Martina Biedenbach

Quelle: HNA

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