Ruhestand mit 91 Jahren

Irmgard Kanus-Credé übergibt Allendorfer Apotheke

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Die Edertal-Apotheke hat einen neuen Besitzer: Dr. Jost Weber aus Bad Hersfeld übernimmt das Lebenswerk von Irmgard Kanus-Credé.Foto: Marco Steber

Allendorf (Eder) - Nach fast 50 Jahren an der Spitze der Edertal-Apotheke verabschiedet sich Irmgard Kanus-Credé in den Ruhestand - mit 91 Jahren. Sie war damit die älteste Apothekenleiterin in Hessen. Ihr Nachfolger ist Dr. Jost Weber.

In der Großgemeinde geht eine Ära zu Ende und eine neue beginnt: Irmgard Kanus-Credé übergibt zum 1. Mai die Geschicke ihrer Edertalapotheke in andere Hände. Dr. Jost Weber aus Bad Hersfeld übernimmt das Haus, das Kanus-Credé seit 1969 führte.

Ihr Vater, der damalige Balzer-Geschäftsführer Carl Laute, erkannte Anfang der 1950er Jahre als erster, dass es Allendorf an einer eigenen Apotheke mangelte. „Die Allendorfer mussten damals zu Fuß nach Battenberg laufen“, sagt Irmgard Kanus-Credé. Im Jahr 1952 schließlich - und nach vielen behördlichen Widerständen - wurde die erste Voll-Apotheke der Großgemeinde genehmigt - zunächst unter der Leitung des Apothekers Helmut Schröder, aber bereits am heutigen Standort in der Bahnhofstraße. Ihr Vater hatte nämlich - immer im Bewusstsein des Berufswunsches seiner Tochter - vorsorglich das Haus erreichten lassen.

Kanus-Credé studierte zu dieser Zeit bereits Pharmazie - zunächst in Regensburg und dann in Tübingen. Dort legte sie 1954 ihr Staatsexamen ab. Aber noch zog es die heute 91-Jährige nicht zurück an die Eder: In Wangen im Allgäu absolvierte sie zunächst das sogenannte „Kandidatenjahr“, bis sie 1955 ihre Approbation erhielt. Der Traum vom Apotheker-Beruf hatte sich erfüllt. Eine Cousine sei es gewesen, die sie überhaupt erst auf die Idee brachte, diesen Weg einzuschlagen, sagt Kanus-Credé: „Die hat mich überredet“.

Ihre erste Station nahe der Heimat war Biedenkopf. Dort arbeitete sie als angestellte Apothekerin in der Hirsch-Apotheke, bis sie 1963 mit ihrem Mann in die Vereinigten Staaten zog. Von dort aus übernahm sie - nach dem Tod des Besitzers - die Leitung der Hirsch-Apotheke. Die Witwe des Besitzers habe sie „händeringend darum gebeten“, diesen Posten zu übernehme. Das sei zwar möglich gewesen, jedoch nur mit der Auflage, dass sie zwei bis drei Mal im Jahr vor Ort sein musste.

Nachdem Helmut Schröder in den Ruhestand gegangen war, übernahm Kanus-Credé schließlich die Edertal-Apotheke - der Wunsch des Vaters hatte sich erfüllt. Am 6. Januar 1969 begann sie gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen - heute sind es zehn, die alle übernommen werden. Seit 1974 - also fast so lange wie Kanus-Credé selbst - gehört Helma Landshut zum Team. Ihr dankte Kanus-Kredé besonders.

In ihrer Anfangszeit in Allendorf habe sie im Zwei-Wochen-Rhythmus den Notdienst selbst besetzt, sagt Kanus-Credé. Erst mit der Einstellung von Doktoranden der Marburger Universität habe sich das ab 1980 geändert. Damals musste auch gewährleistet sein, dass sie immer in einer bestimmten Zeit von ihrer Wohnung aus die Apotheke erreichen konnte.

In der Großgemeinde gibt es wohl kaum jemanden, der nicht schon einmal gesundheitlichen Rat bei der 91-Jährigen gesucht hat. Für ihre Verdienste um Allendorf erhielt sie zum 85. Geburtstag die Ehrenurkunde sowie die Ehrenspange der Gemeinde. Noch bis zum 90. Lebensjahr stand Kanus-Credé fast täglich in „ihrer“ Apotheke, die im Jahr 2009 zuletzt umgebaut wurde. „Ich war als Ansprechpartnerin präsent“, sagt sie. Warum sie ihren Ruhestand nicht schon früher genoss? „Es hat immer noch Spaß gemacht“, sagt die 91-Jährige. „Es ist mein Lebensberuf“, in dem sie viele Veränderungen miterlebt hat - wie die Umstellung auf Computer, die steigende Anzahl der Medikamente oder eben den Umbau im Jahr 2009. Langweilig wird der 91-Jährigen wohl auch in Zukunft nicht werden. Sie hat einen großen Bekanntenkreis und auch sonst nimmt sie noch regen Anteil am gesellschaftlichen Leben der Industriegemeinde.

Ihr Nachfolger an der Spitze der Edertal-Apotheke, Dr. Jost Weber, stammt gebürtig aus Wiesbaden und hat an der Marburger Philipps-Universität Pharmazie studiert. Wie seine Vorgängerin verbrachte auch er - begründet durch die berufliche Laufbahn - einige Zeit in Tübingen. Der Beruf des Apothekers wurde ihm dabei quasi in die Wiege gelegt: Sein Vater und sein Großvater verfolgten ebenfalls diesen Weg. Zuletzt war er in Bad Hersfeld beschäftigt, wo er eine Apotheke mitleitete. Der Schritt, nach Allendorf zu gehen, habe sich durch einen Zufall ergeben. berichtet Weber: Ein Außendienstmitarbeiter habe ihn angesprochen.

„Die Qualität und die Beratungsleistung stimmt“, sagt Weber mit Blick auf sein neues Team. „Der Kunde steht im Mittelpunkt.“ Kedoch sieht er auch noch Potential: „Man hofft zu wachsen, aber nicht mir aller Gewalt“, sagt er.

„Ich bin meinen Eltern und Gott sehr dankbar für meinen Berufs- und Lebensweg“, sagt Kanus-Credé. Der Abschied von ihrer Apotheke - ihrem Lebenswerk - fällt der 91-Jährigen sehr schwer: „Ich wäre lieber verreist“, sagt sie mit Blick auf die Übergabe. In Jost Weber sieht sie jedoch einen würdigen Nachfolger, der ihr Lebenswerk weiter führt - immer getreu nach dem Leitbild der Edertal-Apotheke „Salus Aegroti Suprema Lex“ - Das Wohl des Kranken ist oberstes Gesetz. (ste)

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