HNA-Interview

15 Jahre Frauen beim Bund: Schminke ist tabu

Ihr Alltag ist die Bundeswehr: Claudia M. aus Ernsthausen (rechts) und Moana E. aus Korbach sind Soldatinnen an der Burgwaldkaserne.

Frankenberg. Seit 15 Jahren können auch Frauen ihren Dienst bei der Bundeswehr leisten. Wir haben mit zwei Soldatinnen der Burgwaldkaserne über ihre Arbeit in einer Männerdomäne gesprochen.

Sie zählen zu den 600 Soldaten an der Burgwaldkaserne. Moana E. und Claudia M. erzählen im Interview, inwieweit Männer und Frauen in der Bundeswehr gleichgestellt sind. Ihre Nachnamen sollen aus Sicherheitsgründen nicht geschrieben werden.

Wie ist es, in einer Männerdomäne zu arbeiten? 

Claudia M.: Als ich vor zwölf Jahren hier anfing, waren wir nur vier Frauen. Man merkt an der Art des Umgangs miteinander, dass die Bundeswehr eine Männerdomäne ist. Hier werden nicht immer Bitte und Danke gesagt. Man soll machen, und gut ist’s. Dies macht eben das Militär aus.

Moana E.: Besonders viel Höflichkeit ist hier eben nicht vorgesehen. Wenn man ein Gewehr parat hat, fragt ja nicht jemand freundlich, könnten Sie bitte noch einmal schießen, sondern dann erfolgt das Kommando.

Gewöhnt man sich an diesen etwas raueren Umgangston? 

Claudia M.: Das ist eine Typsache. Wenn ich mich fürs Militär entscheide, kann ich nicht gleich losheulen, wenn einer mal laut wird.

Moana E.: Und wenn eine Frau hier mit einer Handtasche herumläuft und geschminkt ist, ist sie hier tatsächlich falsch.

Gibt es denn Frauen, die hier so herumlaufen? 

Moana E.: Das habe ich in der Grundausbildung erlebt. Man kommt in zivil gekleidet hierher und wird erst nach einer Woche eingekleidet. Wer da zu weiblich auftritt, muss sich bestimmt was anhören.

Gibt es also Vorurteile gegenüber Frauen bei der Bundeswehr? 

Moana E.: Die gibt es bestimmt. Die meisten werden aber nicht laut ausgesprochen, sondern eher hintenrum. Es ist dann die Frage, ob die Frau sich das zu Herzen nimmt. Manchmal sind es nur flapsig dahergesagte Sprüche, und darauf kann eine Frau auch locker antworten, ohne das zu ernst zu nehmen.

Claudia M.: Ich war 500 Tage in Afghanistan im Einsatz. Vor allem dort erleben Frauen Vorurteile. Denn meist fahren Männer raus zu Einsätzen. Dann kommen Fragen auf wie „Schafft die das denn?“.

In Afghanistan mussten wir in Räumen duschen, wo auch die Männer duschten, und die nur durch kleine Kabinen abgetrennt waren. Da gab es aber keine Probleme. Ein Mann war dann erstaunt und meinte, er hätte nicht erwartet, dass eine Frau sich so anpassen kann.

Sind Sie schon mal an ihre Grenzen gestoßen? 

Claudia M.: Nein, das bin ich nicht.

Und wenn es gefährlich wurde?

Claudia M.: Über gefährliche Situationen möchte ich nichts sagen.

Spielt denn das Geschlecht bei der Auswahl der Soldaten, die zum Einsatz müssen, eine Rolle? 

Claudia M.: Nein, gar nicht.

Gibt es dennoch Bereiche bei der Bundeswehr, die für Frauen nicht geeignet sind?

Claudia M.: Die Kampftruppen sind nichts für Frauen. Alleine mit dem Gepäck wären Frauen körperlich überfordert. Ich traue einer Frau nicht zu, einen 50-Kilo-Rucksack bei 50 Grad im Kampf zu schleppen.

Gibt es Frauen, die ihren Dienst aufgegeben haben? 

Moana E.: Während meiner Grundausbildung kam das vor. Abbrecher gibt es aber auch bei Männern.

Welche Voraussetzungen sollte eine Frau für die Bundeswehr mitbringen? 

Moana E.: Sie sollte zielstrebig und durchsetzungsfähig sein.

Claudia M.: Und sie sollte die Schminke zuhause lassen. Lange Fingernägel sind auch schlecht, denn wie sollte sie damit eine Waffe bedienen?

Frau Claudia M., Sie sind Gleichstellungsbeauftragte am Standort. Was sind Ihre Erfahrungen als Vertrauensperson?

Claudia M.: Ich habe von Problemen noch nichts mitbekommen. Hier wird niemand bevorzugt oder benachteiligt, auch nicht wegen des Geschlechts.

Verfolgen Sie die außenpolitischen Entwicklungen? Wie bewerten Sie Auslandseinsätze in gewissen Gebieten? 

Claudia M.: Ob Auslandseinsätze etwas bringen oder nicht, das entscheiden andere.

Moana E.: Die Entscheidungsträger haben einen besseren Überblick über die Situation in den Ländern.

Quelle: HNA

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