Festvortrag von Heiner Wittekindt

500 Jahre Hospitalkirche Frankenberg: Christen vereint

Vortrag zum Jubiläum: Von der Kanzel der 500-jährigen Hospitalkirche ließ Pfarrer i. R. Heiner Wittekindt im Wechsel mit historischer Bläsermusik die Geschichte des Gotteshauses lebendig werden. Foto: Völker

Frankenberg. Es hat lange gedauert, bis in Frankenbergs Hospitalkirche reformierte und lutherische Christen „Herz und Herz vereint zusammen“ gemeinsam singen konnten.

Am Sonntag erklang dort der Choral, gespielt vom Bläsersextett der Evangelischen Allianz, in Anspielung auf jahrhundertelangen Glaubenszwist, der Frankenberger Christen bis zu ihrer Vereinigung 1959 trennte.

Pfarrer i. R. Heiner Wittekindt ließ aus Anlass des Jubiläums „500 Jahre Hospitalkirche“ in einer Festveranstaltung die bewegte Geschichte der später auch so genannten „reformierten Kirche“ lebendig werden.

Seinen besonderen Reiz, der Herz und Sinne ansprach, bekam der Abend gerade durch den Wechsel von anschaulichen historischen Vortragstexten mit geschickt ausgewählter zeitgenössischer Musik. Die Zuhörer, die den Kirchenraum bis auf den letzten Platz füllten, waren dabei mehrfach selbst zum kräftigen Mitsingen eingeladen.

Zur Feier des Tages erklang auch Frankenbergs älteste Glocke, gegossen um 1250 zur Zeit der Klostergründung von St. Georgenberg. Ab 1465 gehörten Augustiner-Nonnen zur Stadt, die als „Süstern“ in einem Armenspital Dienst taten. Für sie wurde von 1513 bis 1514 die „Hospitalkirche“ erbaut.

Heiner Wittekindt schilderte Nächstenliebe und Krankenpflege im „Siechenhaus“, die Auflösung des Nonnenkonvents nach der Reformation und den Verfall ihrer Kirche zum Fruchtboden und Pulverspeicher. Mit den landgräflichen Beamten zogen nach dem 30-jährigen Krieg die ersten Reformierten ins lutherische Frankenberg. „Dem Einfluss der streng reformierten Landgräfin Hedwig Sophie ist es zu verdanken, dass am 21. September 1662 eine reformierte Gemeinde ins Leben gerufen wurde“, berichtete Wittekindt. Ein paar Jahrzehnte später brachten hugenottische Glaubensflüchtlinge ihre französischen Bibeln mit und vergrößerten die Gemeinde.

Als sich 1704 beide Konfessionen die Liebfrauenkirche teilen sollten (Wittekindt: „Ein Albtraumszenario für die lutherische Gemeinde!“), kam es zu Feindseligkeiten und Prügeleien auf dem Kirchhof. Nach mehreren vergeblichen Vereinigungsversuchen ab 1817 fanden die Reformierten in der noch einmal 1933 renovierten Hospitalkirche schließlich ihr Zuhause, auch noch nach dem Zusammenschluss 1959, bis schließlich 1994 die gemeinsame neue Agende in Frankenberg eingeführt wurde, berichtete Heiner Wittekindt. Er selbst wirkte von 1982 bis 2007 als Pfarrer in dieser Kirchengemeinde.

Die Hospitalkirche „mit ihrer behaglichen und warmen Atmosphäre“, erklärte Pfarrerin Felicita Wickert in ihrem Grußwort, habe in dieser aus Reformierten und Lutherischen vereinten Kirchengemeinde viele Freunde gefunden. Sie treffen sich dort im Winterhalbjahr zu Gottesdiensten ebenso wie zu Kirchenkonzerten.

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Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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