Modellesienbahn

25 Jahre in der kleinen Welt ganz groß

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Firmenchef Wieland Viessmann präsentiert ein Signal von Viessmann und ein Kirchenmodell der Firma Kibri.Fotos: Mark Adel

Hatzfeld-Reddighausen - Die Welt im Mini-Format fasziniert seit Generationen. Wenn Modellbahner in München, Hamburg oder Berlin ins Fachgeschäft gehen, greifen sie oft zu Produkten aus Reddighausen: Viessmann hat es innerhalb von 25 Jahren auf die Modellbahnanlagen dieser Welt geschafft.

Eigentlich ist der Modellbau ein konservativ Markt: Die Hersteller blicken auf eine lange Tradition, viele Firmen bestehen seit mehr als 100 Jahren. Als einziger Neuling in den vergangenen Jahrzehnten hat es Viessmann Modell geschafft, sich zu etablieren. „So weit habe ich 1988 gar nicht gedacht“, gibt Firmengründer und Geschäftsführer Wieland Viessmann zu. Damals, vor 25 Jahren, kündigte er den sicheren Arbeitsplatz bei seinem Onkel Hans Viessmann in Allendorf, um sich gemeinsam mit seinem Bruder selbständig zu machen.

Mit der Herstellung von Laternen und Signalen für die Modellbahn-Spuren H0, N und Z hat es angefangen. „Die Devise war, Produkte anzubieten, die es schon gab, aber zu besserer Qualität und geringeren Kosten.“ Die Händler hätten einen zusätzlichen Lieferanten gar nicht gewollt. „Aber die Endverbraucher sind in die Geschäfte und haben Viessmann verlangt.“ Leuchten und Signale sind bis heute ein Standard im Sortiment. „Die Laternen, die wir seit 20 Jahren produzieren, verkaufen wir immer noch zu mehreren 10000 Stück im Jahr. Das sind Klassiker“, sagt Viessmann. Doch mit Ideenreichtum und Innovation folgten bald neue Produkte. Dazu zählt auch die Steuerung der Modellbahnen. Seit Mitte der 90er Jahre bietet Viessmann eine digitale Schaltzentrale an: „Die beste, die es gibt auf dem Markt“, ist Wieland Viessmann überzeugt. Das System ist mit den Bahnen aller gängigen Hersteller kompatibel.

Wie kein anderer Hersteller hat es Viessmann geschafft, in wenigen Jahre seinen Platz in der Branche neben bekannten Marken zu finden und zu sichern. „Das ist einmalig im Modellbahnbereich“, sagt Viessmann. 15 Patente hat er in den vergangenen Jahren angemeldet.

Am Dorfrand von Reddighausen ist der Firmensitz. Ins Auge sticht das Signal an der Straße. Wieland Viessmann gründete seine Firma in seinem Heimatort. Produziert wurde nur fünf Jahre lang im Oberen Edertal. Heute werden Signale, Lampen und andere Modelle in Ungarn und Rumänien hergestellt. Grund für die Verlagerung waren die geringeren Produktionskosten. „In Ungarn schlägt das Herz der Firma. Von hier aus kommen die Impulse“, umschreibt das Wieland Viessmann. In punkto Qualität gebe es keine Probleme. „Auch in Ungarn entstehen inzwischen patentfähige Ideen.“

Sohn Matthias, der vor sechs Jahren eingestiegen ist, ist häufig in den Werken und spricht fließend ungarisch. In Ungarn sind 160 Mitarbeiter beschäftigt, in Rumänien 60. Weitere 25 arbeiten im Unternehmenssitz in Reddighausen. Dort befinden sich Teile der Entwicklung, der Vertrieb, Buchhaltung, Lager, Versand und Außendienst.

Die „heile Welt“ der Miniatur-Eisenbahnen fasziniert seit Jahrzehnten und tun es auch im Computerzeitalter noch, sagt Wieland Viessmann. An Charme habe das Hobby nie verloren. „Im letzten Jahr habe ich bei Messen sogar so viele Familien gesehen wie noch nie zuvor.“ Schließlich sei das Hobby pädagogisch wertvoll und habe viel mit Physik und Kreativität zu tun. Dennoch: „Ein Wachstumsmarkt ist es nicht.“

Viele andere Hersteller sind in den vergangenen Jahren ins Straucheln geraten – bis hin zum Branchenprimus Märklin, dem Inbegriff der Modelleisenbahn. Märklin meldete 2009 Insolvenz an und wurde nach mehreren Tiefs in diesem Jahr vom Spielzeug-Hersteller Simba-Dickie übernommen. „Davon verspricht sich die Branche viel“, sagt Wieland Viessmann. Denn Märklin sei nach wie vor ein Zugpferd und auch für kleinere Firmen von Bedeutung. „Ohne Märklin ist die Modellbahn tot.“ Kleinserienhersteller haben im Programm, was die „Großen“ nicht können, und ergänzen damit deren Sortiment.

Die Insolvenz eines anderen Herstellers nutzte Viessmann für sich aus: 2009 übernahmen die Reddighäuser die Markenrechte von Kibri und kauften die Maschinen des württembergischen Herstellers. „Das ist eine seit 1896 bestehende Traditionsfirma, aber sie war abgewirtschaftet.“ Produziert werden die Bausätze von Häusern, landwirtschaftliche Geräte, Baumaschine und Kränen in den Spurgrößen H0, N und Z seitdem an den Viessmann-Standorten in Rumänien und Ungarn, auf den Packungen steht Kibri.

„Wir haben mit einem Schlag 850 neue Produkte gehabt“, sagt Viessmann – eine gewaltige Aufgabe, „finanziell und organisatorisch“. Inzwischen sei das bewältigt. Derzeit befindet sich das Kibri-Lager in einer angemieteten Halle in Hatzfeld, im nächsten Jahr wird am Standort in Reddighausen erweitert. Auch die Werke in Ungarn und Rumänien werden infolge der Kibri-Übernahme bis 2015 vergrößert, um Produktion und Logistik effektiver gestalten zu können.

Der Vorteil für Viessmann: Die Produktpalette von Kibri und Viessmann lässt sich miteinander verknüpfen. „Das ist eine geniale Verbindung“, sagt Wieland Viessmann. So entstehen beispielsweise bewegliche Fahrzeuge mit vielen Funktionen. Elektronik und Antriebstechnik stammen von Viessmann, die Modelle von Kibri.

Damit folgt das Unternehmen einem Trend: Auf der Modelleisenbahnanlage muss Aktion zu sehen sein. Entstanden ist auch ein völlig neues Produkt: Der Stopfexpress, also ein Schienenfahrzeug. Das reale Vorbild wird für den Gleisbau benötigt. Das Modell kann verschiedene Funktionen darstellen und klingt wie das Vorbild. „Das hat uns so noch kein anderer Hersteller vorgemacht“, ist Wieland Viessmann stolz.

„Der Kauf von Kibri hat sich gelohnt“, lautet deshalb sein Fazit. Es sei der Grundstock für eine ganze Reihe neuer Produkte gesetzt worden: „Da haben wir für die nächsten zehn Jahre genügend Basis.“ Eine „durchschlagende“ Neuheit kündigt Viessmann für die Spielwarenmesse 2014 an. Jährlich erscheinen im Schnitt je 20 Viessmann- und Kibri-Neuheiten.

So begeistert er über die Produkte spricht – ein typischer Modellbahner ist er gar nicht. „Es ist nicht so, dass ich ein Hobby zum Beruf gemacht hätte“, gibt er zu. „Aber eine Eisenbahn hatte ich als Kind auch.“

Die gute Entwicklung war nur dank der engagierten Mitarbeiter möglich: „Meine Frau Birgit, mein Sohn Matthias und ich sind sehr stolz und zufrieden mit dem Fleiß, der Loyalität und der Qualifikation unserer Mitarbeiter“, sagt Wieland Viessmann. „Teamgeist wird bei uns großgeschrieben. Aus diesem Geist heraus ist im Laufe der Jahre auch das sehr gute Betriebsklima erwachsen.“

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