800 Jahre Kloster Haina: Erste Urkunde war Fälschung

Erinnerung an die Grundsteinlegung: Ungewöhnlich lange dauerte es vom ersten Versuch der Gründung des Klosters Aulisburg bei Löhlbach bis zum Baubeginn des Klosters Haina im Jahre 1215. Unser Foto zeigt (von links) die 2. Vorsitzende des Geschichtsvereins, Ruth Piro-Klein, den Referenten Dr. Arnd Friedrich und den Vorsitzenden des Geschichtsvereins, Karl-Hermann Völker. Foto:  Siegesmund

Frankenberg/Haina. Der Frankenberger Geschichtsverein hat schon einmal eingestimmt auf das diesjährige Jubiläum 800 Jahre Grundsteinlegung des Klosters Haina.

Auf reges Interesse stieß der Vortrag mit Bildpräsentation von Dr. Arnd Friedrich (Dodenhausen) zur Vorgeschichte dieser Grundsteinlegung des Klosters im Juni 1215. Rund 70 interessierte Zuhörer waren in die kleine Mauritiuskapelle des Frankenberger Kreisheimatmuseums gekommen.

Nach der ältesten erhaltenen Urkunde nahm die Klostergründung angeblich bereits im Jahre 1144 ihren Lauf. Das Schriftstück ist jedoch, wie der Historiker erläuterte und belegte, eine Fälschung.

Die richtige Gründungsgeschichte ergibt sich erst aus einem späteren Visitationsbericht, in dem Graf Poppo von Reichenbach und Ziegenhain und seine Gemahlin Bertha den Berg Aulisburg im Jahre 1150 dem Zisterzienserkloster Kamp (heute Kamp-Lintfort am Niederrhein) übertrugen. Bestätigt wird dies auch durch die Chronik des Klosters Kamp aus dem 15. Jahrhundert, das seinerseits bereits 1123 von der burgundischen Primarabtei Morimond gegründet worden war.

Da sich aber die Stifter mit den aus Kamp entsandten Zisterziensterkonventen nicht einigen konnten, blieb die Klostergründung auf der Aulisburg (unweit von Löhlbach) letztlich erfolglos. Der Ort Aulisburg lag lange Zeit wüst.

Vermutlich wäre dies, so Dr. Friedrich, das Ende für eine klösterliche Niederlassung gewesen, wenn nicht Graf Heinrich der III, ein Enkel des Grafen Poppo, 1187 den Berg Aulisburg frei von allen Abgaben und unter gleichzeitigem Verzicht auf alle Eigentums- und Vogteirechte dem Generalkapitel der Zisterzenser übergeben hätte.

Auf Beschluss des Generalkapitels übernahm jedoch 1188 nicht nochmals ein aus Kamp entsandter Konvent, sondern das bergische Zisterzienserkloster Altenberg bei Köln den Ort. Die strenge Auslegung der Zisterzienserregel schrieb neben der Freiheit von geistlicher und weltlicher Herrschaft die Siedlungsferne der Klöster vor. Bäuerliche Ansiedlungen im Umfeld wurden nicht geduldet. Sie mussten aufgegeben werden. An die Stelle dörflicher Siedlungen traten nun die großen Wirtschaftshöfe der Zisterzienser.

Erst als die Verlegung von der Aulisburg nach Haina durch die Zustimmung aller relevanten Mächte geklärt war, war 1215 der Weg endgültig frei für den Baubeginn in Haina. Bei der Weihe am 1. April 1224 durch den Mainzer Erzbischof Siegfried war der erste Bauabschnitt, das heißt der Sockel der romanische der Kirche und die notwendigen Konventbauten, fertig gestellt.

Mit einer Schenkungsurkunde vom 24. Februar 1225 endet streng genommen die Vorgeschichte des Klosters Haina. Die Grundsteinlegung selbst war lediglich ein wichtiges Etappenziel. Bis zur endgültigen Niederlassung des Aulisburger Konvents in der neuen Klosteranlage dauerte es, von der ursprünglichen Klosterstiftung an gerechnet, also fast 85 Jahre. (zpz)

Quelle: HNA

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