Frankenberg

100 Jahre Liebe zur Mode

- Frankenberg (gl). Keine Brille, kein Hörgerät und täglich zu Fuß unterwegs – Maria Tengel erledigt auch an ihrem großen Jubiläum noch viel selbst.

Hüte, die liebt Maria Tengel heute wie damals. Überhaupt: Mode ist eine ihrer Leidenschaften, auch wenn sie in den letzten Jahren etwas in den Hintergrund rückte. Maria Tengel wurde am 4. August 1910 in Troppau (heute tschechisch: Opava) im Sudetenland als Maria Geisler geboren. Sie verlebte eine sehr glücklich und behütete Kindheit als mittlere von fünf Geschwistern, drei Mädchen und zwei Jungs. Früh interessierte sie sich für die Mode – und wurde folgerichtig Modistin. Heute würde sie sich wohl als Designerin beschreiben, denn sie entwarf vor allem Hüte. In ihrer Heimatstadt eröffnete sie in jungen Jahren ein eigenes Geschäft. Selbstständig zu sein als Frau, das war vor dem Krieg etwas besonderes. Der Zweite Weltkrieg veränderte ihr Leben, denn sie wurde mit ihrem Mann Franz vertrieben. Die neue Heimat bedeutete für die weltgewandte Frau zunächst eine Umstellung. Von der Großstadt mit gut 45 000 Einwohnern kam sie in ein Dorf von nichteinmal 150 Einwohnern: Hommershausen. Dennoch lebte sie sich schnell ein und schloss viele Freundschaften. Noch heute erhält sie Besuch von Verwandten der Menschen, bei denen sie einquartiert worden war. Eigene Kinder hat Maria Tengel nicht – sie pflegt aber eine besondere Beziehung zu ihrer Nichte aus Heidelberg, die sie einmal im Monat besuchen kommt. 2006, damals immerhin schon 96 Jahre alt, entschied sie sich dazu, aus ihrer Wohnung bei „Heini“ Vöhl in das Altenzentrum „Auf der Burg“ zu ziehen, wo sie schnell Anschluss an die Gemeinschaft fand. Regelmäßig nimmt sie etwa an Ausflügen teil. Maria Tengel ist sehr naturverbunden und liebt es, aus dem Alltag auszubrechen und die frische Luft zu genießen, Tiere zu beobachten.Dank ihres guten Gesundheitszustandes kann sie auch ihren beiden anderen Vorlieben noch nachgehen: Zeitung zu lesen und klassische Musik zu hören. Maria Tengel braucht weder Hörgerät noch Brille. Dank der täglichen Lektüre ist sie über lokale, bundesweite und sogar globale Ereignisse informiert. Gerne erledigt sie selbst, was sie noch schafft. Den Rollstuhl etwa nutzt sie nur bei längeren Strecken, gerne ist sie zu Fuß unterwegs, besonders im Heim. Dort backt und kocht sie häufig, schafft kleine Kunstwerke aus Blumen oder Stoffen und besucht den katholischen Gottesdienst. Am Mittwoch feiert Maria Tengel im kleinen Kreise ihr großes Jubiläum – ganz so, wie sie gelebt hat. Die FZ wünscht ihr dazu nur das Beste.

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