FZ-Serie „Mones trifft“: Rainer Pecher · Komponist, Chorleiter, bekennender Christ

Mit 13 Jahren erste Walzer komponiert

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Musikalischer Christ: Herausragend ist Rainer Pechers kulturelles Engagement. Foto: Tim Heinrichs-Noll

Frankenberg - Musik ist sein Leben. Seine Liebe und Zuneigung lässt er seiner Familie angedeihen - und mit Leib und Seele war er Lehrer. Die Rede ist von Rainer Pecher aus Frankenberg, 85 Jahre alt und noch immer mit großer Begeisterung bei der Sache.

Hinter Rainer Pecher liegt ein spannendes, insgesamt erfülltes Leben. So viel vorweg: Er hat sich um das kulturelle Leben seiner Wahlheimat Frankenberg verdient gemacht. Am 23. November 1928 im Dorf Chotieschau bei Pilsen, einer deutschsprachigen Enklave in der ehemali-gen Tschechoslowakei, geboren, besuchte er ab 1939 die deutschen Gymnasien in Staab und Pilsen. 1944 wurde er Luftwaffenhelfer; es folgten Reichsarbeitsdienst und Militärzeit mit amerikanischer Gefangenschaft. Nach Chotieschau zurückgekehrt, musste er in einer Ziegelei arbeiten. Sein inhaftierter Vater starb wenig später.

Vertreibung und Neubeginn

Im Mai 1946 dann die endgültige Ausweisung nach Deutschland. Der Güterzug endete in Frankenberg, die Familie Pecher - Mutter, Großmutter und vier Kinder - fand bei der Bottendorfer Familie Vaupel/Thiele eine Bleibe. Bereits ab Juni 1946 besuchte Rainer Pecher das Gymnasium Edertalschule in Frankenberg, und im März 1947 bestand er das Abitur. In der Zeit bis zum Studium betätigte er sich als Hilfsarbeiter beim Sportplatzbau in Bottendorf und im Sägewerk Finger.

Studium in Weilburg

Von 1948 bis 1951 folgte das pädagogische Studium in Weilburg; Wahlfach Musik. Seine erste Stelle trat Junglehrer Pecher 1951 in Gemünden an. Nach der zweiten Lehrerprüfung wechselte er von 1955 bis 1961 in den Auslandsschuldienst an die Deutsche Schule in Barcelona in Spanien; drei Jahre war er Schulleiter. In Barcelona heiratete er 1957 seine Frau Maria, geb. Gall, eine gebürtige protestantische Hamburgerin. 1958 wurde Isabel, 1960 Regina und 1961 Christina geboren; 1969 erblickte Sohn Eckhard das Licht der Welt. 1961 war die Familie Pecher von Barcelona nach Frankenberg gezogen: neue Lehrerstelle in der Ortenbergschule, wo Pecher bis zum Ruhestand 1993 als Konrektor fungierte. Seit 1973 leben die Pechers im Eigen-heim in der Gartenstraße 22.

Violine, Akkordeon, Klavier

Das musikalische Leben des Rainer Pecher beginnt früh. Als Kind lernte er Violine, Akkordeon und Klavier. Bereits mit 13 Jahren komponiert er seine ersten Walzer. Professionelle Kenntnisse eignete er sich beim Studium an; er war Mitglied des Studentenorchesters. An den Schulen in Gemünden und Barcelona baute er Schulchöre auf. In Frankenberg übernahm er 1961 den katholischen Kirchenchor „St. Marien“ und leitete ihn mehr als 40 Jahre. Von 1977 bis 2002 arbeitete er mit dem „Frankenberger Kammerchor“, einem Projektchor mit besonderen Aufgaben. Seit 1974 ist Pecher als Mitarbeiter auf den Familienfreizeiten der Musischen Gesellschaft mit inter-nationalen Teilnehmern tätig.

Und darauf ist der Jubilar besonders stolz: Für alle von ihm geleiteten Chöre entstanden viele eigene Kompositionen: „Gebrauchsmusik“ aber auch Anspruchsvolles, wie Motetten, Kantaten und Instrumentalmusik. Pechers Chöre wirkten in diversen Konzerten mit.

Kultur und Kirche

Rainer Pecher gehört seit Jahrzehnten dem Vorstand des Kulturrings Frankenberg an, davon sieben Jahre als Vorsitzender. Dabei trug er Verantwortung für den Sektor „Konzerte“ mit allem, was dazu gehört - bis hin zur Pressearbeit.

Darüber hinaus hat sich Rainer Pecher auf kirchlichem Sektor ehrenamtlich engagiert, speziell im Bereich Ökumene. Hier wirkte die Kirchenmusik als „Katalysator“. Er verstand sich gut mit dem evangelischen Kantor Martin Naumann, sang selbst oft in der evangelischen Kantorei mit, und bereits Ende der 1960er Jahre gab es gemeinsame Kirchenkonzerte von Kantorei und Chor St. Marien - und zwar in beiden Kirchen.

Pecher: „In Konzerten des Kammerchors in der Liebfrauenkirche ergab sich eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Dekan Jockel und mir.“ Aber auch mit den anderen Geistlichen beider Konfessionen kam der Frankenberger „gut klar“.

Von Horst Giebel

Hintergrund: FZ-Serie „Mones trifft“

„Mones trifft“, so lautet der Titel einer multimedial angelegten Serie der Frankenberger Zeitung. In regelmäßigen Abständen verabredet sich Horst Giebel alias „Mones“ mit einer bekannten Persönlichkeit aus dem Frankenberger Land zu einem exklusiven Treffen. Mit einer Videokamera wird diese Unterhaltung aufgezeichnet: Es entsteht ein Dokument der Zeitgeschichte, das in dieser Form im Frankenberger Land einzigartig ist. Zu sehen sind die Videos im Internet unter der Adresse www.wlz-fz.de. Erschienen sind in den vergangenen Monaten folgende Beiträge - „Mones trifft“:

Walter Sellmann, der „Wanderpapst“ aus Rennertehausen

Heini Vöhl, das gastronomische Urgestein aus Frankenberg

Jolantha „Joy“ Thonet, die „Grande Dame“ des weltweit operierenden Möbelherstellers aus Frankenberg

Dr. Hans Hermann Dietrich, der bekannte Mediziner und „Menschenfreund“ aus Frankenberg

Rudi Müller, der Bromskirchener Alt-Bürgermeister

Helmut Schmidt, der dichtenden Gärtner (Dodenau)

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