Vor 100 Jahren wurde aus der "Alten Hütte" ein beliebtes Ausflugslokal

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Gasthof "Zur alten Hütte": Direkt neben dem ehemaligen Frankenberger Verhüttungsbetrieb, dessen Schornstein noch erhalten geblieben war, baute Johann Jost Neuschäfer 1913 dieses Gebäude mit Fachwerkgiebel und schmuckvoller Eckverquaderung.

Frankenberg. Es war ein richtiges Volksfest, als sich im Dezember vor 100 Jahren trotz Eiseskälte vor den Toren der Stadt Frankenberg etwa 300 Bürgerinnen und Bürger versammelten:

Aus einem allmählich verfallenden Denkmal der einst blühenden Frankenberger Bergwerksgeschichte hatte der Bauhandwerker Johann Jost Neuschäfer, Bruder des durch seine Baufirma in der Illerstadt bekannten Daniel Neuschäfer, die über Jahrzehnte beliebteste Ausflugsgastwirtschaft "Zur alten Hütte" gemacht und weihte sie nun festlich ein.

Die Gäste fanden kaum alle Platz am 15. Dezember 1913. Sie bewunderten das "schmucke Landhaus", das neben der ehemaligen Schmelzhütte entstanden war. "Die gestern von der Zinne des immer noch dem Zahne der Zeit trotzenden Schornsteins flatternde Fahne, deren Anbringung das Bravourstück eines hiesigen Dachdeckers war, deutete auf die hier vorgegangene Veränderung", hieß es achtungsvoll in der Lokalpresse.

Der Maurerpolier und Gastwirt Neuschäfer, der mit der Namensgebung "Zur alten Hütte" ganz bewusst an den Frankenberger Bergbau erinnern wollte, sorgte zur Feier der Einweihung für eine "vorzügliche Bewirtung". Es gab "Casseler Actienbier", dazu konzertierte die Kapelle Herguth.

Der neu entstandene Wirtschaftsbetrieb entwickelte sich prächtig. Dort stiegen unter der Woche nicht nur Reisende ab, sondern die Frankenberger nutzten die Gastwirtschaft gern zur Einkehr nach einem Sonntagsspaziergang. Hier trafen sich auch Vereine und Stammtische.

Besonderes historisches Ereignis: Am 1. Mai 1919 zog in der jungen, demokratischen Weimarer Republik erstmals Frankenbergs Sozialdemokratische Mehrheitspartei in einem Festzug durch die Stadt zur "Alten Hütte", wo man "im Vereine der Gesinnungsgenossen aus Stadt und Land die Errungenschaften der Revolution" feierte.

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Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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