Röddenauer Comic-Zeichner

Jedes Bild hat seine eigene Geschichte

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„Der Schrei“ von Edvard Munch gilt als teuerstes Bild der Welt. Das hat Ragnar Merle zu einem Bild im Manga-Stil inspiriert.

Frankenberg-Röddenau - "Schon immer" hat Ragnar Merle aus Röddenau gerne gezeichnet. Einige seiner Karikaturen hat die Frankenberger Zeitung veröffentlicht. Der 39-Jährige zeichnet aber auch Comics und Mangas.

Eine blaue Europa-Kuh mit gelben Sternen und um sie herum ein Haufen gieriger Menschen in den Farben ihrer Heimatländer. Sie alle drängen sich um die Kuh und melken sie. Die Karikatur stellt Europa dar, wie Ragnar Merle es sieht: Die Mitgliedsländer melken das Staatenbündnis geradezu.

Ein anderes Bild zeigt den Schriftzug „Europa“ und überall sind Heuschrecken, die an den Buchstaben knabbern und sie langsam, aber sicher auffressen. „Hedgefonds“ werden häufig als Heuschrecken bezeichnet.

Wenn der 39-Jährige Nachrichten sieht, Computer spielt oder Zeitung liest, kommen ihm ständig neue Ideen, die er dann zu Papier bringt. Die Karikaturen mit politischen Aussagen hat er schon häufiger an die Frankenberger Zeitung geschickt, wo sie abgedruckt wurden. Aber der Röddenauer bringt nicht nur Politisches überspitzt und fantasievoll zu Papier: Mit Comics und Mangas - einer japanischen Comicform - setzt er seine Ideen sichtbar und in Farbe um. Dabei ist vor seinem spitzen Bleistift nichts sicher: Die Kollegen, denen etwas Lustiges passiert ist, die Jahreszeiten, denen er ein Gesicht verpasst, ein Musikstück, zu dem er ein Bild malt oder das teuerste Bild der Welt - „Der Schrei“ von Edvard Munch - den er als Vorlage für eine schreiende Manga-Figur nutzt.

Die humorvollen und kreativen Werke von Ragnar Merle sind nicht nur in der FZ abgedruckt worden - auch in Computerzeitschriften und Mangaheften hat der Molkereifachmann seine eingesendeten Bilder schon wiederentdeckt. Das erste Bild wurde in der „Manga-Szene“ veröffentlicht. Bereits zehn Jahre ist es her, dass er das Bild von der Manga-Figur „Son Goku“ aus „Dragonball“ gezeichnet hat. Es zeigt den japanischen Comic-Helden bei der Arbeit als Molkereifachmann. „Es ist aufregend, wenn die eigenen Bilder veröffentlicht werden. Da schlägt mein Herz schneller“, sagt Ragnar Merle. „Es ist spaßig zu sehen, ob es anderen Leuten auch gefällt, was ich zeichne.“

Positive Rückmeldung bekomme er oft. Aber das war nicht immer so: Als Schüler hatte Ragnar Merle mit dem Zeichnen angefangen. „Mein Onkel hat mir ein Buch mit Ottifanten geschenkt, in dem auch erklärt wird, wie man Ottifanten malt“, erzählt der 39-Jährige. In der Schule habe er damit die Löschblätter seiner Hefte vollgemalt. „Die Lehrer haben sich immer ziemlich aufgeregt“, erinnert er sich lachend.

Richtig mit dem Zeichnen angefangen hat der Röddenauer dann mit 23 Jahren. An der Arbeit hat der Molkereifachmann immer wieder Szenen festgehalten, die er lustig fand. Fünf Minuten nahm er sich in der Pause, um mit dem Kugelschreiber Skizzen zu machen. Kleine Comics fertige er dann daheim - etwa von seinem Kollegen, der aus einer Milchtüte trank, in die ein anderer Kollege zuvor seine Zigarettenkippe geworfen hatte.

Erst mit den lustigen Geschehnissen an seinem Arbeitsplatz hat Merle die Leidenschaft zum Zeichnen richtig entdeckt: Ab da kaufte er Bücher, belegte einen Fernkurs und übte fast täglich. Ideen hat er genug - eigentlich sogar mehr Ideen als Zeit, sie auch zu Papier zu bringen. Der 39-Jährige hat sich schon in verschiedenen Techniken geübt, malt mit Buntstiften oder Wasserfarben. Die meisten Bilder zeichnet er jedoch mit Bleistift, tuscht sie nach und scannt sie dann am Computer ein. Dort verpasst er ihnen dann Farbe. Meistens braucht er drei Tage für eine Karikatur oder einen Comic. „Am ersten Tag zeichne ich meine Idee vor“, erklärt er. Erst am zweiten Tag schaut er dann noch mal über sein Werk und behebt kleine Fehler, schaut, ob alle Linien richtig sitzen. Dann erst zieht er die Linien mit Tusche nach. Mit Farbe ausgestaltet werden die Bilder dann am dritten Tag. Ob und wie er zeichnet - das ist bei Merle stimmungabhängig. Fast jeden Tag verwandelt er seine Ideen in Bilder. „Ich zeichne gerne, weil es mir Spaß macht, meine Gedanken festzuhalten und über die Bilder zu kommunizieren, weil sie etwas ausdrücken.“ Wenn der Röddenauer seine Bilder durchgeht - gesammelte Werke aus mehr als 15 Jahren - dann kommen alte Erinnerungen hoch. Zu jedem Bild kann er eine Geschichte erzählen, weiß genau, was damals war und wieso er es gezeichnet hat. In einer seiner Mappen hat Merle die Bilder, die in verschiedenen Zeitschriften oder in Manga-Kalendern veröffentlicht waren. „Jedes Bild hat eben seine eigene Geschichte.“

Im vergangenen Jahr hat Merle seine Bilder erstmals auf dem Frankenberger Kunstmarkt ausgestellt. Von einigen Comics hat er Postkarten gemacht und die verkauft. „Dieses Jahr möchte ich auch wieder mitmachen“, erzählt er. Merle möchte den Menschen seine Bilder zeigen und die Reaktionen darauf sehen.

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