Jüdin Ruth Hammer nach 74 Jahren wieder in ihrer Heimatstadt Rosenthal

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Schulkameraden von früher: Die Jüdin Ruth Hammer, geb. Rosenberg (2. von rechts), freut sich beim Besuch in ihrer Heimatstadt Rosenthal über das Wiedersehen mit den ehemaligen Mitschüler (von links) Heinrich Stöhr, Marie Lehmann und Anna Ruckert.

Rosenthal. Ihr Deutsch ist noch völlig einwandfrei, ihre Augen strahlten, und nach einer kurzen Weile kamen auch verschüttet geglaubte Erinnerungen zurück: Zum ersten Mal nach 74 Jahren besuchte Ruth Hammer, geborene Rosenberg, ihre Geburts- und Heimatstadt Rosenthal.

1938 hatte das jüdische, damals dreizehnjährige Mädchen zusammen mit seinen Eltern Deutschland verlassen und in New Jersey/USA ein neues Zuhause gefunden. Mit Spannung erwartete man in Rosenthal die Begegnung. Bürgermeister Hans Waßmuth und Vertreter des Vereins für Heimatpflege empfingen die rüstige Seniorin im Rathaus, dann machten sich alle zu einem kleinen Rundgang auf.

„So klein hatte ich das nicht in Erinnerung“, staunte Ruth Hammer über ihr ehemaliges Elternhaus am Obertor, und auch den Weg zur früheren Synagoge, heute ein privat genutztes Wohnhaus, erkannte sie nicht wieder.

In der Alten Schule erwartete die Besucherin eine Überraschung: Mehrere etwa gleichaltrige Rosenthaler, darunter drei ehemalige Mitschüler, freuten sich auf das Wiedersehen mit ihrer früheren Spiel- und Schulkameradin. „Wo sind denn deine langen Zöpfe geblieben?“, fragte Lina Vaupel, und Annelene Klee wusste noch genau, dass die kleine Ruth „ein richtig hübsches Mädchen“ gewesen war.

„Ich bin sehr berührt“, erklärte die Besucherin, die von ihrem Sohn Charles begleitet wurde. Auf großes Interesse stießen die Fotos der Rosenthaler Schulklassen aus den 30er-Jahren, doch hier versagte das Gedächtnis der Seniorin bei den allermeisten Gesichtern. Sehr lebendig war es noch bei der Erinnerung an ihren damaligen Lehrer Heinrich Otto, der das jüdische Mädchen schikanierte. „Ich durfte nicht am Turnunterricht teilnehmen und musste auf der Eselsbank sitzen“, erzählte sie. Auch die Mitschüler erinnerten sich an die Schikanen.

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Quelle: HNA

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