Protest gegen verlängerte Sperrstunde in Frankenberg

Jugend will vor dem Stadthaus demonstrieren

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Vertreter aller politischen Jugendorganisationen der Stadt, verschiedener Landjugend-Gruppen und des Röddenauer Jugendclubs bleiben dabei: Sie sind gegen die verlängerte Sperrzeit.Foto: pr

Frankenberg - Auf die Verlängerung der Sperrzeit in Frankenberg reagieren jetzt auch die Vertreter der politischen Jugendorganisationen: Sie bleiben bei ihrem "Nein" und planen Aktionen, um ihr Anliegen zu verdeutlichen.

Die vergangene Woche erlassene Verlängerung der Sperrzeit durch Bürgermeister Rüdiger Heß ruft beim Jugendbündnis gegen die Sperrstunde deutliche Kritik hervor. „Um eine korrekte Schlussfolgerung aus den von der Polizei vorgelegten Statistiken zu ziehen, ist eine Entwicklung von Gewaltdelikten über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren nötig. Die vorgelegten absoluten Werte aus nur einem Jahr lassen kaum eine fundierte Interpretation möglicher problematischer Entwicklungen zu“, erklärten Christoph Müller (Junge Union), Hendrik Klinge (Jusos), Christoph Hartel (Junge Liberale) und Christine Möller (Grüne Jugend). Ihre politischen Jugendorganisation bilden mit einigen Landjugend-Gruppen und dem Röddenauer Jugendclub das Bündnis.

Heß hatte sich in seiner Entscheidung auf die Zahl der Gewaltdelikte nach drei Uhr berufen - und darauf, dass entsprechende Werte nach Polizeiangaben in Korbach nach Einführung einer Sperrstunde zurückgegangen seien. Ihm gehe es nicht darum, das „Feiern zu vermiesen“, hatte er erklärt, sondern darum, Gewaltpotenziale zu mindern und die Täter zu schützen, ihnen erst keine Chance auf Gewalttaten zu geben.

Die Jugendvertreter - die in dieser Frage erstmals über Parteigrenzen hinweg eng zusammenarbeiten - hatten bereits im Vorfeld der Entscheidung in ihrer Argumentation immer auf die Attraktivität der Region verwiesen. Die Vorsitzende der Hauberner Landjugend, Carolin Schmidtmann, erklärt nach dem jüngsten Treffen: „Es geht uns nicht darum, in der Öffentlichkeit mit negativer Kritik aufzufallen, sondern für die Attraktivität unserer Heimat zu streiten. Denn die Aufrechterhaltung der Attraktivität unserer Heimatstadt für junge Menschen und damit die Zukunft der Region ist unser Ziel.“

Ähnlich argumentiert Helena Graß, Chefin der Geismarer Landjugend: Es gehe nicht darum, wie lange die Vertreter selbst feiern würden, sondern „um das Ausgehverhalten einer ganzen Generation. Dies lässt sich nicht in einer Kleinstadt wie Frankenberg verändern. Stattdessen werden junge Menschen weite Fahrtwege in Kauf nehmen, um Abendveranstaltungen zu erreichen und spät nachts heimfahren“. Auch vom noch nicht volljährigen Nachwuchs hagelt es Kritik: „Bei aller Diskussion, die in der Öffentlichkeit geführt wird, ist es uns wichtig, dass es einzig um die Sache, eine politische Entscheidung, geht. Persönliche Differenzen und unsachliches Verhalten sind nicht angebracht“, argumentieren die Schülervertreter der Burgwaldschule, Lara Scheller und Christian Bartel.

Sperrzeit schadet Region

Christoph Müller, Vorsitzender der Jungen Union, führt an: „Die Effekte einer vorgezogenen Sperrzeit lassen sich nicht allein in Zahlen von Gewaltdelikten messen. Der demografische Wandel mit einer massiven Alterung der Gesellschaft - verbunden mit einem Mangel an jungen Fachkräften - scheint bei der Entscheidung nicht beachtet worden zu sein. Im Hinblick auf die Entwicklung ist die Attraktivität der Stadt für junge Menschen sehr wichtig.“

„Es wurde nicht verstanden, warum die Verlängerung der Sperrzeit der gesamten Region mehr schadet als nutzt. Sich hauptsächlich auf den Rat der Polizei zu stützen, erscheint bei den möglichen umfassenden Folgen nicht zielführend“, sagt Hendrik Klinge, Vorsitzender der Jungsozialisten. Bürger hätten den Anspruch an die Politik, sämtliche Einflussfaktoren miteinander abzuwägen. Darauf, dass die Jungpolitiker auch ihre Mutterparteien hinter sich sehen, verweist Christoph Hartel, Vorsitzender der Jungen Liberalen: „In zahlreichen Gesprächen mit Politikern verschiedener Parteien aus Bundestag, Landtag, Kreistag und der Stadtverordnetenversammlung wurde deutlich, dass erhebliche Bedenken bezüglich der verlängerten Sperrzeit bestehen.“

Zugleich äußern die Jugendlichen auch Kritik an Altersgenossen, die im Internet mit ausfallenden Kommentaren auf die Entscheidung reagiert hatten: „Wir haben Verständnis dafür, wenn Jugendliche sachliche Kritik an der Sache des Bürgermeisters äußern. Kein Verständnis haben wir für persönliche Beleidigungen und Androhungen von Gewalt. Das Bündnis distanziert sich hiervon ausdrücklich“, sagt Christine Möller, Stadtverordnete und Sprecherin der Grünen-Jugend. André Landau vom Röddenauer Jugendclub führt an, es ginge darum, friedliches und gewaltfreies Feiern zu ermöglichen.

Bei mündlicher Kritik will die Jugend es nicht mehr belassen: „Wir planen einen Flashmob auf dem Obermarkt, um friedlich gegen die Sperrzeitverlängerung zu demonstrieren. Damit möchten wir der Öffentlichkeit zeigen, dass uns die Zukunft der Stadt am Herzen liegt und wir uns der allgemeinen Politikverdrossenheit deutlich entgegenstellen“, erklärt Carolin Hecker, stellvertretende Landesvorsitzende der Landjugend.

Ihren Mutterparteien geben sie ein starkes Signal: „Wir fordern alle Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung auf, die Sperrzeit im Parlament zu diskutieren und den Bürgermeister aufzufordern, die Sperrzeitverlängerung zurückzunehmen und ein Präventionskonzept zu erarbeiten.“ (gl/r)

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