Misshandlungsprozess gegen 48-Jährigen – Erzieherinnen hatten Behörde informiert

Jugendamt griff nicht ein

Marburg. Lehrerinnen und Erzieherinnen der sieben Kinder haben am dritten Verhandlungstag im Prozess gegen einen 48-jährigen Marburger ausgesagt. Er ist wegen Misshandlung und sexuellen Missbrauchs angeklagt (HNA berichtete).

„Die Kinder waren nach der Verhaftung des Vaters wie ausgewechselt“, sagte eine Zeugin. Sie kenne den Angeklagten seit 2004, berichtete die Sozialarbeiterin, die drei Kinderbetreuungseinrichtungen leitet. Der Angeklagte habe die Erzieherinnen des Kindergartens immer wieder aggressiv und ordinär beschimpft und sie bedroht. Der älteste Sohn der Familie sei von Anfang an durch Aggressivität aufgefallen, berichtete die Zeugin weiter. Die älteste Tochter sei ebenfalls unkontrolliert gewesen. Die Zeugen habe vermutet, dass in der Familie etwas nicht in Ordnung sei und habe das Jugendamt kontaktiert. „Aber alle Kinder haben immer gesagt, es sei nichts. Dann kann auch das Jugendamt nichts machen.“

Alle Kinder, „vom ältesten bis zum jüngsten“ , hätten mit der Zeit jedoch von massiven Schlägen zuhause berichtet und seien auffällig ängstlich gewesen, wenn es um die Eltern ging. Der älteste Sohn habe Selbstmordabsichten geäußert, habe aber gesagt, er könne die Geschwister und die Mutter nicht alleine lassen, er müsse sie schützen.

Weiter berichtete die Zeugin von Panikzuständen und „Schockstarre“ bei den jüngeren Kindern. Vor allem das jüngste Mädchen sei ein extrem trauriges Kind gewesen, dass kaum gegessen oder gesprochen haben. „Aber zwei Wochen nach der Verhaftung des Vaters waren die Kinder wie ausgewechselt. Die Kleine redete wie ein Wasserfall und lachte sogar“, berichtete sie.

Sowohl die Grundschule als auch die weiterführende Schule hätten wiederholt Auffälligkeiten vor allem bei der ältesten Tochter an das Jugendamt gemeldet, berichtete eine andere Betreuerin. „Aber die taten dasselbe wie bei meinen Berichten: nichts.“ Weiter schilderte die Zeuge, der Vater habe sie zu Beginn der Betreuung der ältesten Tochter aufgefordert, dieser „ruhig mal eine zu klatschen, wenn die nicht isst. Druck ist das Zaubermittel“.

„Das lügen Sie, ohne rot zu werden“, rief der Angeklagte dazwischen. Bei einer anderen Zeugin legte die Staatsanwältin schließlich Widerspruch wegen Einschüchterung durch den Angeklagten ein.

Auch den Verdacht auf sexuellen Missbrauch der ältesten Tochter hatten mehrere Zeuginnen seit langem. Aber sie habe immer „zu gemacht“, wenn sie daraufhin angesprochen wurde, berichteten sie Und mehrere Zeuginnen hatten auch den Verdacht, dass die im Haushalt lebende Tante der Kinder, „wie eine Haussklavin gehalten“ worden sei. Der Prozess wird am 4. Mai fortgesetzt. (nh/ky)

Quelle: HNA

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