Thema im Kreistag

1,5 Stellen für 752 Fälle: Jugendgerichtshilfe im Kreis überlastet

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Um 752 Fälle hat sich die Jugendgerichtshilfe im vergangenen Jahr im Landkreis gekümmert.

Waldeck-Frankenberg. Der Kreistag debattierte über die Teilnahme am Präventionsprogramm „Gelbe Karte“ sowie die schlechte Situation der Jugendgerichtshilfe in Waldeck-Frankenberg.

Die CDU-Fraktion forderte, dass der Landkreis am hessischen Projekt "Gelbe Karte", das sich gegen Gewalt und Alkoholmissbrauch richtet, teilnimmt, doch in den Fraktionen gab es Vorbehalte. 

Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die zum Beispiel durch Drogendelikte oder Gewalttaten auffallen, droht beim Projekt „Gelbe Karte“ der Entzug des Führerscheins. Ob das rechtlich überhaupt möglich sei, wurde ebenso diskutiert wie die Personalsituation der Jugendgerichtshilfe. Denn eine erzieherische Einwirkung sei Sache des Jugendstrafrechts unter Mitwirkung der Jugendgerichtshilfe. Diese sei aber „am absolut unteren Limit besetzt“.

"Nicht einmal Pflichtaufgaben können erfüllt werden"

1,5 Stellen gibt es in der Abteilung des Jugendamts, um 752 Fälle mussten sich die Mitarbeiter allein im vergangenen Jahr kümmern. Ein Jugendrichter hatte bereits im Jugendhilfeausschuss kritisiert, dass nicht einmal die Pflichtaufgaben hinreichend erfüllt werden könnten, obwohl die Mitarbeiter gut ausgebildet und hoch motiviert seien.

Mehrere Fraktionen betonten, dass sich an der personellen Ausstattung dringend etwas ändern müsse. „Wir müssen zu Verbesserungen kommen“, sagte Daniel May, Fraktionsvorsitzender der Grünen.

Das hessenweite Pilotprojekt „Gelbe Karte“ sei ein „weiterer Baustein in der Präventionsoffensive des Landes“, begründete Armin Schwarz (CDU) den Antrag. Die „erzieherische Maßnahme“ solle dazu dienen, junge Menschen „zurück auf den Weg der Tugend zu bringen“. Mehrheitlich entschieden die Kreistagsmitglieder, die „Gelbe Karte“ in die Überlegungen zum Ausbau der Jugendgerichtshilfe einzubeziehen.

Ansprechpartner für Jugendliche, Eltern, Gericht

Die Jugendgerichtshilfe ist angegliedert ans Jugendamt. Gearbeitet wird dort mit Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren oder Erwachsenen bis 21 Jahren, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Die Jugendgerichtshilfe begleitet den gesamten Ablauf eines Ermittlungs- und Jugendstrafverfahrens. Die Mitarbeiter sind Ansprechpartner für den Jugendlichen, dessen Eltern, für Staatsanwaltschaft und Gericht. Die Jugendgerichtshilfe informiert über Folgen einer Straftat, Hilfsangebote, berät bei Problemen rund um Schule und Familie, betreut in der Haft, vermittelt Hilfen oder Arbeitsstunden und verfasst Berichte über die Jugendlichen fürs Gericht.

Quelle: HNA

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