Battenberg

Junge Marburger Philharmonie in der Burgberghalle

- Battenberg (da). Rund 80 Musiker spielten Sergeis Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 in c-moll und Beethovens sechste Sinfonie in der ausverkauften Burgberghalle. Vor 300 Besuchern dirigierte Kiril Stankow.

Battenberg. Die Junge Marburger Philharmonie hat die Messlatte für künftige klassische Konzerte hoch gelegt. Es war das bislang beste Orchester in der Burgberghalle – obwohl in dessen Reihen keine studierten Musiker, sondern fast ausschließlich ambitionierte und meist junge Amateure sitzen.

Üblicherweise spielt die junge Marburger Philharmonie einmal im Jahr nur in Marburg und Limburg, am Samstag erstmals auch in Battenberg. Diese Premiere lockte Musikfreunde aus dem gesamten Frankenberger Land in die Burgberghalle mit ihrer hervorragenden Akustik. Allerdings musste die Bühne für das große Orchester und den eigens für das Konzert nach Battenberg geschafften Flügel erweitert werden, was zu Lasten der Ausleuchtung ging – der vordere Teil der Streicher sowie Dirigent Kiril Stankow saßen und standen im Halbdunkel. Glanzstück des Abends war Sergeis Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 in c-moll.

Marcos Kopf erwies sich als herausragender Interpret dieses Werks, das dank der melodiösen Themen Rachmaninows bekanntestes Klavierwerk ist. Zusammen mit dem knapp 80-köpfigen Orchester unter der Leitung von Kiril Stankow führte er durch die verschiedenen Facetten der drei Sätze, bis zum fulminanten Ende, das wegen der schnellen Läufe besondere Anforderungen an die technische Leistungsfähigkeit des Solisten stellt. Ein Beweis für die einprägsame Melodieführung ist der zweite Satz: Teile daraus wurden für „All By Myself“ übernommen, einem bekannten amerikanischen Schmusesong aus den 70er Jahren. Nach der Pause folgte Ludwig van Beethovens sechste Sinfonie, die „Pastorale“ mit wunderschönen Melodien.

Beeindruckend der sanfte Streicherklang, schön die Holzbläsereinwürfe oder die Hornklänge. Das Orchester spielte aber nicht mehr ganz so sicher und ließ auch etwas der Spielfreude vermissen, die es noch im ersten Teil gezeigt hatte. Diese kleinen Mankos sind es letztlich, die die Junge Marburger Philharmonie von einem professionellen Orchester unterscheiden. Dennoch: Ein Amateurensemble mit diesem Niveau und einem solch anspruchsvollen Programm ist etwas Besonderes. Es war ein weiterer Glücksgriff des Arbeitskreises Burgberghalle, der bislang großes Feingefühl bei der Auswahl der Musikgruppen bewiesen hat. Vielleicht etabliert sich ja die Burgberghalle als dritter Veranstaltungsort der jährlichen Konzerte der Jungen Marburger Philharmonie. Allein das Programm verhinderte den begeisterten Schlussapplaus, den das Orchester für seine Leistung verdient hätte. 300 Besucher in der ausverkauften Halle klatschten brav, schienen das Konzertende aber nicht weiter zu bedauern.

Eine Zugabe blieb folglich – anders als beim Konzert in Marburg vor drei Wochen – aus. Ein Ohrwurm-Klassiker am Ende, wie beispielsweise bei Neujahrskonzerten üblich, hätte zwar nicht zum restlichen Programm gepasst, dem Publikum aber gut getan. Allerdings liegt es in der Tradition des Marburger Orchesters, komplette Sinfonien zu erarbeiten und aufzuführen. Der Vorteil ist, dass die Werke vollständig gespielt werden, statt nur einzelne Sätze. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass ein zweistündiges Programm mit zwei Sinfonien schon ausgefüllt ist.

Bürgermeister Heinfried Horsel, zugleich Mitglied des Arbeitskreises, wies die Besucher auf ein Konzert im Sommer hin: Am Samstag, 14. August, gastiert die hr-Big-Band im Rahmen des Kultursommers Nordhessen, in Battenberg. Das Programm heißt „Singers and Songs“. Und das lässt ja doch auf den ein oder anderen Ohrwurm hoffen.

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