Haine

Junglandwirte betreiben mit ihrer Extensivrinder-Zucht Landschaftspflege

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- Allendorf-Haine (sr). Sechs Junglandwirte aus Haine sorgen mit Extensivrindern für die Landschaftspflege. Galloways und Highland-Cattles weiden seit drei Jahren in der Gemarkung.

„Sie sind eine echte Bereicherung für unser Dorf“, sagt Ortsvorsteher Frank Landau über die schottischen Rinder, die seit 2007 die Feldgemarkung rund um Haine beleben. Viele Spaziergänger freuen sich über die Mutterkühe mit ihren Kälbern. Interessant sind auch die Motive der Halter: Im Herbst 2007 entschlossen sich Torsten Degenhof, Maik Monzner, Dieter Scheuch und Michael Döls, gemeinsam Landwirtschaft zu betreiben und die ersten Galloways zu kaufen. Die Idee entstand bei einem Ausflug der Feuerwehr. Alle vier sind von der Landwirtschaft begeistert und brachten eigene Flächen mit in das Gemeinschaftsprojekt ein. Viele Wiesen waren bereits brach gefallen oder seit mehreren Jahren nicht mehr bewirtschaftet. Die vier jungen Männer gaben sich den Namen „Zuchtgemeinschaft Binghäuser Grund“ in Anlehnung an eine Weide im gleichnamigen Tal. In ganz Deutschland suchten die Junglandwirte, alle um die 40, nach weißen Galloways. Kühe aus Ostdeutschland Die ersten Mutterkühe kamen aus den neuen Bundesländern. „Wir wollten was Besonderes haben“, beschreibt Scheuch die Auswahl der Rasse. Die Tiere besitzen ein schwarzes Maul, schwarze Ohren und Füße. Sie sind sehr robust, ruhig und genügsam. Sie verbringen das ganze Jahr auf der Weide. Im Winter nutzen sie auch einen Unterstand und bekommen zusätzlich Heu. Die Herde besteht mittlerweile aus zehn Tieren. Die Kälber werden dank der großen Nachfrage jährlich zur Zucht verkauft. „Wir haben noch kein eigenes Steak gegessen“, sagt Degenhof. Die vier Rinderhalter erledigen die meisten Arbeiten gemeinsam: Weide einzäunen oder zugekauftes Heu einlagern. Die tägliche Betreuung der Tiere und Fütterung im Winter wird abwechselnd übernommen. „So macht Landwirtschaft richtig Spaß“, sagen alle vier übereinstimmend. Sie schätzen den Gemeinschaftssinn in der Gruppe und freuen sich, dass auch ihre Partner und Familien voll mitziehen. Für viele sind die Tiere Ziel ihrer Sonntagsausflüge. Ferner werden Fahrten zu Betrieben mit der gleichen Rasse in ganz Deutschland unternommen. Bei der Pfingstmarkt-Tierschau in Frankenberg stellten sie ihre Tiere aus. Zweites Projekt in Haine Fast zeitgleich entstand vor drei Jahren ein zweites Gemeinschaftsprojekt in Haine: Die Brüder Markus und Torsten Roos schafften schottische Hochlandrinder an und beweiden damit rund sieben Hektar. Auch sie setzen auf Arbeitsteilung und gegenseitige Hilfe bei der Hobby-Landwirtschaft. Bulle „Bubi“ und die drei Mutterkühe „Kira“, „Babsi“ und „Kim“ geben mit ihren weit ausladenden Hörnern ein imposantes Bild ab. Die Tiere verursachen auf feuchten Böden nur geringe Trittschäden. Die Rasse ist sehr robust. Die Kälber wurden bisher ebenfalls zur Zucht verkauft. Ein befreundeter Landwirt aus Süddeutschland will damit in Slowenien ein Landschaftspflegeprojekt aufbauen. Die Haltung von Extensivrindern gewinnt in der Mittelgebirgsregion aus Gründen der Landschaftspflege immer mehr an Bedeutung. Hangflächen, Feuchtwiesen oder kleine Parzellen können mit den immer größer werdenden Maschinen nicht mehr bearbeitet werden. Die Organisationsform der Haltergemeinschaft motiviert auch junge Leute, Landwirtschaft zu betreiben. Verantwortung und Arbeitsbelastung werden so auf mehrere Schultern verteilt.

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