Besonderes Fundstück aus dem Keller des Frankenauer Rathauses

Als der Kalte Krieg ganz nah war

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Bürgermeister Björn Brede, sein Amtsvorgänger Hans-Herwig Peter, Günter Schade und Gerhard Keute (v.l.) mit dem Gerät, mit dem aus dem Rathaus während des Kalten Krieges Sirenen gesteuert werden konnten.

Frankenau - Luftalarm, Übungen für den Fall von Atom- oder Biowaffeneinsätzen, rote Tasten auf einem geheimen Gerät und Sprengschächte in Landstraßen: All das erinnert an James-Bond-Filme und Verschwörungstheorien. Doch ein grauer Kasten aus der Frankenauer Stadtverwaltung beweist, dass all das vor gar nicht allzu langer Zeit im Frankenberger Land Realität war.

Im Keller des Rathauses ist Bürgermeister Björn Brede eine große Pappschachtel mit der Aufschrift „Warnamt VI“ in die Hände gefallen, darin ein grauer Metallkasten mit roten, schwarzen, grauen und einer grünen Taste. Bei genauerem Hinsehen entdeckte er die Worte „Luftalarm“, „ABC-Alarm“, „Rundfunkgerät einschalten“. „Ich musste sofort an den Kalten Krieg denken“, erinnert er sich. Tatsächlich gehörte die graue Box etwa 30 Jahre lang zur Ausstattung der Verwaltung - ohne dass die Bevölkerung etwas davon ahnte.

„Ferntast-Gleichstrom-Gerät“ lautete die umständliche Bezeichnung für den Kasten, mit dem Mitarbeiter der Stadtverwaltung die Sirenen steuerten, die am Kirchturm und an der Volksschule angebracht waren. Außerdem waren damit die Sirenen in allen Dörfern mit Frankenauer Telefonvorwahl verbunden, also neben den heutigen Stadtteilen auch Löhlbach, Haubern und Frebershausen.

Der Kasten war das letzte Glied in einer langen Informationskette. „Das wäre aktuell geworden, wenn eine Gefahrenlage in der Bevölkerung bekannt wurde“, beschreibt der ehemalige Frankenauer Bürgermeister Hans-Herwig Peter. Auf der anderen Seite der Leitung saßen die Mitarbeiter des „Warnamts VI“ in Usingen. „In regelmäßigen Abständen brummte der Lautsprecher und es gab Übungen für Bedrohungslagen“, erinnert sich Peter.

Das Anfang der 1960er Jahre installierte Gerät blieb bis nach der Wende installiert. Heute ist es ein Relikt, das an die jüngere Geschichte erinnert und daran, wie nah die Bedrohung einst war.

(Von Andrea Pauly)

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