Frankenberg

Kantor wechselt in den Schuldienst

- Frankenberg (jos). Alexander Meyer hat seine Anstellung bei der Kirche gekündigt und beginnt im Februar ein Referendariat. Die Arbeit in der Kirchengemeinde in Frankenberg habe ihm zwar immer viel Spaß bereitet. Doch nun wolle er noch einmal etwas Neues machen, begründet der 42-Jährige seine Entscheidung.

Seit genau neun Jahren ist Alexander Meyer Kantor an der Liebfrauenkirche. Zuletzt hatte er sich eine Baby-Pause für Töchterchen Carlotta gegönnt. Doch weil sein Elternzeit-Vertreter Marc Neufeld frühzeitig wieder gegangen ist, übernahm Meyer bereits eher als geplant wieder eine halbe Kantoren-Stelle. Gerade an „seinen“ Chören scheint der Kirchenmusiker zu hängen. Deshalb hat er den Sängern auch zugesichert, dass er die Kantorei und den von ihm gegründeten Gospelchor noch so lange leiten will, bis ein neuer Kantor gefunden ist. Etwas Neues wagen und sich ein weiteres berufliches Standbein damit schaffen – das seien seine Motive, in den Schuldienst zu wechseln, erklärte Meyer auf FZ-Nachfrage. Das Land Nordrhein-Westfalen bietet ihm dazu eine gute Gelegenheit: Währen ein Gymnasiallehrer in Hessen mindestens zwei Fächer unterrichten muss, kann Meyer im Nachbarbundesland die Musik als sogenanntes Doppelfach unterrichten. Weil er die fachliche Qualifikation durch sein kirchenmusikalisches Studium bereits hat, kann der 42-Jährige Anfang nächsten Jahres direkt ein Referendariat beginnen. „Ich habe einen Platz im Schulamtsbezirk Siegen-Wittgenstein bekommen“, freut sich Meyer. Das bedeutet für ihn, dass er zumindest mittelfristig mit seiner Familie in Frankenberg wohnen bleiben wird – zumal seine Ehefrau Miriam Meyer ihre Stelle als Lehrerin an der Ortenbergschule behalten wolle. Das Studienseminar ist laut Meyer in Siegen. Wenn es für ihn gut läuft, bekommt er einen Referendariats-Platz in Bad Berleburg oder Bad Laasphe – beides Städte, die von Frankenberg aus in weniger als einer Stunde mit dem Auto zu erreichen sind. Für die Chöre in Frankenberg ändert sich vorerst nichts. Den Posaunenchor soll weiterhin Beate Kötter leiten, die auch einen großen Teil der Orgeldienste bereits übernommen hat und derzeit laut Meyer etwa eine halbe Kantorenstelle ausfüllt. Die Kinderchöre leitet Réka Mengel, die genau wie Kötter Kirchenmusik studiert hat. Meyer rechnet damit, dass bis zum nächsten Sommer ein Nachfolger für seine Kantorenstelle gefunden ist. Der Job sei nicht unattraktiv. Zwar handelt es sich um eine B-Kantorenstelle, die deutlich schlechter bezahlt wird als eine A-Kantorenstelle – und übrigens auch als ein Lehrer. Aber immerhin sei es kein Teilzeitjob wie in vielen anderen Gemeinden. „In der Regel bewerben sich auf so eine Stelle rund 15 Leute“, schätzt Meyer. Seit der Kirchenmusiker im November 2001 die Stelle in Frankenberg übernommen hat, hat er für etliche Glanzlichter gesorgt. Mit der Kantorei hat er – jeweils begleitet von professionellen Orchestern und mit Solisten – Großwerke wie das Weihnachtsoratorium von Bach oder Mendelssohns Elias und Paulus aufgeführt. Außerdem hat Meyer den Gospelchor und die evangelische Singschule gegründet, die in ihren besten Zeiten aus vier Kinder- und Jugendchören bestand.Derzeit probt Meyer mit der Kantorei für die Aufführung von zwei Bach-Kantaten am 13. November. Möglicherweise wird er im nächsten Frühjahr oder Sommer im Jubiläumsjahr der Liebfrauenkirche noch ein letztes Mal ein großes Werk aufführen. „Das ist aber noch nicht spruchreif“, betont Meyer.

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