Provokative Kirchenaktion auch in Allendorf

Den Karfreitag ins Bewusstsein rücken

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Allendorf/Biedenkopf - Mit einer provokanten Plakataktion will die evangelische Landeskirche in Hessen und Nassau die Bedeutung des Karfreitags ins Bewusstsein rufen: Eine durchbohrte, blutige Hand, deren Finger zum Victory-Zeichen gestreckt sind, ist seit Montag auf dem Glockenturm der Allendorfer Kirche zu sehen.

Der Karfreitag soll ein stiller Feiertag sein, das Gedenken an die Kreuzigung Christi. Doch im Bewusstsein vieler Christen hat der höchste Feiertag an Bedeutung verloren. Dem will die Landeskirche Hessen-Nassau (EKHN), zu dem die Gemeinden im Oberen Edertal gehören, entgegenwirken.

Die zentrale Aussage: "Der Tag ist wichtig." Die provokante Plakataktion mit der blutigen Hand soll für Diskussionen sorgen: "Das Bild soll etwas anstoßen", sagt der Biedenkopfer Dekan Gerhard Failing, der die Kampagne gemeinsam mit seinem Gladenbacher Kollegen Matthias Ullrich und dem Allendorfer Gemeindepfarrer Gerald Rohrmann vorstellte.

Das Motiv hat der Darmstädter Foto- und Filmkünstler Ralf Kopp gestaltet. Überall in den Gemeinden werden Broschüren verteilt und Plakate aufgehängt. Von den Kirchtürmen 61 hessischer Gotteshäuser und anderen evangelischen Gebäuden prangt das Bild außerdem auf einem acht Meter Banner.

Im Bereich des Dekanats Biedenkopf hängen weitere Banner an der Biedenkopfer Hospitalkirche und am Dekanat. Kirchen im Bereich des Dekanats Gladenbach sind Dautphe, Niederweidbach und Weidenhausen.

Um die Banner fachgerecht aufhängen zu können, hat die EKHN professionelle Industriekletterer beauftragt. Am 24 Meter hohen Glockenturm der Allendorfer Kirche befestigten am Montag Martin Linka und Manuel Wilm das Bild. Bei anderen Kirchen, wo sich der Turm direkt am Gotteshaus befindet, sei die Montage einfacher, berichteten die beiden. "Wirklich kompliziert war es aber auch in Allendorf nicht."

Mit der Aktion reagiert die EKHN auf Kontroversen, die es im vergangenen Jahr insbesondere in Frankfurt, aber auch an anderen Orten gegeben hatte. Viele Menschen ließen damals erkennen, dass sie die Feiertage - auch den Karfreitag - als Tage zur freien Verfügung sehen und kritisierten die Beschränkungen, die ihnen das Feiertagsgesetz dabei auferlegt. Andere fragten kritisch, ob ein rein christlich geprägter Feiertag in einer pluralistischen Gesellschaft noch zeitgemäß ist.

"Es ist eine ziemlich ungewöhnliche Aktion für eine Kirche", sagt Matthias Ullrich. Das Dekanat bildet mit Biedenkopf eine Arbeitsgemeinschaft. "Feiertag heißt nicht unbedingt Feiern. Der Karfreitag ist einer der stillen Feiertage." Es gehe um das Warnehmen der Leiden von Menschen überall in der Welt. "Man kann nicht das Freudenfest Ostern feiern, wenn man nicht vorher den Karfreitag wahrgenommen hat." Die Botschaft von Ostern sei, "dass es eine Auferstehung gibt und dass der Tod nicht siegen wird".

Pfarrer Gerald Rohrmann hat sich nach Rücksprache mit dem restlichen Kirchenvorstand der Gemeinde Allendorf dazu entschlossen, den Glockenturm der Kirche mit dem provokanten Banner zu benängen. "Gerade weil es Anlass zu Diskussionen gibt." Der Besuch in den Karfreitagsgottesdiensten sei rückläufig geworden, berichtet der Allendorfer Seelsorger. "Es ist wichtig, den Karfreitag in den Mittelpunkt rücken."

Das sieht auch Matthias Ullrich so. "Wir wünschen uns, dass über die Kampagne gesprochen wird."

Der Karfreitags-Gottesdienst in Allendorf findet um 15 Uhr statt. Informationen zur Bedeutung des Feiertags und zu der Kampagne der Landeskirche gibt es im Internet auf der Seite www.karfreitag.de.

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