Kassiererin betrog Vereine um mehr als 50.000 Euro

Marburg. Wegen gewerbsmäßiger Untreue in 231 Fällen ist eine 48-Jährige aus dem Norden des Kreises Marburg-Biedenkopf zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Die Frau gestand vor dem Marburger Amtsgericht, als Kassiererin zwei Vereine um mehr als 50.000 Euro gebracht zu haben.

Angeklagt waren Taten, die die Angeklagte zwischen 2009 und 2014 begangen haben soll. Angefangen habe sie aber bereits vor etwa neun Jahren, als ihre Familie in finanziellen Schwierigkeiten steckte, so die Angeklagte.

In den ersten Jahren habe sie noch versucht, den Schaden am Jahresende auszugleichen, das sei später nicht mehr gegangen. Zunächst, so berichtete die 48-Jährige, habe sie die Kasse eines Kunstvereins geplündert.

Wenn Rechnungen gekommen seien, habe sie die wiederum aus Mitteln des Fördervereins einer Grundschule entnommen, so die Angeklagte, die angab, über die ganzen Jahre das Geld sonst für Konsum und Tilgung eigener Schulden verwendet zu haben. „Ich weiß gar nicht, wo das Geld hingegangen ist.“

Strafrichter Dirk Schauß verwies darauf, dass sie die Kassenprüfer durch manipulierte Unterlagen getäuscht habe, was einer kriminellen Energie bedürfe. Aufgeflogen waren die Untreuefälle, als der Landkreis Marburg-Biedenkopf Ende 2014 für zurückliegende Jahre Geld für Betreuung der Schülerinnen und Schüler forderte. Laut Anklage versuchte die Kassiererin noch mit 17.500 Euro aus eigenen Krediten, die sie bar einzahlte, zu vertuschen, aber es gelang nicht.

Schauß rechnete der Frau an, dass sie zusammen mit dem Vorstand des Fördervereins zu Polizei ging und Selbstanzeige erstattete. Dort gestand sie auch sofort die Untreue bei dem anderen Verein, die noch nicht bekannt war. „Sie hat gleich reinen Tisch gemacht“, so Verteidiger Carsten Dalkowski.

Unter Berücksichtigung der verjährten Taten und der tatsächlich größeren Schadenshöhe, angeklagt waren nur Entnahmen von mindestens 50 Euro, hat die 48-Jährige zugunsten des Kunstvereins ein Schuldeingeständnis in Höhe von 8000 Euro unterschrieben. 1000 Euro seien in Raten bereits getilgt. Mit dem Förderverein einigte sie sich im Rahmen des Strafverfahrens auf einen Vergleich. Demnach zahlt sie 37.000 Euro in monatlichen Raten von mindestens 100 Euro.

Der Antrag der Staatsanwältin sei „äußerst maßvoll“, eine Bewährung bei der unbescholtenen Frau natürlich möglich, zumal der Gesellschaft mehr gedient sei, wenn sie ihre Arbeit behalte und Schulden tilge, anstatt ins Gefängnis zu gehen. Die Frau nahm das Urteil an, damit ist es rechtskräftig. (kse)

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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