Frankenberger Stadtsanierung

Kauf des Bahnhofs rückt greifbar nahe

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Frankenberg - Neues gab es während der Informationsveranstaltung für die Frankenberger am Dienstagabend kaum - wohl aber einen Überblick darauf, wie sich die Stadt in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln dürfte. Die gute Nachricht des Abends: Der Kauf des Bahnhofsgebäudes rückt in greifbare Nähe. Zahlen gab es nicht.

Die Chancen stehen gut, dass die Stadt Frankenberg das Bahnhofsgebäude kaufen kann. Das teilte Bürgermeister Rüdiger Heß am Dienstag während der Bürgerversammlung in der Ederberglandhalle mit. „Ich habe es geschafft, den Bahnhof aus einem Paket von 1200 Objekten herauslösen zu können“, lobte sich der Rathauschef vor etwa 100 interessierten Zuhörern. Was er nicht nennen konnte, war ein möglicher Kaufpreis: Allein mit den vorhandenen Mieteinnahmen aus der Immobilie könne der Kauf aber „spielend“ finanziert werden, gab Heß jedoch an - ebenso wie einige erste Investitionen in das teilweise baufällige Gebäude. Unerwähnt bleibt auch die Tatsache, dass die Stadtverordneten einem Kauf erst zustimmen müssen.

Ein Nutzungskonzept für das unter Denkmalschutz stehende Gebäude liegt ebenfalls noch nicht vor. „Es ist utopisch, bis Ende August ein Konzept dafür zu entwickeln“, sagte der einladende Stadtverordnetenvorsteher Rainer Hesse. Binnen fünf Wochen muss das Parlament entscheiden, ob die Sanierung des Bahnhofsumfelds angegangen wird - die Fristen für Förderanträge laufen am 31. August aus.

Holzverladestation am Bahnhof muss bleiben

Dennoch bedeutet die offensichtliche Einigung mit dem Eigentümer Main-Asset auf ein Herauslösen des alten Bahnhofsgebäudes aus einem Paket von deutschlandweit verteilten Immobilien einen guten Schritt in Richtung eines schlüssigen Gesamtkonzeptes. „Der Bahnhof steht auf einer Fläche von rund 1200 Quadratmetern und hat eine Nutzfläche von rund 1100 Quadratmetern“, sagte Heß. Die Nebengebäude stünden - anders als das Hauptgebäude - nicht unter Denkmalschutz und könnten daher abgerissen werden. Das sehen auch die Planungen der Arbeitsgemeinschaft Oppermann/PLF vor (FZ berichtete exklusiv), die während der Bürgerversammlung detailliert erläutert wurden.

Andreas Schmidt-Maas vom Planungsbüro PFL stellte den Entwurf vor. „Wir haben einen Blick ohne lokale Kenntnisse auf das Gelände geworfen“, erklärte er die Vorgehensweise. Unvoreingenommen sei das Team an die Arbeit gegangen - immer im Blick die Vorgaben der Stadt und jene des Bahnhofsumfelds. Denn vollkommen frei konnte nicht geplant werden: Er sprach von einem relativ schmalen Korridor, der zur Verfügung stand. Später legte sein Partner Dirk Koch vom Ingenieurbüro Oppermann dar, dass insbesondere die Holzverladestation nicht verschoben werden kann: „Die Bahn hat uns zu verstehen gegeben, dass die Station derzeit und auch auf absehbare Zeit noch genutzt wird“, sagte er. Schmidt-Maas verwies aus diesem Grund auf die Sichtbarriere durch Bäume, die zur Verladestation gezogen werden soll.

Dahinter befinden sich die geplanten 80 Parkplätze. „Das mag viel erscheinen, aber die Zahlen belegen, dass die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs steigt“, erklärte Koch - und ließ sich dies von Hans-Martin König von der Kurhessenbahn bestätigen. So gesellen sich zu den „Park & Ride“-Plätzen auf der Seite zur Friedrichstraße weitere 24 „Kiss & Ride“-Plätze für Kurzparker, vier Taxiplätze, zwei AST-Plätze, drei Behindertenparkplätze und drei Ladeparkplätze für Elektrofahrzeuge Richtung Bahnhofstraße.

Wichtigstes Element allerdings ist der Omnibusbahnhof. Neben Platz für vier Busse in Wartestellung gibt es sechs Haltestellen. „Wir haben 15 Buslinien, die den Bahnhof frequentieren“, erklärte Koch. Gerade morgens und in der Mittagszeit seien daher so viele Haltestellen nötig. Sie würden in einer Sichtachse zum Gleis errichtet, sodass Pendler keine Umwege in Kauf nehmen müssen.

In dem historischen Gebäude soll - unabhängig von möglichen weiteren Mietern - auch weiterhin ein Bahnschalter untergebracht werden. Das garantierten die Vertreter von NVV und Kurhessenbahn. Außerdem ist ein NVV-Infopunkt angedacht. Das Konzept für die Außengestaltung des Geländes sieht zudem genügend Raum für eine Außengastronomie vor.Bürgermeister Rüdiger Heß appellierte an die anwesenden Bürger, Stadtverordneten und Kaufleute, den „Schwung aus der Reaktivierung der Bahnstrecke“ zu nutzen. Diese Chance gäbe es nur einmal.

Öffnung der Flaniermeile zur Eder beginnt

Das sagte auch Wolfgang Dippel, Geschäftsführer des Nordhessischen Verkehrsverbundes. Er versprach, dass der NVV den Frankenbergern beim Nutzen der Chancen zur Seite stehen werde - so hat der Verbund etwa die Entwürfe der Arbeitsgemeinschaft Oppermann/PLF vorfinanziert. „Sie müssen sich jetzt dafür entscheiden“, verwies er auf den engen Zeitrahmen - und fügte an: „Es ist eine gute Entscheidung“. Nicht Parkmöglichkeiten in der Nähe der Geschäfte seien eine gute Visitenkarte einer Stadt, sondern noch immer der Bahnhof.

Damit griff er - wohl unbewusst - einen genau entgegengesetzten Gedanken vieler Kaufleute aus der Neustädter Straße auf, die dringenden Handlungsbedarf viel mehr im Parkhaus in der Bremer Straße sehen. So war die Sanierung der Fußgängerzone das zweite Thema des Abends, das allerdings wegen des Umfangs der Darstellungen zum Bahnhof stiefmütterlich abgehandelt wurde. Die Problematik der Leerstände wurde zwar angesprochen, nicht aber vertieft - dass Unternehmen wie Flemming oder Schreiber der Flaniermeile einen großen Attraktivitätsverlust zuschreiben, blieb unerwähnt. Ebenso die Konsequenzen daraus.

Bürgermeister Heß merkte an, die Aufenthaltsqualität in der Einkaufsmeile müsse steigen. „Früher wurde an Barrierefreiheit nicht gedacht, heute ist sie ein Muss“, sagte er. Geplant sei die Fortsetzung der gelungenen Arbeiten in der Bahnhofstraße bis hoch zur Einmündung der Bergstraße. Bauamtsleiter Karsten Dittmar sagte, die Fußgängerzone sei das Herz der Stadt und brauche eine „wertige Planung“. Bis Ende September sollen die ersten Entwürfe vorliegen. Darin enthalten: Der erste Schritt zur sogenannten Eder­öffnung. Details könne er noch nicht nennen, doch im Bereich des Iller-Bauer-Platzes soll die Fußgängerzone zum Fluss hin geöffnet werden. Als „fraglich, ob sie so großflächig möglich ist wie angedacht“, bezeichnete jedoch Heß eine weitreichende Öffnung hin zur Eder.

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