Stadt hat seit April ein Leerstandskataster für die zwölf Stadtteile erstellt

Kaum Leerstand, aber freie Bauplätze

Frankenberg - In der Verödung von Ortskernen durch leer stehende, ältere Häuser wird der demografische Wandel unter anderem offensichtlich. Wie stark ist Frankenberg von diesem Szenario betroffen? „Unsere Vermutung, dass schon viel Leerstand vorhanden ist, hat sich zum Glück nicht bestätigt“, sagt Bürgermeister Rüdiger Heß.

Gemeinsam mit den Ortsbeiräten hat das städtische Bauamt seit Frühjahr ein Leerstandskataster für die zwölf Frankenberger Stadtteile erarbeitet, für die Kernstadt ist der Plan in der Erstellung. Die Dokumentation des Status quo in den Ortsteilen will Bürgermeister Rüdiger Heß den Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Donnerstag, 8. November, präsentieren. In den Plänen sind die Grenzen der Bebauungspläne und alle einzelnen Grundstücke mit Gebäuden eingezeichnet. Unterschiedlich farblich gekennzeichnet sind

Bauplätze in privatem Besitz, inklusive des Vermerks, ob die Eigentümer verkaufswillig sind

Bauplätze in privatem Besitz, auf denen eine Bebauung allerdings nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist, etwa aufgrund der Topographie

Bauplätze in städtischem Besitz

Bauplätze in städtischem Besitz, auf denen eine Bebauung nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist

leer stehende Wohn- und Wirtschaftsgebäude.

Erstens sei bei der Erarbeitung der Karten deutlich geworden, dass viele Grundstückseigentümer ihre unbebauten Grundstücke als „Grünlandgold“ behalten wollen. Zweitens sei vor dem Hintergrund von Diskussionen über die Erschließung von Neubaugebieten die Erkenntnis wichtig, „dass wir noch gut mit frei verfügbaren Gründstücken aufgestellt sind“, betonte Heß. Nahezu in allen Stadtteilen sei es möglich, sofort ein Bauvorhaben zu realisieren. Und die dritte Folgerung aus der Erhebung lautet: Es gibt Leerstand, „aber ich hatte mir das Problem aufgrund des demografischen Wandels größer vorgestellt“. Als Entwarnung dürften die aktuellen Zahlen aber auch nicht verstanden werden.

Jährlich soll dieses Leerstandskataster künftig aktualisiert werden. „Wir wollen nicht als Makler auftreten“, erklärte Heß bei der Vorstellung der Karten. Vielmehr sei es wichtig zu wissen, „wo wir stehen“. Die Daten sollen aufgrund der Beachtung des Datenschutzes auch nicht allgemein zugänglich gemacht werden. „Wenn aber jemand auf uns als Stadt zukommt und sagt, dass er bauen will, dann stehen wir Gewehr bei Fuß.“ Über die Grundstücks- oder Gebäudeeigentümer könne die Stadt dann einen Kontakt zu den Bau­willigen herstellen. „Wir sind jetzt auf jeden Fall handlungsbereit und haben ein gutes Arbeitsinstrument an der Hand.“

Die Situation in den Stadtteilen im Überblick - laut Leerstandskataster:

Dörnholzhausen: Keinen Leerstand, keine freien Bauplätze.

Friedrichshausen: Keinen Leerstand, freie Bauplätze in privatem und städtischem Besitz.

Geismar: Kein städtisches Bauland, allerdings neun potenziell verfügbare Bauplätze in Privatbesitz. Etliche Besitzer wollen ihre freien Grundstücke allerdings nicht verkaufen. Die Stadt will prüfen, ob auch der Tausch von Grundstücken möglich ist.

Haubern: Drei freie städtische Grundstücke, drei freie Parzellen in Privatbesitz, für ein aktuell leer stehendes Gebäude im Ortskern liegt eine Abrissgenehmigung vor.

Hommershausen: Ein leer stehendes Gebäude, keine Bauplätze, allerdings könnte jederzeit gebaut werden, da ausreichend freie Flächen vorhanden.

Rengershausen: Acht unverkaufte städtische Grundstücke, ein Leerstand in der Ortsmitte, weitere Flächen die Privatbesitz, die aufgrund der Hanglage nur schwer zu bebauen sind.

Rodenbach: Zwei unbebaute Grundstücke in Privatbesitz, allerdings keine Verkaufsbereitschaft der Eigentümer.

Röddenau: Etliche private Grundstücke, die allerdings nicht verkauft werden. Ein leer stehendes Haus, zwei verfügbare Grundstücke.

Schreufa: Am Eisenberg- und am Ahornweg besitzt die Stadt noch Grundstücke, die aber nur erschwert zu bebauen sind, allerdings gibt es verkaufsbereite Private. Einige leer stehenden Gebäude ließen sich abreißen, die Grundstücke sind aber für Bauwillige nicht sonderlich interessant.

Viermünden: Etliche freie Grundstücke in Privatbesitz stehen nicht zum Verkauf, andere schon. Die Stadt verfügt über ein Grundstück, das verkauft werden könnte. In der Ortsmitte gibt es Leerstand. Laut Bürgermeister Heß gibt es Überlegungen, diese für einen symbolischen Preis zu erwerben und als innerörtliche Freifläche zu gestalten.

Wangershausen: Eine freie Fläche, für ein leer stehendes Gebäude gibt es eine Abrissgenehmigung.

Willersdorf: Freie Grundstücke im Neubaugebiet, die in Privatbesitz sind. Am Ortsausgang Richtung Oberholzhausen mehrere leer stehende Häuser.

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