Rosenthal: Machbarkeitsstudie liegt vor

Kein anderer Standort für Biogasanlage wirtschaftlich

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Rosenthal - Es kommt Bewegung in das geplante Nahwärmenetz in Rosenthal. Die Investoren Sandra und Dieter Kappenstein haben am Donnerstag gemeinsam mit Bürgermeister Hans Waßmuth erstmals Details aus der Machbarkeitsstudie vorgelegt.

Während einige Rosenthaler nach anderen Wegen suchen wollen, legten Hans Waßmuth sowie Sandra und Dieter Kappenstein die Machbarkeitsstudie vor, die die Viessmann-Werke zur Nahwärmeversorgug erstellt haben. Entscheidende Punkte: Es gibt keine wirtschaftliche Alternative zum Standort an der Willershäuser Straße, und 18 Rosenthaler würden sich an ein Nahwärmenetz anschließen. „Die Biogasanlage wäre damit bereits wirtschaftlich zu betreiben“, erklärte Dieter Kappenstein gestern. Weitere Haushalte entlang der bisher geplanten Trasse könnten auch noch später angeschlossen werden.

Bei der Kraftwärmekopplung wird Strom über ein durch die Biogasanlage betriebenes Aggregat erzeugt. Die entstehende Abwärme wird durch Rohre in die Haushalte geleitet. Die brauchen einen Hausanschluss, können aber auf Heizkessel und Öltank verzichten.

Hans Waßmuth will Gegner und Befürworter wieder zusammenbringen: „Wir wollen ein Miteinander“, sagte der Bürgermeister der FZ. „Dazu müssen wir die Interessen zusammenbringen.“ Dabei richte sich die Kritik der geplanten Bürgerinitiative nicht gegen die Biogasanlage. „Es geht nur um den Standort“, sagte Waßmuth.

Doch zu dem gibt es laut Machbarkeitsstudie keine Alternative. „Auf 42 Seiten steht, dass es nur an diesem Standort funktioniert“, sagte Sandra Kappenstein. Der Wärmeverlust beträgt nach derzeitigen Planungen 22 Prozent. „Steht die Anlage weiter weg, wäre sie nicht mehr förderfähig“, erklärt Sandra Kappenstein. „Es geht nur da, alles andere ist unwirtschaftliche.“ Zuschüsse erwartet das Ehepaar vom Bundesamt für Ausfuhrkontrolle (BAFA) und mit europäischen Leader-Mitteln über die Region Burgwald-Ederbergland. Die Region hat auch die Hälfte der 8300 Euro teuren Machbarkeitsstudie finanziert.

Unter den bislang 18 Abnehmern ist auch eine Firma, zudem erwägt die Stadt laut Waßmuth den Anschluss des Freibads. „Damit ist die Anlage wirtschaftlich machbar“, sagte Dieter Kappenstein. 44 Rosenthaler haben die Fragebögen ausgefüllt. Interessenten gebe es nicht nur an der bisher geplanten Trasse, sagt Sandra Kappenstein.

Eine mögliche Erweiterung des Wärmenetzes lässt das Ehepaar offen, um nicht zu groß einzusteigen - technisch machbar wäre es, weil die Biogasanlage ausreichend Leistung liefert. „Wir haben noch total viel Potential“, sagt Sandra Kappenstein. Es gebe „kein wirtschaftliches Risiko“. Entscheidend sei lediglich, dass die Abnehmer sich nahe an der Trasse der neuen Leitung befinden. Der erzeugte Strom reiche für 450 Vier-Personen-Haushalte, die Wärme für 65 Haushalte.

Die Machbarkeitsstudie der Firma Viessmann geht davon aus, dass die Kosten für herkömmlich erzeugten Strom und für Öl immer stärker steigen, während die Kostenkurve für die Erzeugung von Biogas weniger stark nach oben geht - die Anlage würde sich demnach also von Jahr zu Jahr mehr rechnen. Während im Moment laut der Studie die geplante Biogasanlage noch keinen wirtschaftlichen Vorteil bringen würde.

Je mehr Haushalte angeschlossen werden, desto günstiger wird die Wärme. Bliebe es bei den 18 Abnehmern, liegt der Bruttopreis bei brutto 15,24 Cent je Kilowattstunde. Jeder weitere angeschlossene Haushalt bringe eine Vergünstigung von etwa 0,2 Cent, sagten Sandra und Dieter Kappenstein. Der erzeugte Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist. Wirtschaftlichkeit sei aber nicht alles, sagt Sandra Kappenstein: „Wir wollen auch den Klimaschutz nicht außer acht lassen.“ Waßmuth betonte, dass Stadt und Investoren mit offenen Karten spielten. „Es wird niemand überrollt“, die Bürger seien schon lange über die Pläne informiert.

Er bekomme viele positive Rückmeldungen aus der Stadt. Sandra Kappenstein ergänzte, dass die Emissionen gesetzliche Grenzwerte nicht überschreiten würden. Schließlich gebe es ja auch „mitten in Rosenthal“ Silos und Ställe. Das alles sei aber nicht neu.

Sandra und Dieter Kappenstein sehen sich weniger als Investoren, sondern eher als Ideengeber. Denn sie wollen vor allem Geld sparen und etwas für die Umwelt tun. Ob sie deshalb selbst die Anlage betreiben oder eine Genossenschaft gegründet wird, sei ihnen egal.

Im Januar soll eine Podiumsdiskussion stattfinden. Deren Ergebnis fließt laut Waßmuth in die Beratungen der Ausschüsse ein. Das letzte Wort haben dann voraussichtlich im Februar die Stadtverordneten, die den Flächennutzungsplan ändern müssten, um auf dem Grundstück den Bau einer Biogasanlage zu ermöglichen. Bei einem positiven Beschluss kann der Bauantrag gestellt werden.

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