AG Veranstaltungen sieht sich vom Verein „Lebendige Altstadt Frankenberg“ im Stich gelassen

Kein „Markt im Klostergarten“ mehr

Hochwertiges Kunsthandwerk, hörenswerte Musik, einzigartiges Ambiente: der „Markt im Klostergarten“ lockte in den vergangenen Jahren Tausende nach Frankenberg. Eine sechste Auflage wird es jedoch nicht geben. Die AG Veranstaltungen innerhalb des Vereins „Lebendige Altstadt“ beklagt die fehlende Rückendeckung des Vereins. Archivfoto: Andrea Pauly

Frankenberg - Der „Markt im Klostergarten“ zählte in den vergangenen Jahren zu den bestbesuchten Freiluftveran-staltungen Frankenbergs. Eine sechste Auflage wird es, zumindest 2013, nicht geben. Die AG Veranstaltungen vermisst die Rückendeckung des Vereins „Lebendige Altstadt“ und will deshalb keinen Markt mehr organisieren.

Der Frust sitzt tief bei den Frauen der AG Veranstaltung. Jetzt haben sie die Konsequenzen gezogen und einen Schlussstrich unter eine Veranstaltungsreihe gezogen, die eine Bereicherung für Frankenberg war. „Es tut uns leid, aber unter diesen Voraussetzungen werden wir keinen ,Markt im Klostergarten‘ mehr organisieren“, sagt Silke Held als Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft. Die hatte sich im Rahmen der Vorbereitungen des Rathausjubiläums 2009 gegründet und unter dem Dach des Vereins „Lebendige Altstadt“ etliche Aktionen initiiert, mit denen ein finanzieller Beitrag zur Sanierung des Frankenberger Wahrzeichens geleistet wurde.

„Markt hat guten Ruf“

Die Idee eines Marktes im Innenhof des früheren Zisterzienserinnenklosters geht ebenfalls auf die Gruppe der rührigen Frauen zurück, die zu Beginn unter der Federführung von Silke Held und Bürgermeister-Gattin Daniela Engelhardt agierte. Nach dem Wegzug der Familie Engelhardt nach Wiesbaden übernahm Held alleine die Regie in der AG. Fünfmal fand der Markt inzwischen statt. Er hatte seinen festen Platz im Terminkalender gefunden. „Der Markt hat einen sehr guten Ruf“, sagt Silke Held und weist auf die Besonderheiten hin: „Vom Niveau hat er sich schon von anderen Märkten abgehoben.“

Ihr und ihren Mitstreiterinnen sei es stets darum gegangen, ein hochwertiges Angebot für Frankenberg zu schaffen. „Und das ist uns auch, so glauben wir, gut gelungen.“ Sie lobt die hervorragende Arbeit mit der Musikschule und den musikalischen Gruppen von Kreiskantorin Irene Tripp und Musiklehrer Miriam Meyer, „für die unser Markt immer eine gute Bühne war, sich zu präsentieren“. Und die im Gegenzug den Markt unentgeltlich mit ihren Auftritten bereichert hätten. Sie stellt die gute Zusammenarbeit mit Museumleiter Heiner Wittekindt heraus. Und Held erinnert an die Besucherzahlen im vierstelligen Bereich. 2012 schlenderten, lauschten und konsumierten immerhin rund 2500 Besucher aus dem ganzen Frankenberger Land im Innenhof der Verwaltungsaußenstelle der Kreisverwaltung. Der Zuspruch erkläre vor allem durch die hochwertigen kunsthandwerklichen Artikel, die dort angeboten wurden.

Eine Wertschätzung des Vereins „Lebendige Altstadt“ sei jedoch stets ausgeblieben, beklagt Silke Held. „Wir haben schon den Eindruck, dass die Verantwortlichen grundsätzlich kein Interesse an dem Verein haben und ihn sterben lassen wollen.“

Was passiert mit 7000 Euro?

Das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht hat schließlich das Verhalten der Stadt bei der Entscheidung zum seit Jahren geplanten Kulturhistorischen Lehrpfad durch die Altstadt. Dessen Konzept habe die Mitgliederversammlung des Vereins und allen voran die AG Veranstaltung stets abgelehnt - auch wenn die Frauen von der Grundidee eines Pfades durch die Altstadt überzeugt sind. Den Überschuss aus den Märkten vor den historischen Klostermauern überwies die AG deshalb auch stets zweckgebunden für einen Lehrpfad an den Verein „Lebendige Altstadt“. Immerhin knapp 7000 Euro seien so zusammengekommen, erläutert Held. In der Stadtverordnetenversammlung sei das Roh-Konzept des Kulturhistorischen Lehrpfads dann jedoch einfach abgenickt worden, beklagt sie. Von der Realisierung des Lehrpfades hat die Stadt inzwischen Abstand genommen - aus finanziellen Gründen. Doch die AG Veranstaltungen sei enttäuscht darüber, dass „wir bei sämtlichen Beratungen einfach außen vor geblieben sind“. Und auch die Frage der Verwendung der Spenden sei bislang ungeklärt.Unterschiedlicher Meinung waren die AG und der Vereinsvorstand nach Auskunft von Silke Held auch in einer zweiten finanziellen Frage: ob dem Landkreis für den „Markt im Klostergarten“ Hausmeisterkosten erstattet werden sollten. „Wir arbeiten auf Spendenbasis und haben in den ersten vier Jahren für den Markt nichts an den Kreis bezahlen müssen. 2012 wurde dann eine Gebühr von 250 Euro überwiesen, obwohl wir den Verein aufgefordert haben, erneut das Gespräch mit dem Kreis zu suchen.“

Die Absage der sechsten Auflage sei deshalb auch keineswegs eine Kurzschlusshandlung. Mehrfach habe die AG um eine Aussprache mit dem Vereinsvorstand gebeten. Kraft Amtes ist Bürgermeister Rüdiger Heß Vorsitzender. Doch die für nach Pfingsten anvisierte Dringlichkeitssitzung habe „bis heute nicht stattgefunden“. Deshalb stünde für die Organisatorinnen auch fest, „dass wir den Markt nicht organisieren können“. Sicherlich stelle er eine Bereicherung für die Stadt dar. „Jedoch können wir doch keine Veranstaltung organisieren und Spenden einwerben, wenn völlig ungeklärt ist, wofür das Geld überhaupt verwendet wird.“

„Aus dem Boot geschubst“

Innerhalb der Gruppe gebe es durchaus Vorstellungen, wie die 7000 Euro sinnvoll für eine „lebendige Altstadt“ ausgegeben werden könnten. „Aber es will ja niemand mit uns sprechen.“ Sie sei gespannt, ob der Verein von seinem in der Satzung verankerten Recht Gebrauch mache, alleine über die Verwendung des Geldes zu beschließen. Das nicht vorhandene Miteinander beim Lehrpfad spiegele die grundsätzliche Haltung wider, sagt Held. „Der Verein hat zwar ohnehin nur seinen Namen hergegeben und sich in keiner anderen Form beteiligt.“ Wenn das Desinteresse jedoch so groß sei, dann bleibe auch der AG kein anderer Weg, als die Arbeit einzustellen. „Es wird immer viel davon geredet, dass Bürger mit ins Boot geholt werden müssen. Doch in diesem Fall wurden Bürger aus dem Boot geschubst.“

Das sagt Bürgermeister Rüdiger Heß dazu:

Er fände es „insgesamt bedauerlich“, dass der „Markt im Klostergarten“ nicht mehr stattfinde, sagt Bürgermeister Rüdiger Heß auf WLZ-FZ-Anfrage. Der Markt habe sich zu einem Anziehungspunkt entwickelt. In der Reihe der etablierten Frankenberger Veranstaltungen fehle ein Element. Die Stadt habe das Engagement der AG Veranstaltungen als Organisator des Marktes „gerne unterstützt, betont Heß. Es ist wirklich schade, dass es den Markt nicht mehr geben soll.“ Denn persönlich begrüße er es immer sehr, wenn „einsatzbereite und fleißige Leute so eine Veranstaltung auf die Beine stellen“. Einen Zusammenhang zwischen der AG und dem Verein „Lebendige Altstadt“ sieht er nicht direkt. „Die AG ist maximal eine Absplitterung und hat mit dem Verein wenig zu tun“, sagt Heß, der als Bürgermeister auch kraft Amtes Vorsitzender der „Lebendigen Altstadt“ ist. Ohnehin seien auch nur ein Teil der Organisatorinnen des „Markts im Klostergarten“ Mitglied im Verein. Anderer Auffassung als AG-Sprecherin Silke Held ist Heß zudem in der Frage, wie mit dem Erlös der Veranstaltungen umgegangen werden soll: immerhin fast 7000 Euro. „Da das Geld dem Verein nicht zweckgebunden zur Verfügung gestellt wurde, muss der Verein überlegen, was er mit den Spenden machen will.“ Der Kulturhistorische Lehrpfad sei jedenfalls von den Vereinsmitgliedern ebenso wenig gewollt gewesen wie von?den Stadtführerinnen, erklärt der Bürgermeister.

Von Rouven Raatz

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