Hatzfeld

Kein Nachfolger für Praxis in Sicht

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- Hatzfeld (apa). Zweieinhalb Jahre lang hat Dr. Kaps nach einem Nachfolger gesucht – ohne Erfolg: „Hatzfeld ist den jungen Ärzten nicht attraktiv genug“, begründet der Mediziner.

Zum Ende des Monats gibt Dr. Christoph Kaps seine Praxis in der Scheidstraße in Hatzfeld auf. 27 Jahre lang hat er dort Patienten aus der Kernstadt und aus den Stadtteilen sowie aus Beddelhausen betreut und behandelt. Im nächsten Jahr wird der Arzt 65 Jahre alt. „Irgendwann ist eben Schluss“, sagt Kaps. Für einige seiner Patienten, vor allem die älteren, sei dies allerdings schwer zu verstehen, räumt er ein.

In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat er deshalb nach einem Nachfolger für seine Praxis gesucht, den er einarbeiten wollte, bevor er selbst sich zurückzieht. Auch in den umliegenden Krankenhäusern habe er die Chefärzte informiert, dass er eine Praxis abzugeben habe, für den Fall, dass einer der Oberärzte wechseln wolle. 18 junge Ärzte haben sich bei ihm informiert – und trotz der ruhigen, aber zentralen Lage des Wohnhauses mit integrierter Praxis, trotz des Blicks ins Grüne vom Schreibtisch aus und der „gut laufenden Praxis“ habe keiner von ihnen diese übernehmen wollen, berichtet Kaps.

Die schlechte Verkehrsanbindung und die fehlende weiterführende Schule im Ort seien nur zwei Gründe dafür gewesen. Viel bedeutender sei der Arbeitsaufwand in einer Praxis auf dem Land: „Die jungen Leute haben andere Prioritäten. Sie wollen keine Notdienste machen und nicht am Wochenende arbeiten“, sagt Kaps. „Aber wir sind weitgehend rund um die Uhr da.“ Landpraxen haben nach seinen Angaben etwa doppelt so viele Patienten wie eine Praxis in der Stadt – in seinem Fall sind es etwa 1600. Zu den Sprechzeiten kommen Hausbesuche, die Betreuung im Seniorenheim und die zunehmende Bürokratie. Im Durchschnitt arbeitet Kaps 60 Stunden in der Woche. „Das frustet. Und da schieben auch die jungen Kollegen schon Frust“, erläutert er.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Donnerstag, 17. März

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