17 Unfälle an Frankenberger Kreuzung

Kein Unfallschwerpunkt?

Frankenberg - Nirgendwo in Frankenberg kracht es so häufig wie an der "Sparkassenkreuzung" in Frankenberg: 17 Unfälle hat die Polizei allein im vergangenen Jahr gezählt. Als Unfallschwerpunkt gilt die Einmündung allerdings trotzdem nicht.

Nicht unbedingt wöchentlich, aber deutlich häufiger als einmal im Monat ist in den Amts- und Geschäftsgebäuden im Kreuzungsbereich von Uferstraße und Jahnstraße eine typische Geräuschfolge zu hören: ein Quietschen, ein Scheppern, dann oftmals lautes Schimpfen und wenig später das Martinshorn. Der jüngste Unfall - glücklicherweise ohne Verletzte - liegt erst fünf Tage zurück. Nirgendwo in Frankenberg kommt es häufiger zu Unfällen. Allein 17 registrierte die Polizei im Jahr 2014 - und da sind all jene Fälle noch nicht einmal festgehalten, bei denen es nur zu leichten Blechschäden kommt und sich die Unfallgegner ohne Hilfe der Beamten einig werden.

Doch auch wenn an dieser Kreuzung jährlich wohl Werte im sechsstelligen Euro-Bereich vernichtet werden, als Unfallschwerpunkt gilt die „Sparkassen-Kreuzung“ nicht. Für die „Unfallkommission“, in der Behördenvertreter über Veränderungen diskutieren, war die Kreuzung von Ufer- und Jahnstraße bislang kein Thema. Damit der Bereich als sogenannte „Unfallhäufungsstelle“ gilt, müssten innerhalb von einem Jahr mindestens drei Unglücke mit gleicher Ursache verzeichnet werden, erklärt Polizei-Pressesprecher Volker König. Das sei bislang jedoch nicht der Fall gewesen.

Doch auch er sieht, dass es an jener Kreuzung besonders oft zu Unfällen kommt. Häufig sind die Geschwindigkeiten relativ gering, die Schäden beschränken sich auf die Fahrzeuge, von kleineren Verletzungen einmal abgesehen. Doch das war nicht immer so: Am ersten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2012 nahm eine junge Frau aus Limburg einem 89-jährigen Frankenberger die Vorfahrt - nachdem es an gleicher Stelle bereits am Vortag einen Unfall gegeben hatte.

Was anfangs nach einem kleinen Zwischenfall aussah, hatte schlimme Folgen: Der Senior verstarb wenige Wochen später. Die Frau wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Amtsrichterin Andrea Hülshorst sah letztendlich keine Schuld - ordnete aber den Besuch bei einem Psychologen an, weil die Frau auch Monate später noch emotional zerrüttet war und ihr Leben aus den Fugen zu geraten drohte.

Dabei war dieses Jahr rein statistisch noch harmlos: Die Polizei nahm 2012 an der Kreuzung sechs Unfälle auf, 2013 waren es neun, 2014 dann 17. Die Tendenz steigt also. „Es könnte mit den Bauarbeiten in der Röddenauer Straße zusammenhängen“, sagt Volker König. „Dadurch verändern sich die Verkehrsströme.“

„Die Kreuzung ist rechtlich jedoch in Ordnung“, erklärt Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß. Er sieht das Prob­lem im oftmals rücksichtslosen Verhalten vieler Fahrer - und am mangelnden Verständnis des grünen Pfeils. „Er heißt nicht, dass man einfach fahren kann“, erklärt der Rathauschef die verkehrstechnische Errungenschaft aus der DDR. Es gelte: „Abbremsen, sich orientieren, langsam vortasten, dann erst fahren“, sagt Heß. Gleichwohl will er den Pfeil - der auch an der Kreuzung von Ruhr- und Röddenauer Straße den Verkehr regeln hilft - nicht missen: „Er hilft, dass der Verkehr abfließt“, sagt Heß mit Blick auf die oftmals überfüllte Jahnstraße.

Doch sei das Problem bei der Stadt bekannt: Die Kreuzung werde beobachtet. Spätestens wenn es an die Umgestaltung der Uferstraße geht, soll auch der Kreuzungsbereich umgeplant werden. „Ich kann nicht sagen, ob da ein Kreisel hinkommt“, sagt Heß - eine gute Option aber sei das. Und auch ein weiterer Aspekt muss bedacht werden, wie Volker König aufzeigt: Wenn die Bahnstrecke eröffnet wird und der Bahnübergang in der Jahnstraße stündlich seine Schranken schließt, müsse die Schaltung der Ampel in jedem Fall überprüft werden, sagt der Polizeibeamte: „Der Verkehr darf sich dann nicht bis zu den Schienen zurückstauen.“

Von Mark Adel und Malte Glotz

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