Unfallverursacherin wegen fahrlässiger Tötung zu Geldstrafe verurteilt

"Keine Strafe wiegt ein Leben auf"

Im September war es zu einem folgenschweren Unfall zwischen Bottendorf und Ernsthausen gekommen. Dabei war ein 20-Jähriger gestorben, seine Verlobte wurde schwer verletzt. Die Verursacherin stand gestern wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Archivfoto: tt

Burgwald - Bottendorf / Frankenberg - Zwei junge Frauen, beide 22 Jahre alt, standen sich vor dem Amtsgericht gegenüber. Die eine hat in einem Moment der Unaufmerksamkeit einen schweren Autounfall verursacht. Dabei ist der Verlobte der anderen gestorben.

Die Bad Cambergerin stand wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung vor dem Frankenberger Amtsgericht. Die 22-Jährige war im September auf der Bundesstraße zwischen Bottendorf und Ernsthausen mit ihrem Audi aus Unaufmerksamkeit auf die Gegenfahrbahn geraten und in einen entgegenkommenden Kia geprallt.

Der Zusammenstoß hatte fatale Folgen: Der 20-jährige Beifahrer im Kia war nach Angaben des Gutachters aus der Gießener Gerichtsmedizin sofort tot. Die Fahrerin des Kia, seine Verlobte, erlitt schwere Verletzungen, darunter mehrere Knochenbrüche. Unter den Folgen des Unfalls leidet die 22-Jährige aus Paderborn bis heute - körperlich ebenso wie psychisch. Die Audi-Fahrerin und ihr Beifahrer hatten diverse Prellungen davongetragen.

„Es war wie ein Wimpernschlag“, sagte die Unfallverursacherin vor Gericht. „Ich habe das andere Auto gesehen, da war es schon zu spät.“ An den eigentlichen Aufprall könne sie sich nicht erinnern.

Die Fahrerin des Kia hingegen ist sich sicher, dass der Audi ihr plötzlich auf ihrer Fahrspur entgegenkam. Das bestätigte das Gutachten des Sachverständigen: Die Spuren im Asphalt hätten eindeutig erwiesen, dass sich der Unfall auf der Fahrspur der Angeklagten ereignet hatte.

Richterin Andrea Hülshorst sah die Schuld der jungen Frau aus Bad Camberg als erwiesen an. Sie verurteilte sie zu einer Geldstrafe in Höhe von 4400 Euro, aufgegliedert in 80 Tagessätze. Außerdem muss die Frau drei Monate lang ihren Führerschein abgeben und die Kosten des Verfahrens tragen. Hinzu kommen möglicherweise erhebliche weitere Kosten, die durch die medizinische Behandlung des Unfallopfers entstanden sind. „Keine Strafe der Welt wiegt ein Menschenleben auf“, sagte die Richterin an die Klägerin und die Angehörigen des Getöteten im Gerichtssaal gewandt. Das Gericht müsse die Tat aber in einen rechtlichen Rahmen einordnen. (apa)

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