Windräder in Ernsthausen

Keine Windräder ohne Gutachten

Gegen 200-Meter-Windmühlen nördlich von „Henjes Rück“ haben die Ernsthäuser nichts einzuwenden – denn schon jetzt sind die 80 Meter hohen Anlagen kaum von den 150 Meter hohen Anlagen optisch zu unterscheiden.Montage: Gewi

Burgwald-Ernsthausen - Der Ortsbeirat von Ernsthausen macht den Weg frei für 200 Meter hohe Windräder - aber nur, wenn sie nördlich vom "Henjes Rück" stehen und die Investoren zuvor Gutachten über Schatten- und Lärmemission vorlegen. Bürgermeister Lothar Koch will sich nach der Meinung des Gremiums richten.

„Natürlich gibt es Bedenken, aber ich habe bisher von niemandem gehört, dass er die höheren Windräder auf keinen Fall will“, sagte Ortsvorsteher Frank Kleinwächter zur Eröffnung der Ortsbeiratssitzung am Mittwochabend. Der Ortsbeirat hatte das gesamte Dorf eingeladen und in den Wochen zuvor mit vielen Bürgern gesprochen, um sich ein Meinungsbild zu zeichnen.

Letztendlich soll das ehrenamtliche Gremium nämlich über die höheren Windräder entscheiden: „Das Votum der Ernsthäuser ist ausschlaggebend“, betonte Bürgermeister Lothar Koch wiederholt. Der Gemeindevorstand werde keine Diskussion zur Änderung des Flächennutzungsplans anstoßen, wenn das Dorf dagegen ist. Der Plan muss für den Bau der 200 Meter hohen Anlagen geändert werden, da bisher die Höhe auf 150 Meter reglementiert ist. Grundsätzlich hat sich der Ortsbeirat nach längerer Diskussion mit den Bürgern für eine Änderung des Plans ausgesprochen - aber nur in Teilbereichen des ausgezeichneten Windvorranggebiets. Die Firma Gewi aus Husum plant mit drei Windmühlen: Eine neue anstelle der ausgebrannten 80 Meter hohen Tacke-Anlage und zwei weitere Anlagen nördlich der Tacke-Mühle. Der Ortsbeirat ist jedoch gegen eine Erhöhung der 80-Meter-Mühle. Denn diese steht nah am Dorf und die Bürger befürchten stärkere Einschränkungen durch Schatten und Lärm, als bisher. „Wir prüfen jetzt, ob man die Änderung des Flächennutzungsplans auf das Gebiet nördlich vom Hennes Rücken beschränken kann“, fasste Koch den Beschluss zusammen. Geht eine teilweise Änderung nicht, gibt es keine höheren Windräder nördlich des Dorfes.

Auch wenn es möglich ist, das Gebiet aufzuteilen, stimmt der Ortsbeirat einer Änderung des Plans nicht sofort zu: „Wir wollen noch Gutachten bezüglich des Schattenwurfs und des Lärms sehen“, sagte Kleinwächter. Mit einer Einschränkung hätten die meisten Ernsthäuser keine Probleme - aber sie dürften nicht zu groß werden. „Wir sind auch vom Schattenwurf betroffen“, sagte Ortsbeirätin Gabriele Linne, „dann machen wir das Rollo runter.“ Das sei besser, als ein Atomkraftwerk in der Nähe.

Strikte Gegner der höheren Anlagen zeigten sich jedoch auch in der Sitzung: Weil es sich nicht lohnen werde, weil zu wenig Strom produziert werde, weil sie zu hoch seien und nicht mehr ins Bild passten. „Das sieht nicht vernünftig aus und hat noch stärkere Auswirkungen auf das Dorf“, sagte einer der Zuhörer. Zwar verdiene die Gemeinde ebenfalls Geld an den Windrädern, „aber das sind doch nur Magentropfen gegen die Bauchschmerzen, die wir mit den hohen Windrädern haben“, kritisierte ein weiterer Ernsthäuser.

Ob die Mühlen wirtschaftlich seien ist dem Ortsbeirat egal - er verlangt keine Windmessung. „Egal, wie schnell sie sich drehen, sie bringen auf jeden Fall Strom. Wir können auch mit einer Messung nicht abschätzen, ob eine Anlage wirtschaftlich ist“, sagte Kleinwächter.

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