Karoline Iwich wird 90 Jahre alt

"Keine Zeit um krank zu sein"

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Allendorf-Osterfeld - In Kasachstan ist Karoline Iwich geboren und aufgewachsen. In Osterfeld feiert sie heute ihren 90. Geburtstag. In der Zwischenzeit hat sie viel erlebt und erarbeitet und eine ganze Familie eigenständig ernährt.

Karoline Iwich wird heute 90 Jahre alt. Sie wurde am 1. August 1922 als zweites Kind von Katharine und Niklaus Gerg in Korowinka in Kasachstan geboren und ging dort auch zur Schule. Nach ihrer Schulzeit arbeitete sie in einem großen landwirtschaftlichen Betrieb und musste damit schon früh zum Lebensunterhalt ihrer Familie beitragen - ihre Eltern waren beide krank.

Am 20. Mai 1940 heiratete die Kasachin dann ihren Ehemann Johann Iwich in Marinowka - es war eins von drei deutschen Dörfern die unmittelbar zusammenlagen. Dort wurde durchgängig deutsch gesprochen. Auch die deutschen Feiertage wurden dort gefeiert. Die Kinder mussten in den Schulen dennoch Russisch lernen, wie Iwich aus ihrer Erinnerung erzählt.

Iwich gebar zwölf Kinder - von denen fünf nur wenige Monate alt wurden und bereits im Babyalter verstarben. Die junge Familie hatte auch eine kleine eigene Landwirtschaft mit Kühen, Ziegen, Schafen, Gänsen und allen anderen Tieren, die früher so auf den Dörfern gehalten wurden um eine Familie zu ernähren. Doch schon bald stand Iwich mit der Familie und der Landwirtschaft alleine da, denn ihr Mann wurde - da er deutschstämmig war - zur Zwangsarbeit eingezogen und aus dieser erst 1945 schwer krank entlassen. „Meine Mutter hat gearbeitet wie ein Mann“, sagt Tochter Katharina, „sie hat morgens den Herd in der Küche angezündet und wenn wir Kinder aufgestanden sind, war sie schon an der Arbeit in der Kolchose wo sie fast 40 Jahre beschäftigt war.“ Doch damit war ihr Tagwerk noch lange nicht beendet: „Wenn sie abends dann nach Hause kam nahm sie die Sense und hat noch Schilf als Brennmaterial gemäht und nach Hause geholt. Mutter hatte immer viel Arbeit, aber wir Kinder immer was zu essen“, erinnert sich die Tochter.

In der kleinen Landwirtschaft mussten die Kinder auch schon frühzeitig die Mutter unterstützen. Karoline Iwichs Ehemann und Vater der sieben Kinder hat sich von den Strapazen der Zwangsarbeit nie mehr richtig erholt und ist in 1966 verstorben.

Fast 30 Jahre später: 1994 sind Karoline Iwich und die Familien ihrer sieben Kinder nach Deutschland ausgesiedelt. Über Osnabrück kamen die gebürtigen Kasachen nach Rosenthal und später nach Allendorf. Seit 1999 wohnt Iwich in der Familie ihrer Tochter Katharina, die mit ihrem Ehemann in Osterfeld ein Haus gekauft hat.

Die Jubilarin klagt nicht über Krankheiten: „Ich hatte nie Zeit um krank zu sein“ sagt sie. Als ihr Herz dann doch zu stolpern begann, musste sie sich doch einen Herzschrittmacher einsetzen lassen.

Ihren Geburtstag will Karoline Iwich am Wochenende im Allendorfer Bürgerhaus feiern, zu den Gratulanten gehören dann die sieben Kinder mit ihren Partnern, 21 Enkel und 25 Urenkel. Die Familie ist über ganz Deutschland verteilt und reist eigens zu der Feier nach Allendorf. (wi)

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