Klaus Kirschner aus Dodenhausen ist einer der erfolgreichsten Läufer der Region

Aus dem Kellerwald an Deutschlands Spitze

Haina-Dodenhausen - Kurz vor seinem 40. Geburtstag hatte Klaus Kirschner Sorge, er könne so langsam zu viel Bauch ansetzen. Seine Frau Anita joggte schon länger und so entschied Kirschner, sich mit Laufen ein wenig fit zu machen. Mittlerweile ist er zweifacher deutscher Meister mit der Mannschaft.

. Was mit guten Vorsätzen begann - mehr Fitness und weniger Bauch - wurde zu einem großen Teil seines Lebens. Sechsmal pro Woche schnürt Klaus Kirschner die Sportschuhe und läuft los. An Werktagen dauert sein Training mindestens eine Stunde, am Wochenende zwei bis drei Stunden. Der Dodenhäuser erinnert sich noch gut an seine ersten Läufe. „Da bin ich gerade mal bis in den Wald gekommen“ - und der ist nicht weit weg von seiner Haustür.

Davon kann mittlerweile keine Rede mehr sein: Klaus Kirschner gehört zu den erfolgreichsten Läufern der Region. Er hat mit seinen Teamkollegen schon zwei deutsche Meistertitel im Marathon in den Kellerwald geholt.

Laufen ist für ihn mittlerweile viel mehr als ein Sport: „Wenn man ein, zwei Stunden läuft, hat man in der Zeit tausend Gedanken. Man ist frei und man ist für sich“, beschreibt der 54-Jährige. „Man kann beim Laufen sämtliche Probleme bewältigen, weil man einfach Zeit hat, darüber nachzudenken. Man muss sich ja mit etwas beschäftigen in der Zeit.“ Nach dem Sport sei er zufrieden und ausgeglichen.

Ein gutes halbes Jahr dauerte es, bis Kirschner so fit war, dass er bei Wettkämpfen über zehn Kilometer antreten konnte. Schon bald rangierte er im Mittelfeld. Er fand Gefallen am Laufen, an den Wettkämpfen und auch an den Erfolgserlebnissen. „Jeder, der mal bei einem Wettkampf ins Ziel gekommen ist, weiß, dass man nicht als Konkurrent läuft, sondern für sich selbst“, beschreibt er. Wer an bestimmten Wertungsläufen teilnehmen will, muss Mitglied eines entsprechenden Vereins sein. Und so kam 1999/2000 die Idee auf, dem bis dato reinen Fußballverein in Dodenhausen eine Leichtathletik­sparte anzuhängen. Drei etwa gleich starke Läufer hatten sich bereits gefunden: Klaus Kirschner, Dieter Kotte und Ludwig Engelmohr. Die drei bildeten bald eine starke Mannschaft.

„Als Einzelkämpfer hat man bei hessischen und deutschen Meisterschaften schlechte Chancen, weit nach vorn zu kommen, wenn man so spät angefangen hat“, sagt Klaus Kirschner. Als Team hingegen legten die drei Läufer gute Zeiten vor. „Wir waren alle nicht trainingsfaul und wurden dann eine richtig aktive Wettkampfgruppe“, erinnert sich der Dodenhäuser.

Die drei Männer liefen meist zehn Kilometer lange Strecken oder den Halbmarathon über 21,1 Kilometer. Irgendwann kam die Idee, man könne vielleicht mal an einem Marathon teilnehmen. „Über die Distanzen kann man mit Training viel erreichen“, sagt der Läufer. Ein Vierteljahr dauert die Vorbereitung für einen Marathon. In dieser Zeit laufen die Teamkollegen jeden Sonntagmorgen 30 bis 36 Kilometer, immer auf anderen Strecken. Zusätzlich trainiert jeder für sich.

Die Gemeinschaft mit anderen Läufern spielt eine große Rolle: Er sei für die „Animation“ zuständig, sagt Kirschner, er motiviere die anderen Vereinsmitglieder zum Beispiel dazu, sich für Wettkämpfe anzumelden. Etwa 40 der 76 Mitglieder der Lauf-sparte machen aktiv mit.

Das Laufen nicht allzuverbissen sehen

Kirschner und seine beiden Teamkollegen haben sich derweil an der deutschen Spitze einen Namen gemacht: Sie holten 2006 den Mannschaftsmeistertitel der M45 und erneut 2008 bei den M50. Nicht nur über den Sieg freute sich der Dodenhäuser, sondern auch darüber, dass er dabei seine persönliche Bestzeit noch einmal unterbot und nach 2:50:33 ins Ziel kam.

Die beiden Bundestitel haben für Kirschner einen enormen Stellenwert: „Das hat mich unheimlich motiviert“, erinnert er sich, „damit hat das Laufen schon eine andere Wertigkeit bekommen.“ Plötzlich kannten ihn die Leute, darunter auch der ehemalige Bundestrainer, erinnert sich Kirschner.

Das Besondere am Laufen auf Wettkampfebene sei, dass man für seine Leistung immer selbst verantwortlich sei. Man könne niemand anderem oder bestimmten Umständen die Schuld geben, wenn etwas nicht gut klappt, erläutert Kirschner. Bei aller Leistungsorientierung, die er vor einer Landes- oder Bundesmeisterschaft spüre - der Spaß am Laufen stehe für ihn im Vordergrund, sagt Kirschner. Anders als andere sieht er seinen Sport nicht verbissen und ernährt sich beispielsweise nicht nach strengen Regeln. Zu den wöchentlichen Läufen mit seinem Stammtisch gehören deshalb immer ein paar Hefeweizen zum Abschluss.

Von Andrea Pauly

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