Kinder aus Hatzfeld häkeln Tintenfische für Frühchen

Sie haben kleine Tintenfische gehäkelt: (hintere Reihe, von links) Hanna Bettehäuser, Taya Otto, Mia Theis, Naomi Kumpf, Damaris Kumpf, Luna Reitz. Vordere Reihe, von links: Tabea Schneider, Laura Koch, Lea Faust und Lina Schmitt. Fotos: Gewert

Hatzfeld. Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren aus Hatzfeld häkeln in diesen Tagen mit Urlsula Klos mehrere Tintenfische, die Frühchen im Brutkasten beruhigen sollen.

In Deutschland gibt es das Projekt bereits in anderen Regionen. Ursula Klos erfuhr über einen Zeitungsbericht davon und dachte gleich daran, mitzuwirken. Mit 15 Mädchen trifft sie sich ein bis zwei Mal in der Woche und häkelt die kleinen, bunten Tintenfische, deren Tentakel die Frühchen im Brutkasten beruhigen sollen.

Eine von den fleißigen Kindern ist Laura Koch. Sie hat gerade den Faden verloren. Kein Problem für Ursula Klos, sie kann helfen. „Jetzt nimmst du den Faden, damit er hier durch kommt“, sagt sie zu dem Mädchen. Es komme auf die richtige Masche an, sagt sie.

Wer in die Stube von Ursula Klos eintritt, merkt gleich eine besondere Atmosphäre. Überall gibt es etwas zu entdecken: Wolle, Puppen, Eierwärmer und mehr. Denn hier wird gestrickt, genäht und gehäkelt - und das vor allem für Frühchen.

Eine kleine Gruppe, bestehend aus 15 Mädchen und „Oma Ursel“, wie Ursula Klos auch liebevoll von den Kindern genannt wird, trifft sich immer montags und dienstags zum Häkeln. „Oma Ursel“ ist stets zur Stelle, wenn die Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren nicht weiter wissen. Seit Ende der vergangenen Herbstferien haben sie für ein ganz besonderes Projekt gehäkelt, das den Namen „kleine Tintenfische“ trägt.

Die Idee für das Projekt stammt ursprünglich aus Dänemark. Eine Frau häkelte dort einen Tintenfisch für ein zu früh geborenes Baby. Das Frühchen bekam den Tintenfisch in den Brutkasten gelegt, wodurch das Kind ruhiger wurde und seltener an den Schläuchen und der Magensonde zog. Auch bei anderen Neugeborenen mit Startschwierigkeiten wurde der positive Effekt beobachtet. Die Atmung und der Herzschlag der Babys wurden regelmäßiger und der Sauerstoffgehalt im Blut stieg. Mediziner vermuten, dass die Tentakel der Tintenfische der Nabelschnur im Mutterleib ähneln, an der sich die Babys im Bauch festgehalten haben.

Bislang sind die Tintenfische aus Hatzfeld noch nicht an Krankenhäuser verschickt worden. Ursula Klos steht aber in Kontakt mit dem Klinikum in Marburg, um das Projekt dort einzuführen. Die Gespräche seien aber noch nicht abgeschlossen.

Deutschlandweit gibt es das Projekt derweil schon in anderen Regionen. Freiwillige, zu denen die Kinder aus Hatzfeld und Umgebung demnächst auch gerne gehören wollen, liefern bereits Tintenfische an Krankenhäuser, wie das Universitätsklinikum Münster, die DRK Kinderklinik Siegen und das Evangelische Krankenhaus Bethanien in Iserlohn in Nordrhein-Westfalen.

Klos berichtet, dass es aus Sicherheitsgründen verboten ist, die Tintenfische direkt ans Krankenhaus zu schicken. Sie müssten erst durch eine Sicherheitskontrolle, um jegliche Gefahr für die Neugeborenen zu vermeiden.

Als die Kinder durch Ursula Klos erfuhren, was es mit dem Projekt auf sich hat, wollten sie gleich helfen. Eine unter ihnen war selbst ein Frühchen. „Das hat die Kinder sehr bewegt“, sagt Klos.

Mittlerweile hat auch Laura Koch hat den roten Faden wiedergefunden und häkelt fleißig die nächste Tentakel.

Von Marie-Therese Gewert

Service: Weitere Infos zu dem Projekt gibt es im Internet unter: http://kleine-tintenfische.de.

Quelle: HNA

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