Sechs Jahre und zehn Monate Haft

Kinder missbraucht: 46-Jähriger aus dem Frankenberger Land muss ins Gefängnis

Themenfoto Amtsgericht und Landgericht Marburg. Foto: Thorsten Richter (thr).
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Das Landgericht in Marburg.

Sechs Jahre und zehn Monate Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs: So lautet das Urteil des Landgerichts Marburg gegen einen 46-jährigen Angeklagten aus dem Frankenberger Land.

  • Urteil im Prozess wegen schweren sexuellen Missbrauchs.
  • Landgericht Marburg verurteilt 46-Jährigen aus dem Frankenberger Land.
  • Das Urteil: 6 Jahre und10 Monate Haft sowie 20.000 Euro Schmerzensgeld.

Außerdem muss der Angeklagte an das erste Opfer für dessen erlittene und zukünftige materielle und immaterielle Schäden 20.000 Euro Schmerzensgeld zahlen und sämtliche Kosten des Verfahrens tragen. 

Mädchen war zu Beginn des Missbrauchs erst 11 Jahre alt

Am Ende des dritten Verhandlungstages rekapitulierte der Vorsitzende Richter Dr. Jan Christof Otto bei der Urteilsbegründung noch einmal den Ablauf der Geschehnisse. So habe der Beschuldigte die Abhängigkeit des zu Beginn der Straftaten erst elf Jahre alten Mädchens ausgenutzt und „auf manipulative Weise Weichen gestellt“. 

46-Jähriger hatte das Mädchen aufgefordert, sexuell motivierte Fotos zu verschicken

„Jeder hat immer gedacht, dass wir Traumstiefvater und Traumstieftochter sind“, habe das Mädchen bei seiner Vernehmung gesagt – es sei davon auszugehen, dass sie erst im Rückblick einordnen könne, was geschehen sei, etwa das Verschicken sexuell motivierter Fotos, wozu sie der Angeklagte genötigt habe. 

Dr. Otto betonte, dass es für das Opfer schwierig sei, einzelne Taten konkret zu beschreiben, da diese sozusagen zu ihrem Alltag gehört hätten. Das Gericht könne allerdings von einer bestimmten Mindestzahl ausgehen, wobei in der Aussage des Opfers stets „das Anfassen“ im Vordergrund gestanden habe. 

Angeklagte hat das Mädchen zu sexuellen Handlungen gezwungen

Der Angeklagte habe regelmäßig sexuelle Handlungen vor den Augen des Kindes und am Kind selbst vorgenommen und es unter Androhung negativer Konsequenzen zum Mitmachen gezwungen. Man könne zudem von einer Steigerung der Handlungsformen sprechen. Für das Opfer, das keinen Ausweg gesehen habe, habe dies ein „Martyrium im Alltag“ bedeutet. 

Zweites Opfer war 13 Jahre alt und entwickelte Gefühle für den 46-Jährigen

Auch beim zweiten Opfer stellte das Gericht die „Verwerflichkeit der Taten“ fest. Der Angeklagte sei ebenfalls manipulativ vorgegangen, doch im Gegensatz zum ersten Opfer habe das zu diesem Zeitpunkt noch 13-jährige Mädchen Gefühle für ihn entwickelt, sodass man hier von einem minderschweren Fall des sexuellen Missbrauchs sprechen könne. „Nicht ohne Grund ist aber das Alter von 14 Jahren die absolute Grenze für sexuellen Kontakt mit Kindern“, so der Vorsitzende Richter. 

Angeklagte hat sämtliche Taten gestanden

Zugunsten des Angeklagten wurde gewertet, dass er sämtliche Taten eingestanden hat. Dadurch sei es möglich gewesen, auf die belastende Vernehmung der Geschädigten vor Gericht zu verzichten. Außerdem sei er gewillt, sich therapieren zu lassen und sich zu ändern. „Er übernimmt die Verantwortung für das, was er angerichtet hat und hat den tatsächlichen Willen, an sich zu arbeiten“, sagte der Vorsitzende Richter. 

Ohne etwas schönreden zu wollen, könne man doch sagen, dass gewisse Grenzen eingehalten wurden, auch wenn der Angeklagte immer wieder die Lage der Mädchen ausgenutzt und sich vor allem beim ersten Mädchen über deren Wünsche hinweggesetzt habe. 

Tat hat erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung des Opfers

Der lange Zeitraum der Taten habe in der Gesamtheit allerdings erhebliche Folgen für die Entwicklung besonders des ersten Opfers. Die Kontaktaufnahme zum zweiten Opfer habe zudem gezielt stattgefunden. Offensichtlich habe der Angeklagte zumindest nach den Vorfällen mit dem ersten Opfer keine Konsequenzen à la „So was passiert mir nicht wieder“ gezogen. 

Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft verzichteten auf das Rechtsmittel der Revision. 

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