Gut für Eltern, die am Wochenende arbeiten müssen

Gestiegene Nachfrage: Diese Kita betreut Kinder auch samstags und sonntags

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Geschenk: Staatssekretär Dippel brachte den Kindern des Kindergartens Willingen einen Bausatz für ein Segelschiff mit. Hier mit (von links) Lina, Felix, Alexander und Johann.

Willingen. In Waldeck-Frankenberg gibt es eine Kita, in der Kinder an sieben Tagen pro Woche betreut werden können: der Kindergarten in Willingen. Wir waren dort und stellen das Angebot vor.

Zwölf Kinder sind es mittlerweile, die morgens um sechs Uhr in den Kindergarten kommen. Andere bleiben bis 21 Uhr. Samstags sind es bis zu elf Kinder, sonntags acht Kinder, die dort betreut werden. Die Nachfrage ist gestiegen, berichtet Pfarrer Christian Röhling.

Viele Eltern, die in Schichten arbeiten, sind froh, wenn die Kinder dann betreut werden können. Das Angebot mit erweiterten Öffnungszeiten wie in Willingen ist einzigartig in Waldeck-Frankenberg. Davon machte sich jetzt Dr. Wolfgang Dippel, Staatssekretär im Hessischen Sozialministerium, ein Bild.

Dass der Kindergarten an sieben Tagen pro Woche offen ist, macht das Projekt „Kita Plus“ möglich, ein Programm des Bundesfamilienministeriums. 200.000 Euro pro Jahr gibt es als Fördergeld. Doch das Projekt läuft Ende des Jahres aus. Ob es auch danach Geld gibt, ist noch unklar.

Für Bürgermeister Thomas Trachte steht aber fest: Die Gemeinde Willingen steht hinter diesem Angebot, das Eltern erleichtern soll, Familie und Beruf zu vereinbaren. „In fünf Jahren läuft das Kindergartenprojekt rund und finanziert sich auch“, meint er.

Bis dahin müssten die Rahmenbedingungen noch genau ausgeklügelt werden. Die Finanzierung von Seiten der Gemeinde sei dank hoher Steuereinnahmen zurzeit möglich, aber eine weitere Förderung des Bundes wäre eine entscheidende Hilfe.

„Wir werden uns beim Bund dafür einsetzen“, versprach der Staatssekretär, der auf Einladung des Landtagsabgeordneten Armin Schwarz aus Wiesbaden gekommen war. Schwarz sprach über das Kindergartenkonzept in Willingen von einem „Paradebeispiel“, das zeige, dass eine touristisch geprägte Region qualifizierte Mitarbeiter für das Gastgewerbe halten kann, indem adäquate Kinderbetreuung vorhanden sei.

Pfarrer Christian Röhling berichtete für den Evangelischen Gesamtverband Upland als Träger des Kindergartens und bestätigte, dass die erweiterten Öffnungszeiten Familien äußerst attraktiv erscheinen.

Es gebe neben Anfragen aus der eigenen Gemeinde auch solche aus Brilon und Korbach. „Eine Familie ist sogar extra wegen des Betreuungsangebotes von Thüringen hierher gezogen.“ Er sprach aber auch Probleme an. So seien etwa die Zuschläge für den Wochenenddienst in der Förderung nicht eingerechnet. Außerdem sei die flexible Nutzung der Öffnungszeigen mit dem „starren Gruppensystem“ nicht zu vereinbaren.

Personal reicht nicht aus

„Wir brauchen wesentlich mehr Personal, um diese Stunden abzudecken“, gab Kindergarten-Leiterin Silke Witzel zu bedenken.

90 Kinder gehen derzeit in Willingen in den Kindergarten. „Ich rechne mit einer weiter steigenden Nachfrage nach Kita-Plätzen“, sagte Bürgermeister Trachte.

Claudia Preising vom Kirchenkreisamt bestätigte den Trend, der sich nicht auf Willingen beschränke und der nicht zuletzt auf mehr Geburten zurückzuführen sei. „Die Kindergärten sind knallvoll.“

Das sagt die Kita-Leiterin

Die Hauptziele des Programms „Kita Plus“ sind Erweiterung der Öffnungszeiten sowie flexible Bring- und Abholzeiten. Dies nutzt in erster Linie den Eltern. Aber inwiefern wirkt sich das auf die Kinder auf? Die Kinder fühlten sich wohl, bekräftigte die Kindergarten-Leiterin Silke Witzel. Sie hätten auch reichlich Gelegenheit, sich auszuruhen und zu schlafen, falls sie müde seien. 

Pfarrer Christian Röhling zählte die verschiedenen Räume auf, in denen die Kinder gefördert werden und ihren Interessen nachgehen können: Sie können dort kochen und backen, werken, turnen und vieles mehr. Der Sonntag ist im Kindergarten ganz im Sinne der Kirche ein besonderer Tag. Dann werde gemeinsam gegessen, gebetet und ein Spaziergang unternommen. Die Kinder sind dort nicht länger als 45 Stunden pro Woche im Kindergarten. Eine pädagogische Fachkraft ist für Familienberatung da. 

Ein Interview mit Staatssekretär Dippel zu dem Thema lesen Sie in der gedruckten Mittwochsausgabe der HNA Frankenberger Allgemeine. 

Quelle: HNA

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