Battenfelder Kirche

Kirche erstrahlt in historischem Glanz

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Allendorf-Battenfeld - "Seine" Kirche soll ein lebendiger Ort für alle Menschen sein. Pfarrer Claus Becker stellt die Battenfelder Kirche auch für außergewöhnliche Veranstaltungen zur Verfügung. Damit das alte Gebäude noch lange erhalten bleibt, wurde es zunächst von außen saniert

Ursprünglich ist es eine romantische Basilika. Von der alten Kirche sind jedoch nur noch Teile vom aufstrebenden Mauerwerk erhalten. Um 1200 wurden der Chor und der Kirchturm angebaut – dann der Zeit entsprechend im gotischen Stil. Die Familie zu Biedenfeld, deren Patronat die Battenfelder Kirche unterstand, ließ zudem ein Gewölbe einziehen. „Zuvor hatte die Kirche vermutlich ein flaches Dach“, erklärt Pfarrer Claus Becker.

Der Dachstuhl ist mindestens 600 Jahre alt – Zeit, ihn zu sanieren. „Wir haben den Dachstuhl komplett erneuert, denn er hatte deutlich gelitten“, erzählt der Pfarrer. Im Jahr 2010 begannen daher die Arbeiten unter dem Dach der Kirche. Durch die Erneuerung ist die Gewichtsverteilung des Dachstuhls auf die Außenwände des Gebäudesendlich wieder ausgeglichen, wie der Pfarrer erzählt. Was an sich gut für das Gebäude ist, bringt jedoch auch Nachteile mit sich: Die Wände der Kirche werden nun wieder anders belastet, als in den vergangenen Jahren. Dadurch entstehen Risse im Mauerwerk. „Es ist nicht schön und am liebsten würden wir direkt loslegen“, sagt Becker. Aber jetzt müsse die Kirchengemeinde mindestens zwei Jahre warten, bevor sie über eine Sanierung des Mauerwerks nachdenken könne: „Wir können das erst in Angriff nehmen, wenn keine weiteren Risse mehr entstehen.“

Für die Kirchengemeinde bleibt also noch einiges zu stemmen, um das schmucke Kleinod im Herzen von Battenfeld ansehnlich zu erhalten. Dabei blieb es bereits bei den jetzigen Investitionen nicht beim neuen Dachstuhl: Auch in den rund 800 Jahre alten Kirchturm hat die Kirchengemeinde investiert. Mit einem speziellen Putz wurde der Anbau neu verkleidet und zeigt sich von einer Seite, die bisher kein heutiger Battenberger kannte. Bis vor hundert Jahren war der Turm schon mal verputzt gewesen.

Laut Becker wurde der Putz dann abgekratzt und fast ein Jahrhundert lang lag das darunter liegende Bruchsteinmauerwerk frei. „Das Mauerwerk hat so viele Schäden genommen, dass wir es aus wirtschaftlicher Sicht wieder verputzen mussten.“ Dabei haben man jedoch viel Wert darauf gelegt, das ursprüngliche Aussehen des Bauwerks wieder zum Vorschein zu holen. Der Turm wurde mit einem speziellen Sandputz verkleidet, der eigens für den Kirchturm angemischt wurde. Über Jahrzehnte verliert dieser Putz immer einen Teil der obersten Schicht. Heute würde er laut Pfarrer Becker so nicht mehr verwendet werden. „Aber für unseren Kirchturm ist dieser Putz ideal.“ Weil dieser Putz aber nicht mehr so verwendet wird, hatten die Arbeiten es für die Verputzer in sich: Maschinen konnten nicht verwendet werden, weil sie mit dem Sandputz nicht funktionierten.

Die Arbeiter mussten jeden Eimer einzeln den Turm hinauf schleppen und vor Ort anrühren und mit der Hand schließlich auftragen. In der folgenden Woche bot sich ein ungewöhnlicher Anblick in Battenfeld: Der Turm wurde mit Säcken abgehängt und bewässert, damit der Putz nicht zu schnell trocknet. Damit das äußere Erscheinungsbild der romantisch-gotischen Kirche komplett in neuem Glanz erstrahlt, hat die Kirchengemeinde auch in einen neuen Außenanstrich investiert. Darüber hinaus wurden die Fenster erneuert. „Soweit es möglich war, wurden Holz und Glas erhalten“, sagt Becker. Nur wenn es nicht anders ging, haben die Restaurateure Elemente ausgetauscht.

Becker zeigt auf ein Fenster: „Damals wurde Glas noch gegossen. Deswegen wird das Licht durch das Glas leicht gebrochen.“ Heute werde Glas gerollt und es sind keine Unregelmäßigkeiten in der Scheibe zu erkennen – daran unterscheide er die neuen von den alten Glaselementen. „Ich bin gegen ein Disney-Land wo alles auf alt getrimmt wird“, sagt er. „Ich möchte lieber das Alte erhalten und mit dem Neuen kombinieren.“ In diese Erhaltung hat die Kirche nun fast 750.000 Euro investiert. Davon trägt die Kirchengemeinde 200.000 Euro, den Rest übernehmen laut Becker unter anderem der Denkmalschutz und weitere Förderstellen. Die Sanierung der Fenster habe nochmals 40.000 Euro gekostet. „Wir haben großzügige Spender und eine Kirchenstiftung“, erklärt der Pfarrer, wie diese ganzen Ausgaben gestemmt werden können. Beispielsweise sei die Kollekte bei der jüngsten goldenen Konfirmation von den Jubilaren für die Restaurierung eines Fensters gespendet worden. Weil die Außenarbeiten quasi abgeschlossen sind – es sollen nur noch ein paar Pflastersteine verlegt werden – kam ein Battenfelder auf den Pfarrer zu und lieferte die Idee für eine Feier anlässlich der abgeschlossenen Außensanierung. „Wir leben vor, dass diese Kirche für alle ist“ „Deswegen bin ich hier so gerne Pfarrer. Die Ideen kommen von den Menschen, denn es gibt hier viele Menschen, denen diese Kirche am Herzen liegt.“

Und es seien nicht nur evangelische Christen, die ihr Herz für die Battenfelder Kirche erwärmen können – denn die Zahl der Protestanten in der lutherischen Kirchengemeinde sinke rapide. „Jedes Jahr sinkt die Größe unserer Gemeinde um 20 bis 40 Mitglieder“, bedauert Becker. Aber nicht etwa durch Austritte, sondern vor allem durch den Wegzug junger Leute. Die Menschen, die neu nach Battenfeld ziehen, seien oft gänzlich ohne religiöse Zugehörigkeit oder auch muslimischen Glaubens. Aber auch „Andersgläubige“ will Becker in seiner Kirchengemeinde integrieren: „Wir leben vor, dass diese Kirche für alle ist.“ So habe er in diesem Jahr einen buddhistischen Konfirmanden. Er lasse sich zwar nicht taufen und gebe kein Konfirmationsversprechen ab – aber er wird eingesegnet. „Er macht den Unterricht mit, er hat den Joseph im Krippenspiel gespielt, er lernt eifrig und besucht sehr häufig den Gottesdienst“, erzählt Becker. Nur taufen lassen wolle er sich aus familiären Gründen nicht. Gottesdienste feiere Becker auch häufig mit muslimischen Müttern: Wenn der Kindergarten in die Kirche kommt, um dort einen Gottesdienst zu halten, so sitzen häufig die muslimischen Mütter auch in der Kirche. „Das hat was. Da macht meine Arbeit Spaß.“

Für die Zukunft hat Pfarrer Becker noch weiterführende Pläne: Wenn im nächsten Zug die fälligen Elektroarbeiten in der Kirche angegangen werden, so hofft er, die Kirche „kunsttauglich“ machen zu können: Kleine ausgesuchte Musikveranstaltungen – etwa ein Saxofon-Konzert oder ein Orgelkonzert – aber auch Ausstellungen sollen Raum in der Kirche finden. Damit hofft Becker, möglichst viele verschiedene Menschen in das historische Gebäude locken zu können.„Mein Traum wäre es, mit Hilfe der Stiftung alle 10 oder 15 Jahre ein neues Kunstwerk für die Kirche kaufen zu können“, verrät Becker. „Unsere Vorfahren haben hier schon immer Wert gelegt auf eine künstlerische Gestaltung des Raums.“

Als Beispiel nennt er eine der Glocken, die mit kunstvoll verzierten Buchstaben beschriftet ist. „Das ist etwas ganz Besonderes.“ Gefeiert wird die Außensanierung der Kirche am 14. April. Um 16.30 Uhr beginnt ein Konzert des Battenberger Jugendmusikzugs, um 17.45 Uhr beginnt ein Festgottesdienst unter Beteiligung der Battenfelder Chöre. Ab 18.30 Uhr gibt es ein Pizzaessen um die Kirche.

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