Sanierung der Grüsener Kirche abgeschlossen

"Kirche ist ein Gebrauchsgegenstand"

+
Licht und schlicht ist die Grüsener Kirche nach der Sanierung. Pfarrer Hilmar Jung ist glücklich darüber, was aus dem Gotteshaus in den vergangenen Monaten geworden ist.

Gemünden-Grüsen - Bänke, Fußboden, Decke, Heizungen, Fenster, Orgel: Vieles in der Grüsener Kirche war alt, gebraucht, sanierungsbedürftig. Die Gemeinde hat das Problem erkannt, Spenden gesammelt, lange auf ihr Gotteshaus verzichtet - und erhält es in neuem Glanz zurück.

Am Schluss hat es länger gedauert, als geplant. Doch wenn Pfarrer Hilmar Jung durch die Grüsener Kirche geht, ist von Verbitterung darüber, dass ein halbes Jahr länger am Gotteshaus gebaut wurde, nichts zu spüren. Vielmehr strahlt der Pfarrer – setzt sich für einige Minuten auf eine der hinteren Bänke, mit Blick einfach nur nach vorne, auf den Altar. Aus der Sicht des Gemeindemitglieds. „Ich bin glücklich darüber, wie es geworden ist“, sagt Jung. Mit viel Geld wurde die Grüsener Kirche seit April 2012 saniert. Künftig kann sie wieder ganz normal genutzt werden.

Das war lange Zeit nicht selbstverständlich. Ab Frühjahr 2012 war das Gotteshaus bis auf Bauarbeiter verwaist. Und schon davor gab es Probleme: Es war kalt – bis auf die Füße. Es zog, die Bänke waren unbequem. Die Orgel hatte eine Reinigung nötig. Wenigstens trocken war es: Das Dach wurde Anfang des Jahrtausends umfassend saniert. Um auch den Innenraum anzugehen, musste Geld her: Die Grüsener sammelten innerhalb von 2 Jahren knapp 48000 Euro. Der Kirchenerhaltungsfonds der Landeskirche Kurhessen-Waldeck verdoppelte diese Summe. „Das war knapp ein Drittel der Summe, die wir für die Arbeiten brauchten“, sagt Hilmar Jung.

Noch liegt keine Endabrechnung vor, aber sicher sei, dass die endgültigen Kosten näher an 250000 Euro als an den ursprünglich angesetzten 304000 Euro liegen werden. „Das liegt auch daran, dass unser Architekt so gut gearbeitet hat“, sagt Jung.

Kredite, das ist Jung sehr wichtig, musste die Kirchengemeinde für die Arbeiten nicht aufnehmen: „Wir hatten noch Rücklagen“, sagt der Pfarrer. Zudem sei ein Teil aus der Ablösung der Kirchenbaulast der Stadt Gemünden finanziert worden.

Das Geld steckt – wie so oft – im Detail. Wer das Gotteshaus betritt, mag erst einmal nur denken, dass alles deutlich frischer aussieht, als noch vor zwei Jahren. Obwohl Jung immer wieder betonte, das Gotteshaus sei kein Wohnzimmer, ist es in Grüsens Kirche deutlich bequemer geworden. Die Bänke wurden in Felsberg saniert. Statt eine Fußheizung gibt es jetzt eine Sitzheizung – das Gotteshaus komplett zu heizen ist nicht zu finanzieren. Die Bänke haben zudem neue Auflagen bekommen. Während der Predigt still zu sitzen sollte fortan also kein Problem mehr sein.

Farbe bleibt erhalten

Erhalten wurde das Mintgrün der Empore und der kleinen Kanzel. Um den Farbton hatte es insbesondere während der Planungen Diskussionen im Kirchenvorstand gegeben. Die Decke, die nach den Arbeiten am Dach Risse aufwies, wurde nach der Methodik der Bauphase von 1833 bis 1838 restauriert. Die Wände haben einen leicht veränderten, frischen Farbton bekommen, die Fenster Heizeinheiten gegen Feuchtigkeit. Die Orgel wurde umfassend gereinigt. Was noch fehlt ist das alte, wurmzerfressene Kreuz. Ein Bronzekreuz wurde daher neu angeschafft und soll neben dem Original den Altarraum schmücken.

Das allerdings bleibt auch weiterhin der einzige Schmuck, neben Kerzen und Blumen. „Die Kirche ist ein Gebrauchsgegenstand“, sagt Pfarrer Hilmar Jung bekannt pragmatisch – und er meint das nicht abwertend: Er wünscht sich, dass viele Menschen den Gegenstand nutzen. „Es ist ein Gebäude, es sind nur Steine – aber es ist doch mehr“, sagt Jung über das Gotteshaus. Die Schlichtheit solle auf das lenken, was zählt: „Man muss sich auf die gute oder schlechte Predigt des Pfarrers konzentrieren – und auf die Arbeit des Organisten“.

In dem neuen Ambiente, hofft er, ist das künftig wieder leichter möglich: „Wir haben dem Gotteshaus die Würde zurückgegeben“, sagt der Pfarrer zufrieden. Und lädt alle Gläubigen zur „Wieder-Einweihung“ ein: Am 6. Oktober, beim Erntedank-Fest, möchte er mit Offiziellen der Landeskirche der Gemeinde das Gotteshaus vorstellen. Er hofft, dass dann viele Gläubige das gleiche Gefühl haben, wie er in der sanierten Grüsener Kirche: „Sie ist neu. Aber sie ist unsere Kirche.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare