HNA-Volontärin verbrachte einen Vormittag bei den Regentröpfchen im Kindergarten

Kissenschlacht und Dino

Erzieherin für einen Vormittag: Die „Regentröpfchen“ aus der Kindertagesstätte Rennertehausen hielten HNA-Volontärin Anne Stephanie Gratzke (Mitte) Kita ganz schön auf Trab. Foto: nh

Rennertehausen. Ich fühle mich wie in einem Puppenhaus. Alles ist klein und winzig. Kleine Stühle, kleine Tische, niedrige Küchenzeilen in den Gruppenräumen. Ja, selbst das Bad ist kindgerecht klein. Die Toiletten sind mini, und die Waschbecken reichen mir nur bis zu den Knien. Ich stehe im evangelischen Kindergarten „Die kleinen Strolche“ in Rennertehausen. Mein Auftrag: Erzieherin für einen Vormittag.

„So, du wirst heute in der Regentröpfchen-Gruppe aufpassen“, sagt Ulrike Amend, die Leiterin, und zeigt mir einen bunt eingerichteten Raum. Hier werde ich also den Tag verbringen. Kurz darauf erscheint Elke, die Gruppenleiterin der Regentröpfchen.

Ich entdecke einen kleinen Holztisch, an dem drei Mädchen malen. Unauffällig schleiche ich mich zu ihnen. Ich frage nach ihren Namen: Emilia, Medine und Ayleen. Okay: Merken – und bloß keinen verwechseln.

Die Drei zeigen mir eine Mappe, aus der ich mir ein Bild herausfische. Ich beginne es auszumalen – eine Ballerina mit Rosen auf dem Trikot. Irgendwann setzt sich ein Junge zu uns. Ihm läuft die Nase, aber ein Taschentuch möchte er nicht. Stattdessen will er lieber einen Dino ausmalen. Ausmalen lassen. Von mir. Die Farbe bestimmt aber er: Grün. Als ich eine andere Farbe nehmen möchte, greift er nach dem Buntstift. „Nein,“ ruft er. „Alles grün!“ Gut, alles grün.

Später sitze ich auf einer Couch und lasse mir von Jessica, Medine und Emilia ihre Ordner zeigen. Darin sammeln die Kindergärtnerinnen Fotos, Berichte, Bilder und Gebasteltes der Kinder. Am Ende der Kindergartenzeit dürfen sie diese zur Erinnerung mit nach Hause nehmen.

Bitten helfen nicht

In Ruhe kann ich mir die Werke von Jessica nicht ansehen, denn Julian und Joel toben stürmisch mit Kissen und Decken durch die Gegend. Meine Bitten und Mahnungen helfen nicht. Die Jungs wollen nicht zur Ruhe kommen und rufen im Chor: „Du bist gar keine echte Erzieherin. Du hast uns gar nichts zu sagen!“ Und schon landet ein großes Kissen in meinem Gesicht. Ich schnappe nach Luft und will gerade losmeckern, da trampeln die beiden schon lachend die Treppe hinunter und kümmern sich nicht weiter um das Chaos, das sie hinterlassen haben. Das darf ich jetzt machen.

Zusammen mit Marius räume ich auf. Kaum habe ich den Mädchen den Rücken zugedreht, fliegen Filzer, Buntstifte, Blätter und Tesafilmstreifen auf den Teppich.

Da ruft Elke von unten zum Morgensitzkreis. Die Kinder lassen alles stehen und liegen und laufen zu ihr.

In einem ziemlichen Durcheinander bleibe ich zurück. Tatjana und Jessica kann ich mühsam zum Aufräumen überreden. Begeisterung sieht anders aus. Letztlich lassen mich auch die beiden Mädchen allein und hüpfen zu den anderen.

Tja, angeschmiert, denke ich, stecke die Filzstiftkappen auf die Stifte, damit sie nicht austrocknen. Dann gehe ich zu den anderen, zum täglichen Morgensitzkreis.

Von Anne Stephanie Gratzke

Quelle: HNA

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