Frankenberg

Klangschatz mit langer Lebensdauer

- Frankenberg (md). Es sind die kleinen Unternehmen, die den großen Teil des Handwerks ausmachen. Manchmal sind es auch die kleinsten Betriebe, die die größten Werke bauen. Zu dieser Sparte gehört die Firma von Christoph Böttner aus Frankenberg.

Die Geschöpfe, die er baut, ragen schon mal mehrere Meter in die Höhe und füllen mit ihrem Klang selbst die größten Kirchen – Christoph Böttner ist Orgelbaumeister und sein Betrieb liegt, von außen durchaus etwas unscheinbar, in der Auestraße in Frankenberg. Innen erinnert die Werkstatt auf den ersten Blick an eine Schreinerei.

Doch schnell lässt sich erkennen, dass dort etwas ganz Besonderes geschaffen wird – ein Prädikat, das an den Orgelbau durchaus vergeben werden kann: Das Handwerk wird immer noch relativ selten ausgeübt, selbst wenn in dem Metier die Konkurrenz in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen ist. Außerdem ist es ein Handwerk mit einer Jahrhunderte alten Tradition, das eng mit der christlichen Welt verbunden ist. Und schließlich überdauert die handwerkliche Arbeit nicht nur viele Jahrzehnte, sondern sie schafft auch noch eine unvergleichliche Klangvielfalt, die Menschen zu den unterschiedlichsten Ereignissen begleitet. Über all das ist sich der Orgelbaumeister Christoph Böttner bewusst, denn er spricht über seinen Beruf und das Handwerk mit feiner Begeisterung. Die Werkstatt übernahm er 1995 von seinem Vater, der sie 1960 gegründet hatte. Der wiederum ist über den Großvater, der Kantor und Lehrer war, an die Kirchenmusik und damit zur Orgel gekommen, erklärte der 49-jährige Böttner gestern gegenüber Bürgermeister Christian Engelhardt und der Wirtschaftsförderin Evelyn Jacobs, die den Betrieb des Orgelbauers besuchten. Böttner bildet stetig aus; derzeit lernt eine junge Frau aus Willersdorf das anspruchsvolle Handwerk in seiner Werkstatt. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Früher sei vor allem der Neubau von Orgeln angesagt gewesen, inzwischen gehe es mehr um die Restaurierung älterer Orgeln. Oft erhalte er den Auftrag, Orgeln wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen, erklärt Böttner. Denn vor allem in den 1970er Jahren seien die Kircheninstrumenten in einer Art verändert worden, die inzwischen nicht mehr gern gesehen sei. Mitunter würden auch Orgeln, die eigentlich noch gut funktionierten, gegen neue ausgetauscht, weil die alten dem „zeitgenössischen Klanggeschmack“ nicht mehr entsprächen, sagt der 49-Jährige. Dabei haben Orgeln ihren Preis. So kostet eine dreiregistrige Orgel zwischen 15 000 und 20 000 Euro – und eine Orgel mit 44 Registern und rund 3000 Pfeifen, wie sie in der Frankenberger Liebfrauenkirche zu finden ist, schlägt mit einer halben Million Euro zu Buche. Vielfältig ist das Wissensspektrum, das in dem Beruf gefragt ist: Neben Kenntnissen über die verschiedenen Materialien wie Hölzer, Metalle, Filze und Leder müssen Orgelbauer auch Wissen in der Statik, Aerodynamik, Mechanik und Elektronik haben. Gut zu wissen ist auch, dass es in der in der katholischen und evangelischen Kirche eine unterschiedliche Orgelbautradition gibt, erklärt Böttner. Da sei es als Protestant gar nicht einfach, den Auftrag für eine „Katholische Orgel“ zu erhalten. Auch von Nord nach Süd verändere sich der Klanggeschmack. An einer mittelgroßen Orgel arbeitet er ein bis zwei Jahre – vom Entwurf über die Konstruktion, die Herstellung, die Gestaltung des Klangs und den und Aufbau der Orgel reicht das Aufgabenspektrum beim Orgelneubau. Selbst die kleinen Wippen und die unterschiedlich großen Holzpfeifen stellt er her; als Holz dient Französische Eiche, Fichte und Ahorn sowie heimische Obstbaumhölzer. Nur die Metallpfeifen (siehe Fakten) bezieht er bei einer Werkstatt, die sich auf den Pfeifenbau spezialisiert hat. Hat er eine Orgel neu gebaut, übernimmt er für sie eine Garantie von zehn Jahren, wenn er in der Zeit auch für die Pflege zuständig ist. Böttner hat derzeit für 80 Orgeln einen Pflegevertrag und stimmt auch die Instrumente – eine Arbeit, für die er mindestens einen Tag veranschlagen muss. Orgeln restauriert Böttner derzeit in Böhne, Hallenberg und Unterrosphe. Dabei sei jeder Auftrag speziell, denn jede Orgel habe einen eigenen Charakter. „Und wenn die Orgel fertig ist, dann ist jede von ihnen meine Lieblingsorgel,“ sagt Christoph Böttner.

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