Frankenberg

„Klartext reden, Tabus brechen“

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- Frankenberg (sr). Der bekannte Fernsehjournalist und Buchautor Peter Hahne sprach am Donnerstagabend vor 650 Zuschauern. „Klartext 
reden und Tabus brechen, nur die Wahrheit zählt“ lautet eine seiner zentralen Botschaften.

Der 58-jährige Theologe, Nachrichtenmoderator und Kolumnist fesselte­ die Zuhörer mit seiner Redegewandtheit, ausdrucksstarker Mimik, viel Humor und aussagekräftigen Thesen. 75 Minuten hörten alle gespannt zu und spendeten danach lang anhaltenden Applaus.

„Er hat recht“, sagten danach viele Besucher und sahen die gesellschaftlichen Probleme auf den Punkt gebracht. Mit dem Leitthema „Zwischen Zuschauer- und Stimmungsdemokratie – von welchen Werten leben wir?“ hatten Hahne und die Frankenberger Bank im Wahljahr 2011 eine aktuelle Entwicklung in den Mittelpunkt gerückt, die nach dem Erdbeben und dem Reaktorunglück in Japan viele Menschen auch im Frankenberger Land bewegt.

Hahne kritisierte, dass es vielen Menschen heute an Zielen, Programmen und Perspektiven mangele. „Wer weiß noch, wo er hinwill? Welche politische Partei weiß das noch?“ Die politische Halbwertszeit vieler Aussagen betrage heute keine Wahlperiode von vier Jahren mehr, sondern häufig nur noch vier Tage oder vier Stunden. „Es gibt keine Aprilscherze mehr, denn heute erleben wir alles“, sagte Hahne und nannte exemplarisch die Abschaffung der Wehrpflicht durch eine konservative Partei oder die FDP-Erklärung für den Atomausstieg.

Lediglich die Linken und die Grünen seien bisher ihrer Linie treu geblieben, so Hahne. Mit dem Verfall ideeller Werte wie Glaubwürdigkeit, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit gehe auch der Verfall materieller Werte einher. Hahne ging auf die Auswirkungen der Finanzkrise ein. „Wem können wir noch vertrauen, wer redet heute überhaupt noch Klartext?“, fragte der Journalist. Er freue sich, dass die Volks- und Raiffeisenbanken gestärkt aus der Krise hervorgegangen seien und durch ihre enge Verwurzelung in der Region eine andere Unternehmenskultur leben würden.

Vertrauen sei heute auch beim Einkauf von Lebensmitteln gefragt. Hahne verurteilte die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ und rief die Verbraucher auf, mehr auf Qualität zu achten. „Lebensmittel wirft man nicht weg“, sagte Hahne und kritisierte den Umgang mit der Nahrung, wofür jeder Bürger heute nur noch elf Prozent seines Einkommens ausgebe.

Mehr lesen Sie in der FZ vom Samstag, 09. April.

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