Kabarett-Duo „Ass-Dur“ bot beim Frankenberger Kulturring turbulente Show

Klassik mit Katzenschrei

Vorsicht, gleich klappt er den Klavierdeckel zu: Ein Kampf bis zum letzten Ton war das vierhändige Tastenspiel von Dominik Wagner und Benedikt Zeitner auf der Bühne der Ederberglandhalle in Frankenberg. Foto: Völker

Frankenberg. Sie spielen zweihändig, vierhändig, mit dem Staubtuch, mit dem Ellenbogen, mit was auch immer Klavier. Sie mischen in Tschaikowskys pompöses Klavierkonzert Nr. 1 ein banales „Happy Birthday“, lassen mit der Blockflöte die „Titanic“ untergehen, dazwischen wird gezaubert - die Gäste des Frankenberger Kulturrings erlebten mit dem Kabarett-Duo „Ass-Dur“ in der Ederberglandhalle einen respektlos grotesken, hochintelligenten musikalischen Comedy-Abend.

Dominik Wagner und Benedikt Zeitner, die sich beim Studium an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin kennengelernt haben, präsentierten sich dabei als fantasievolle, virtuose Pianisten, von denen man eigentlich gern noch ein bisschen mehr Musik gehört hätte. Aber die Comedy-Show, für die die jungen Künstler seit 2005 schon viele Kleinkunstpreise eingeheimst haben, forderte ihren Tribut, bis ins Kleinste inszeniert und nie dem Zufall überlassen.

Auch wenn das Publikum von ihnen nicht gerade nett behandelt wurde („Wer Frankenberg kennt, findet es überall schön…“), ließ es sich willig in Katzenschreie, Verzückungsrufe oder Pfeifmelodien einbinden. Den rosaroten Büstenhalter, der zur Begrüßung auf die Bühne fliegen sollte, hatten die Jungs vorsichtshalber selbst mitgebracht - ihre ganze Performance wirkte zeitweilig wie eine einzige große Parodie auf das Comedy-Genre.

Bei so viel Ambivalenz stockte manchmal der Atem, aber die Zuschauer fühlten sich bestens unterhalten. Während Benedikt Zeitler mit herrlich komischen Bel-Canto-Arien einen hochwissenschaftlichen Vortrag über „Meisterwerke des okzidentalischen Minnegesangs im perspektivischen Wandel temporärer kompositions-epochaler Perioden“ hielt, sackte Dominik Wagner gelangweilt und schlaff am Flügel zusammen. Ins elaborierte Gefasel knödelte er staubtrockene Witze, wenn er nicht gerade mal lässig nebenbei in die Tasten greifen musste; perfekt, versteht sich.

Das Duo machte aus „Richard Wagners Leitmotivtechnik“ einen Ritt durch die Klassik, aus einem Pfannkuchenrezept eine Pop-Ballade. Beethovens „Für Elise“ mündete in einen Tango oder Boogie Woogie, und auch seine Mondscheinsonate genoss bei Ass-Dur keinen Artenschutz.

Paradenummer des Abends war aber unbestritten ihr medienweit bekanntes großes Klavier-Medley, bei dem beide sich auszuziehen, umziehen und wieder anziehen, dabei immer die Hände auf den Tasten. Da spielte Dominik Wagner dann schon mal auf dem Rücken liegend über Kopf - ein Jackett und Socken flogen ins Publikum. Es gab dafür am Ende kräftigen Beifall, keine Zugabe, aber CDs und Autogrammkarten am Ausgang. Und eine Finanzberatung: „Sie können den Abend als Fortbildungsveranstaltung steuerlich geltend machen!“

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare