Frankenau

Dr. Klaus Werner: Frankenau, Indonesien, Oberlausitz

- Frankenau/Löbau (apa). Der gebürtige Frankenauer Professor Dr. Klaus Werner hat mit Kernphysik angefangen – heute liegt sein Schwerpunkt auf Interkulturalität. An der Hochschule Zittau/Görlitz unterrichtet er als Honorarprofessor.

Ein gebürtiger Frankenauer unterrichtet an der östlichsten Hochschule Deutschlands Studierende in „Interkulturalität“. Prof. Dr. Klaus Werner hat einige Disziplinen durchlaufen, bevor er diesen Themenschwerpunkt erreichte: Angefangen hat er als Kernphysiker. Klaus Werner ist in der Wesemühle bei Frankenau aufgewachsen, die heute ein Seniorenzentrum ist. Nach dem Abitur studierte er in Bochum Physik und promovierte auf dem Gebiet der Festkörperphysik. Er arbeitete jahrelang für die Kernkraftforschung in Jülich und war dann in Indonesien tätig. „Bis heute ist das meine zweite Heimat, nach Frankenau“, sagt der Honorarprofessor im Gespräch mit der FZ. In Indonesien betreute Werner den Aufbau eines Kernreaktors. In seiner Funktion als Projektleiter bildete er sich weiter, erfuhr etwas über das Delegieren und Mitarbeiterführung. Nach fünf Jahren habe er festgestellt: „Das kann ich auch allein.“ Er machte sich als technischer Berater selbstständig und beriet noch lange Zeit die indonesische Atombehörde. Seine neue Tätigkeit als beratender Ingenieur in der Kernenergie brachte nicht genug ein, um davon leben zu können. Deshalb weitete er seine Beratertätigkeit aus. „Ein Physiker, ein Naturwissenschaftler lernt, komplexe Probleme kennenzulernen, zu analysieren und sie zu lösen“, beschreibt Prof. Klaus Werner. Dabei spiele es keine Rolle, ob es sich um physikalische Probleme oder solche zum Arbeitsmarkt handelt. Er arbeitete in den USA und in Südfrankreich, wo er auch einige Zeit lebte, erweiterte seine Fachgebiete und baute ein Netzwerk mit anderen Wissenschaftlern auf.

Durch ein Missverständnis habe es ihn nach Ostsachsen verschlagen, erzählt Klaus Werner: Zur Zeit der Wende hielt er einen Vortrag über Männer und Frauen in der Wirtschaft und deren unterschiedliche Führungsstile. Das hörte jemand, der ihn nach Sachsen bat in dem Glauben, Werner würde 20 000 Frauen aus der Textilbranche, die ihren Arbeitsplatz verloren hatten, wieder in Stellen vermitteln. Doch der Frankenauer setzte einen anderen Schwerpunkt und sprach mit den Frauen über Motivation, Selbstwertgefühl, die Bedeutung des Individuums – „das waren völlig neue Ansichten für die Frauen“, erinnert er sich. Der gebürtige Frankenauer baute in Sachsen ein kleines Bildungsinstitut auf. Er fand Gefallen an der Arbeit mit Menschen. „Physik heißt, sich mit Teilchen zu beschäftigen. Sie verhalten sich immer gleich“, beschreibt Klaus Werner. „Das ist bei Menschen anders, viel komplexer. Man erntet Anerkennung und Dank für seine Arbeit, und manchmal auch Kritik.“ Auch privat erfreut sich Werner an ganz anderen Themen: Er ist im Kunstverein aktiv und spielt Klavier. Seit 13 Jahren unterrichtet er an der Hochschule Zittau/Görlitz. Kreativitäts- und Kommunikationstraining waren seine ersten Fächer. Mittlerweile liegt sein Schwerpunkt in der interkulturellen Allgemeinbildung. „Man kann andere nicht verstehen, wenn man nicht etliche Male in deren Mokassins gelaufen ist“, zitiert Werner ein indianisches Sprichwort. In seinen Vorlesungen spricht er über Grenzen, über Kulturen und Zugehörigkeiten, über Denkweisen und Werte. Dabei bringt er immer wieder Erfahrungen aus seinen eigenen Auslandsaufenthalten ein.

Seit einige Aussagen von Thilo Sarrazin über Integration und Kulturen deutschlandweit kontrovers diskutiert werden, sind seine Vorlesungen überfüllt. Die langjährige Zusammenarbeit würdigte die Hochschule nun mit der Berufung zum Honorarprofessor. Viele Jahre lang habe er wenig mit Frankenau zu tun gehabt, sagt der 61-Jährige. Doch mit fortschreitendem Alter besinne er sich auf seine Wurzeln zurück. Er sei wieder öfter zu Besuch im Kellerwald gewesen und habe sogar schon darüber nachgedacht, sich ein Ferienhäuschen dort zu kaufen.

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