HNA-Serie „Faszination Oldtimer“

Ursula Czekala aus Holzhausen hegt und pflegt einen Fiat 500R Berlina

Klein, aber fein: Ursula Czekala aus Holzhausen grüßt aus ihrem Fiat 500R Berlina durchs geöffnete, textile Schiebedach. Das Auto ist Baujahr 1975.
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Klein, aber fein: Ursula Czekala aus Holzhausen grüßt aus ihrem Fiat 500R Berlina durchs geöffnete, textile Schiebedach. Das Auto ist Baujahr 1975.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben zunehmend Oldtimer aus, auch in unserer Region. In der neuen HNA-Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren betagten, aber charmanten Fahrzeugen vor.

Holzhausen – Eine Schwäche für kleine Autos hatte Ursula Czekala schon immer. „Als junge Frau hatte ich bereits einen Fiat 500. Als ich dann schwanger wurde, haben mein Mann Claus und ich den Wagen aber gegen einen sicheren Ford Fiesta eingetauscht. Es erhöhte die Chancen, das ungeborene Kind nicht während der Fahrt durch ein Schlagloch zu verlieren“, erinnert sich die heute 70-Jährige aus Holzhausen.

Nun, das Kind wurde geboren, eine Tochter. Sie wurde groß, heiratete – und der Schwiegersohn teilte auch die Liebe zu Oldtimern mit den Schwiegereltern. Und zu dem kleinen Fiat 500R Berlina, Eigentum von Ursula und Claus Czekala seit dem Jahr 2009. „Der Wagen wurde 1975 gebaut und hatte auf Sizilien vier Vorbesitzer im selben Dorf. Im Jahr 2000 wurde er abgemeldet und stand dort jahrelang in einer Garage. Wir waren schon lange auf der Suche nach solch einem Pkw. Bei einem Autohändler in Erlangen – der diesen Wagen inzwischen erworben hatte – wurden wir fündig und kauften den Fiat“, beschreibt Ursula Czekala die Vorgeschichte des Oldies.

Farbtupfer: Eine liebevolle Dekoration am Armaturenbrett sorgt für besondere Atmosphäre.

Seitdem hat das knuddelige Fahrzeug an 21 Oldtimerrallyes teilgenommen – darunter die Arnsberg-Klassik, die Vulkanausfahrt bei Schotten, die Coppa di Insalata in Konstanz sowie die Oldtimer-Trophy in Frankenberg.

Eine Urlaubsfahrt zum Gardasee hat das Auto auch gut überstanden. Und die Besitzer. „Drei Tage haben wir für die Hinfahrt benötigt. Dann tat uns das Kreuz weh, und wir brauchten eine Fahrpause“, sagt Ursula Czekala.

Viel Komfort bietet der blaue Fiat 500R Berlina nicht, eigentlich gar keinen. Und über viel Stauraum verfügt er auch nicht. So war es denn kein Wunder, dass für den Gardasee-Urlaub nur das wirklich Allernotwendigste eingepackt wurde. Quasi jede Ritze wurde mit Koffern und Taschen gefüllt.

Während der Fahrt war an Unterhaltung zwischen Fahrer und Beifahrerin nicht weiter zu denken. „Die Geräusche von außen waren viel zu laut“, erinnert sich Ursula Czekala. Und das, obwohl das Wägelchen gerade mal mit 90 km/h bewegt wurde.

Weit gereist: Aufkleber an den Fensterscheiben zeugen von ausgiebigen Ausfahrten.

Letztlich handelt es sich hierbei um eine Cabrio-Limousine: Der Fiat 500 verfügt über ein textiles Schiebedach. Da drang auch so manches zornerfüllte Hupen eines überholenden Lkw 1:1 in den Innenraum: „Besonders auf italienischen Autobahnen haben wir diese unangenehme Erfahrung gemacht.“

Nichtsdestotrotz: Die 70-Jährige hat viele schöne Erinnerungen an die vielen Touren mit dem kompakten Fiat im In- und Ausland. Diese Erinnerungen sind nach dem Tod ihres Mannes Claus im April 2019 jetzt besonders intensiv. Für sie war seinerzeit sofort klar, dass das Fahrzeug nicht verkauft wird. „Zum einen, weil mein Mann sich mit Herzblut um den Wagen gekümmert hatte, zum anderen, weil ich von jeher diesen Fahrzeugtyp liebe. Außerdem hat sich durch den Fiat ein netter Freundeskreis in der Oldtimerszene gebildet“, schildert Ursula Czekala.

Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h steht zwar auf dem Tacho, maximal 90 sind realistischer.

Allerdings musste sie sich rasch mit den Lenk- und Fahrgewohnheiten des Oldtimers anfreunden, „denn bis zum vergangenen Jahr war ich ausschließlich Beifahrerin – das allerdings mit Begeisterung“. Gesagt, getan: Nach einigen Kurzstrecken hatte sie den Fiat im wahrsten Sinne des Wortes im Griff: „Das ist ja nun auch kein Hexenwerk.“ Jetzt genießt sie die entschleunigende Wirkung, wenn sie mit ihrem Kleinen gemächlich durch die Landschaft rollt.

Ursula Czekala hofft, ihren Fiat 500 noch lange auszufahren: „Solange wir beide können, gehen wir gemeinsam auf Tour.“ 77 390 Kilometer hat der kleine Italiener inzwischen auf dem Buckel. Sie hegt und pflegt ihr automobiles Schätzchen. Jüngst wurde eine neue Lenkstange eingebaut. Auch wenn das Ein- und Aussteigen bei diesem engen Auto selbst für Jüngere nicht ganz so einfach ist, gilt für die 70-jährige Oldtimer-Fahrerin: „Wenn ich erst mal drinsitze und fahre, sind alle Strapazen vergessen!“

Schöne Straßen und tolle Aussichten am Bodensee

Das Ehepaar Czekala hat viele gemeinsame Touren mit dem kleinen Fiat unternommen. Claus Czekala hatte darüber Aufzeichnungen angefertigt. Beispielsweise auch von der Teilnahme an der Coppa di Insalata im Jahr 2013. Aus diesem Bericht zitieren wir auszugsweise:

„Das frühe Frühjahr 2013 war nass, kalt und mehr als unerfreulich. Sehnsüchtig warteten meine Frau und ich auf schöne Frühjahrstage, um unseren 500R aus dem Winterschlaf aufzuwecken und mit offenem Verdeck die erste Ausfahrt in Angriff zu nehmen.

Zufällig fanden wir im Veranstaltungskalender einer Oldtimer-Zeitschrift einen Hinweis auf eine Oldtimerausfahrt am Bodensee, die Coppa di Insalata. Die Ausfahrt sollte am 1. Mai stattfinden. Wir nahmen telefonischen Kontakt zum Veranstalter auf. Wir erfuhren, dass die Veranstaltung auf 80 Fahrzeuge begrenzt sei, aber für einen Fiat 500 immer ein Plätzchen zur Verfügung stehen würde. Es sei eine Genussausfahrt, ohne Stress und mit Hauptaugenmerk auf die schöne Bodenseelandschaft und Bergwelt. Das war genau das, was wir und der Fiat nach der Winterpause brauchten.

Am 29. April 2013 fuhren wir bei + 5° C in der Frühe auf eigener Achse Richtung Bodensee, wo wir in Meersburg Quartier gebucht hatten. Je weiter wir in Richtung Süden fuhren, umso wohliger wurde das Befinden. Die Natur schien zu explodieren und gipfelte in einen Blütenrausch in den Obstgärten der Bodenseeregion.

Den Namen erhielt die Oldtimer-Orientierungsfahrt bei ihrer Gründung von der Gemüseinsel und Unesco-Weltkulturerbe Reichenau. Die im Untersee gelegene Insel war nun schon zum achten Male die Kulisse der Coppa di Insalata.

Am 1. Mai fuhr der Fiat bei leichtem Morgennebel auf die erste Fähre nach Konstanz, um pünktlich den Benediktiner Platz in Konstanz zu erreichen.

Nach und nach trafen die Protagonisten mit ihren Fahrzeugen ein. Vom Goggomobil bis zum PS-starken Cadillac war alles vertreten, und natürlich auch einige Cinquecento und Topolino.

Die Strecke wurde in zwei Etappen geteilt: 117 Kilometer bis zum Mittagessen und weitere 90 Kilometer bis zum Ziel, dem Benediktiner Platz in Konstanz.

Die Ausfahrt war großräumig um den Bodensee angelegt. Von Konstanz ging es Richtung Schweiz, über die Oberschwäbische Barockstraße, dem Appenzeller Land, den Ausläufern des Vorarlberg in den Bregenzer Wald.

Im Bregenzer Wald führte die Strecke über Bergstraßen bis auf eine Passhöhe von 1140 Metern über Normal-Null. Eine Herausforderung für den Fiat-Motor und die Bremsen. Wir zuckelten mit 40 bis 50 km/h die Berge rauf und wurden natürlich von den Fahrern der PS-starken Oldtimer mit mitleidigem Lächeln überholt.

Aber dann war das mitleidige Lächeln auf unseren Gesichtern, als wir sehr viele Fahrzeuge mit Wasserkühlung, die uns vorher forsch überholten, am Straßenrand mit aufgestellter Motorhaube stehen sahen, damit sich die Fahrzeuge die gute Bergluft gönnen konnten!

Große Probleme hatten auch die Cadillacs bei den Talfahrten. Die Bremsen waren für die Gefällstrecken bis 19 Prozent zu schwach, und die Fahrer hatten Mühe, die schweren Fahrzeuge zu verzögern. Alles keine Probleme für unseren Fiat 500!

Weiter führte die Ausfahrt auf der deutschen Seite des Bodensees nach Meersburg, von dort mit der Fähre nach Konstanz und weiter zum Zielpunkt Benediktiner Platz.

Die Veranstalter hatten nicht zu viel versprochen; wir fuhren auf schönen Landstraßen, durch kleine Orte, über Bergstraßen mit tollen Aussichten und sahen wechselnde Landschaften.“

Übrigens: Drei Jahre später nahm das Ehepaar Czekala erneut an einer Coppa di Insalata teil – und belegte den ersten Platz!

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