Der frühere Dorflehrer und Rektor Ernst Ebel sieht Vorteile für Unterricht im Dorf

„Kleine Schulen erhalten“

Im Stuhlkreis: Lehrer Ernst Ebel (Mitte links) hat von 1947 bis 1955 in Laisa unterrichtet und auch im Dorf gewohnt. Der Klassenraum der damaligen Schule, die 1950 gebaut wurde, ist heute der Thekenraum des Laisaer Dorfgemeinschaftshauses. Archivfoto:  nh

Battenberg. Ernst Ebel verfolgt die Schulpolitik in Waldeck-Frankenberg noch sehr aufmerksam in den Zeitungen. „Die kleinen Schulen sollte man erhalten“, sagt der 93-Jährige, der früher auch Kreistagsvorsitzender war. Der Unterricht im Dorf habe viele Vorteile für die jungen Schüler, findet er: Sie werden in ihrer Heimat groß, lernen ihr Dorf kennen und werden nicht überanstrengt. Und noch ein Vorteil: „Das Dorf behält seinen Lehrer.“

„Wenn Schüler Probleme hatten, ist der Dorflehrer in die Häuser gegangen, weil er die Eltern kannte“, berichtet Ebel. „Das war ein richtiges Miteinander, heute ist das ein großer Mangel.“ Die großen Schulen sieht er als „Brutstätten für Ungehörigkeiten: In der einen Ecke wird geraucht, in der anderen schlagen sie sich. Das ist in einer großen Schule nicht alles zu erfassen“, sagt Ebel, der als Rektor einst die Burgwaldschule mit mehr als 1000 Schülern geleitet hat. Lehrer sind auch in Psychologie ausgebildet worden. „Heute sind Sozialarbeiter notwendig, die können auch nicht mehr tun als einzureden: ’Werd ein anständiger Kerl’“, sagt Ebel. „Man sollte dafür Lehrer einstellen.“

Ab zwölf Schülern eine Schule

Bis Anfang der 60er-Jahre gab es fast in jedem Dorf mit mindestens zwölf Schülern eine Schule, sogar in Lindenhof und Neuludwigsdorf. In Laisa, seiner ersten Station, war Ebel zeitweise allein für 55 Schüler zuständig. Wie er das gemacht hat? „Ich hatte ein Helfersystem: Gute ältere Schüler haben die jüngeren in einem Nebenraum bei ihren Aufgaben beaufsichtigt. Das hat funktioniert, aus allen ist was geworden“, sagt der 93-Jährige. Die Klassen 5 bis 8 begannen ihren Unterricht morgens um acht, die Grundstufe 1 bis 4 kam um elf dazu. Zwei Mal pro Woche gab es nachmittags Unterricht, und Ebel führte eine tägliche Bewegungszeit ein, die von einem Mediziner überwacht wurde.

„Das alles bedurfte einer intensiven Vorbereitung“, erzählt Ebel. Während die Älteren zum Beispiel Schulfunk hörten und danach einen Bericht darüber schreiben musste, hat er die Jüngeren unterrichtet. „Das war ein ewiges Arbeiten nach der Uhr.“ Für die Laisaer Schule, die heute zum DGH gehört, ließ er extra Gruppentische anschaffen, um viel in Gruppen arbeiten lassen zu können.

„Wir müssen aufhören, die Strukturen zu verändern, sondern die Bildungsinhalte einheitlich gestalten.“

Ernst Ebel

Der 93-Jährige weiß selbst, dass vieles von damals längst überholt ist. „Wir leben in einer wandelnden Welt, und ich will kein alter sturer Bock sein, der vor 70 Jahren stehen geblieben ist“, sagt er. „Wir müssen aber endlich aufhören, die Strukturen von Schule zu verändern, sondern die Bildungsinhalte einheitlich und sauber gestalten.“ Er fordert deshalb auch eine bessere Lehrerausbildung, denn die Lehrer seien schließlich maßgebend für das, was im Unterricht geboten werde.

Wenn Schüler Stress hätten, liege das nicht daran, dass sie von der Schule überfordert, sondern dass sie den Anforderungen nicht gerecht würden. „Alle wollen, dass ihr Kind aufs Gymnasium geht, das ist falsch. Daran scheitern viele“, sagt Ebel. „Besonders bei der zweiten Pflichtfremdsprache.“

Von Jörg Paulus

Quelle: HNA

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