Frankenberg veranstaltet Ideenwettbewerb

Knaggen-Geschichten sind gefragt

Frankenberg - Die Figuren auf den Knaggen am historischen Rathaus haben keine Geschichte - zumindest keine bekannte. Es gibt nur Theorien über deren Bedeutung. Deswegen sucht die Stadt jetzt kreative Geschichten rund um die Figuren und lobt dafür einen Wettbewerb aus.

„Mit den Knaggen haben wir in Frankenberg ein richtiges Kleinod“, sagte Bürgermeister Rüdiger Heß. „Die wollen wir aufgreifen und suchen Geschichten über diese Knaggen mit einem Bezug zu der Stadt.“ Die Bürger sind nun dazu aufgerufen, sich solche Geschichten auszudenken, den Figuren vielleicht sogar Namen zu geben und ihre Ideen als Kurzgeschichte aufzuschreiben.

Eine Jury, die sich aus Heß, Silvia Fries Nadine Lauterbach, Pfarrer Wittekind und Vertretern der Presse, des kaufmännischen Vereins und einer Stadtführerin zusammensetzt soll dann die Entscheidung fällen. Für die besten drei Kurzgeschichten hat die Stadt Geldpreise ausgelobt: Der Autor der besten Geschichte bekommt 150 Euro, für den zweiten gibt es 100 und für den Drittplatzierten 50 Euro.

Figuren tragen Obergeschoss

„Wir wollen die Bevölkerung mitnehmen und die Ideen unserer Bürger aufgreifen.“ Der Bürgermeister möchte an der Darstellung der Stadt nach außen arbeiten: In den vergangenen Jahren sei viel Positives passiert. Aber Frankenberg solle auch in Zukunft etwas darstellen. Die Stadt präsentiere sich etwa über die Gebrüder Grimm. Aber sie habe auch viele eigene Besonderheiten, über die sie sich definieren könne - viele Kleinigkeiten, auf die im Alltag niemand so genau achte.

Wie etwa die Knaggen, die das Obergeschoss des historischen Rathauses stützen. Sie sind über den Köpfen der Menschen, stützen das vorragende Obergeschoss über den beiden Türen und am Turm.

Wer genau hinschaut, entdeckt kunstvoll geschnitzte Figuren. Jeweils zwei Figürlein tummeln sich auf einer Knagge - wie die Stütze am Fachwerkgebäude genannt wird - die eine trägt die andere Huckepack. Deswegen werden die Frankenberger Knaggen-Figuren aus der Hand von Philipp Soldan auch gerne als „Huckepack-Figuren“ bezeichnet.

Heß verglich die Knaggen ein wenig mit dem Mannekin Pis in Brüssel. „In ganz Europa ist diese Figur bekannt, jeder weiß, wie sie aussieht. Aber eigentlich ist sie ganz klein und kaum einer würde sie ohne Stadtplan finden.“ Vielleicht sei dies ein kleines Vorbild und die Stadt könne ihre Knaggen bekannter machen und mit dem Stadtbild verknüpfen. Schließlich gibt es auch Städte, die markante Bilder, besondere Eigenheiten eben, als Bild auf Schokoladentafeln verkaufen. Etwas, dass ein Frankenberger oder ein Tourist als Mitbringsel kauft. „Wieso sollten wir da nicht vielleicht auch so etwas mit den Frankenberger Knaggen machen?“

Fries erinnerte daran, dass Frankenberg Mitglied der Märchenstraße sei. Die Mitgliedsstädte hätten eigene Märchen, Sagen oder Legenden als Symbol. „Ein Märchen haben wir nicht und wir wollten der Stadt keins aufdrückten“, erklärte sie. So sei die Idee entstanden, eine Geschichte zu den Knaggen zu erfinden. Nicht völlig frei - vielleicht auf Basis des Wissens, das es um die Figuren gibt.

Etwa, dass sie im 16. Jahrhundert geschnitzt wurden. Sie zeigen eine Christopherus-Figur mit dem Jesusknaben auf den Schultern, einen jungen Mann, der einen alten Bärtigen trägt und einen Flöte spielenden Narren auf den Schultern eines weiteren jungen Mannes.

Kostüme und Namen

Die Figuren habe die Stadt bereits grafisch umsetzen lassen. Nun fehlt noch eine spannende Geschichte oder eine die Gefühle erregt. Damit möchte die Stadt die Knaggen bewerben und auf sie aufmerksam machen. „Vielleicht können wir auch Kostüme machen und die neue Geschichte nachspielen lassen“, sagte Fries.

Die Stadt setzte laut Heß nun auf den Ideenreichtum ihrer Bürger: „Es ist schön, wenn die Frankenberger sich mit ihrem Rathaus identifizieren.“ Die Geschichte müsse nichts Großes sein, sondern etwas Schönes.

Die Geschichten zu den Frankenberger Knaggen können bis zum 10. Oktober eingereicht werden bei der Stadt Frankenberg, zu Händen von Nadine Lauterbach unter dem Stichwort „Geschichte für die Knaggen“, Obermarkt 7-13 in Frankenberg oder per Mail an lauterbach.nadine@frankenberg.de.

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