Komödie Frankenberg feierte mit "Die seltsame Gräfin" Premiere

Lichtblicke in düsterer Schlossatmosphäre: Das gut aufeinander eingespielte Ensemble der Komödie Frankenberg sorgte auf der Bühne im Atrium der Ortenbergschule bei allem Grusel auch für viele selbstironische, parodistische Momente, hier beim Auftritt von Lady Veronica Shaddles (Renate Goebel).

Frankenberg. Die Komödie Frankenberg bot bei der Premiere von „Die seltsame Gräfin“ eine Inszenierung voller Finten und starker Charaktere. 

Gleich wenn der Vorhang aufgeht, ertönt die blecherne Lautsprecherstimme: „Hallo, hier spricht Edgar Wallace!“. Dazu gibt es Radiomusik aus den 1960er-Jahren zu hören, als die Filme des englischen Krimi-Meisters Kult waren. Und schon sind damit auf der Bühne der Komödie Frankenberg die Zuschauer mittendrin in der ebenso spießigen wie morbiden Welt eines englischen Schlosses, in der „Die seltsame Gräfin“, so der Titel des Stücks, ihr straffes Regiment führt und „alle etwas auf dem Kerbholz haben“.

Mehrere hundert Zuschauer erlebten am Wochenende zwei Aufführungen eines Wallace-Krimis, dem die Laienschauspieler mit der Regiehandschrift von Harald Hörl ihre eigene, originelle Theaterfassung gegeben haben. Da blitzte und knisterte es nur so von Einfällen mit Geheimtüren im Bücherregal, drohenden Stimmen aus dem Nichts, Mordversuchen und Ohnmachten, Haarnadeln zum Fessellösen, scheinbar Guten und offensichtlich Bösen. Und natürlich umgekehrt. Die Spannung hielt bis zum Schluss – als sich ein fein verhäkeltes Familienkomplott endlich auflöste.

Ein Wechselbad der Gefühle muss die junge, bedrohte Privatsekretärin Margret Reddle (ausdrucksstark: Julia Balz) bei ihrer neuen Arbeitgeberin, der strengen Lady Moron (Sabine Eckel), aushalten. Da wird eine ehemalige Zuchthäuslerin als liebenswerte Köchin eingestellt (Gabriele Heinz), Hausarzt Dr. Tappatt (Harald Rudolph) greift verdächtig schnell zur Beruhigungsspritze, ein unheimlicher, weil sprachloser Hausmeister (Holger Kraus) schleicht durchs Schloss.

Fröhliche „gute Geister“

Erfrischend fröhlich und angstfrei die Gegenfiguren: Karlheinz Balz als Theater-Fanatiker Selwyn Moron, Karl-Willi Hirth als listig-amouröser Verlobter der Gräfin, Renate Goebel als kunst-schwadronierende Lady Shaddles mit ihrem eleganten Gatten im Schlepp (Hans-Peter Höhl), Nadine Oberender als charmante Lizzi Smith und Gabriele Giugno als ältliche, aber beherzte Cousine der Gräfin. Dazwischen turteln verliebt, aber mit kriminellem Tatendrang Hausmädchen Emily (Jana Rühle) und Butler John (Maximilian Kaletsch). Wenigstens auf die „guten Geister“ des Schlosses, Hausdame Agatha (Renate von Wintzingerode) und Chauffeur Bob (Heinrich Balz) können sich die Zuschauer verlassen. Oder doch nicht?

Die Inszenierung der Frankenberger Komödie lebt von diesen Unsicherheiten, plötzlichen Umkehrungen und parodistischen Brechungen. Die Zuschauer reagierten bei der Premiere mit vergnügtem Zwischenapplaus auf originelle Regieeinfälle, Lichteffekte und ausgeprägte Charaktere, egal ob gut oder böse. Am Ende lag Doktor Tappat tot auf dem Sofa. Oder lebte er vielleicht doch noch? Wird nicht verraten. Was verraten wird: Es gab jubelnden Beifall am Premierenschluss für alle Beteiligten.

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