Mehr zum Thema: Angst vor Ansteckung bleibt – Anzeige wegen Körperverletzung

Den Kopf nicht hinhalten

Stellten sich den Fragen: (v.l.) Schäfer Holger Backhaus, die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes Dr. Hannelore Wendt, Bettina Elsner vom Veterinäramt, Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf, Bürgermeister Björn Brede, Thomas Tönges von der Stadt, Anwalt Peter Glatzl. Fotos: Lammel, Krähling

Frankenau. Bei der Informationsveranstaltung zum Q-Fieber am Mittwochabend in der Frankenauer Kellerwaldhalle herrschte eine konzentrierte Atmosphäre.

Die gut 100 Teilnehmer teilten die Sorge um ein Gesundheitsrisiko durch die aus einer infizierten Herde stammenden Schafe, die in der Nähe von Frankenau untergebracht wurden. Viele äußerten sich empört über die Machtlosigkeit von Politik und Bevölkerung gegenüber der nach ihrer Meinung rigoros durchgesetzten Verfügung, die Tiere in den Ort am Kellerwald zu bringen. Dementsprechend sorgte die Nachricht, dass der Rest der 1200 Schafe großen Herde zum Überwintern nachfolgen werde, für Unmut.

„Ich bin nicht bereit, einen möglichen Krankheitsfall einfach hinzunehmen und den Kopf hinzhalten“, erklärte Friedhelm Keute.

Werner Schelberg kritisierte, er habe nur „von Briefen, die von Stadt und Landkreis verschickt wurden“ gehört und frage sich, „ob alle rechtlichen Mittel genutzt wurden.“ „Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft“, teilte Jens Deutschendorf mit. Anwalt Glatzl erklärte, nur der Schäfer Holger Backhaus hätte einen Widerspruch gegen die Verfügung, die Tiere nach Frankenau zu transportieren, einlegen können.

„Schäfer trifft keine Schuld“

Damit stand der Schäfer, den nach Aussage von Veterinäramt, Stadt und Landkreis keinerlei Schuld an der Situation trifft, erneut im Mittelpunkt der Diskussion. Erwägungen, Backhaus mit Spenden aus der Bevölkerung finanziell bei einem Gerichtsprozess zu unterstützen, zerstreuten sich aber schnell. „Ich kann meine Schafe nicht zurückbringen, der Stall in Herborn ist zu klein für die Herde“, erklärte der Schäfer.

Dann solle er die überschüssigen Tiere verkaufen, forderten Teilnehmer der Diskussion. Doch der Wanderschäfer lebt von den Tieren: „Das sind meine Zuchtschafe, ich habe lange dafür gearbeitet“, entgegnete Backhaus, der nicht verstehe, warum er als Sündenbock dargestellt werde. „Meine Familie ist doch auch betroffen, meine Frau ist schwanger und damit hochgefährdet“, sagte Backhaus.

Auf die Frage, warum der Viehtransporter bei seiner Ankunft nicht verschlossen war, sagte er: „Die Tiere wären in erstickt. Das hätte hier vielleicht manchem gefallen, mir aber nicht.“ Schließlich betonte er: „Wenn ich etwas tun kann, um die Sache ins Lot zu bringen, sage ich nicht nein.“

Am Morgen nach der Veranstaltung stellten die Frankenauer Hilmar Werner und Alexander Kaufmann Stranfanzeige gegen das Regierungspräsidium Darmstadt und das Sozialministerium.

„Wegen fahrlässiger versuchter Körperverletzung“, sagte Werner. Nun rufen beide die Bevölkerung auf, die Anzeige mit Unterschriften zu unterstützen.

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Von Sebastian Lammel

Quelle: HNA

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