Arbeitskreis der Wirtschaft für Kommunalfragen (AFK) nimmt mit Bäcker Müller 100. Mitglied auf

Die kraftvolle Stimme der Wirtschaft

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AFK-Geschäftsführer Achim Schnyder und Klaus Gantner (rechts), Vorsitzender des Frankenberger Arbeitskreises der Wirtschaft für Kommunalfragen, statteten Hans-Georg Müller in Ernsthausen einen Besuch ab. Bäcker Müller ist das 100. Mitglied des AFK, des he

Frankenberg - Der AFK versteht sich als Partner der Politik, als Antwortgeber bei wichtigen Zukunftsfragen und als Interessenvertreter der Wirtschaft im Frankenberger Land. Und aus der Entwicklung der Mitgliederzahl zieht der Arbeitskreis der Wirtschaft für Kommunalfragen die Berechtigung, „mit kraftvoller Stimme unsere Meinung zu sagen“, sagte Vorsitzender Gantner.

1974 gegründet, hat der Frankenberger Arbeitskreis allein in den vergangenen zehn Jahren seine Mitgliederzahl um ein Drittel gesteigert: auf aktuell 101, die aus Industrie, Handel, Handwerk, Dienstleistung und freien Berufen kommen und insgesamt knapp 10 000 Menschen im Frankenberger Land beschäftigen. „Wir sind sehr glücklich über diese positive Entwicklung, die uns in unserer Arbeit bestärkt“, betonte Klaus Gantner beim Pressegespräch bei Heinz-Georg Müller in Ernsthausen, der als 100. Mitglied aufgenommen wurde. „Es freut uns besonders, mit Bäcker Müller ein großes Handwerksunternehmen im AFK begrüßen zu können.“

Der AFK verstehe sich als Interessenvertretung der gesamten Wirtschaft und nicht nur einzelner Branchen. „Egal, ob es um den Fachkräftemangel, die Verkehrsinfrastruktur oder die Aus- und Weiterbildung geht, wir sitzen alle in einem Boot und müssen gemeinsam nach Lösungen und gangbaren Wegen für unsere Probleme suchen“, so Gantner.

Ortsumgehungen bauen

Diese Themen sind auch in den Zukunftsüberlegungen von Geschäftsführer Heinz-Georg Müller bedeutend. 1929 von seinem Großvater gegründet, arbeiten heute mehr als 300 Mitarbeiter am Stammsitz in Ernsthausen oder in einer der 50 Filialen von Bäcker Müller: zwischen Frankenberg im Norden, Hallenberg im Westen und Gießen im Süden. Der Expansionskurs, Ende der 90er Jahre wurden 35 Filialen im Süden übernommen, sei für die Entwicklung unumgänglich gewesen. „Ernsthausen mit seinen etwas mehr als 1200 Einwohnern ist einfach zu klein, um davon als Bäcker leben zu können.“ Zwei mal täglich werden die Filialen angefahren: pro Tag legen die 13 Fahrzeuge 2500 Kilometer zu-rück. Mit den Geschwindigkeitsmessanlagen in Richtung Süden und Tempo 30-Zonen hätten sich die Fahrer arrangiert. Durch die vierspurige Bundesstraße hinter Marburg „wird der Zeitverlust etwa ausgeglichen“. Gleichwohl ist Müller ein Verfechter der Umgehungen zwischen Cölbe und Frankenberg.

Im Konsensverfahren

Den Ausbau bezeichnete auch Gantner als eines der zentralen Anliegen des Arbeitskreises. Für Cölbe liege das Baurecht vor, allerdings klagt der NABU. „Wir müssen versuchen, dass es keine langen gerichtlichen Auseinandersetzungen gibt“, sagte der Vorsitzende. Auch die Themen Tempo 30 und 13 Blitzer müssten noch mal auf die Agenda gehoben werden. „Das wirft kein gutes Bild auf die Region.“ Dass der AFK durch seine Mitsprache zu sinnvollen Ergebnissen beitrage, beweist der Spatenstich zum Ausbau der B 253 zwischen Ludwigshütte und Eifa über die Sackpfeife. „Im Konsensverfahren konnte durch den Dialog mit den Trägern öffentlicher Belange Baurecht erwirkt werden, ohne Planfeststellung.“ Dieser Vorgang sei einmalig. Der AFK sei HessenMobil dankbar, die Interessen der Wirtschaft in diese Überlegungen einbringen zu dürfen.

Bundesverkehrswegeplan

Die fehlende West-Ost-Verbindung durch Waldeck-Frankenberg gleiche dieses Projekt allerdings nicht aus, betonte Gantner. Er kündigte eine Initiative, unter anderem mit der IHK, im Vorfeld der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans an. Dabei sollten nicht die Themen der Vergangenheit, Weiterbau der A4 von Olpe nach Hattenbach, oder „A4 light“ diskutiert werden. Vielmehr solle der von Nordrhein-Westfalen schon eingeschlagene Weg weiterverfolgt werden. Mit Ortsumgehungen hat das Nachbarbundesland von Olpe bis Erntebrück eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur eingeleitet. Das Ziel müsse sein, „in einem ökologisch vertretbaren Korridor über Ortsumgehungen den Anschluss von Erntebrück nach Frankenberg zu planen“. Dieser Abschnitt gehört nach Ansicht des Arbeitskreises in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans.

Erfolgreiche Initiativen kann der AFK auch in der Bildungspolitik vorweisen. „Mit der Technischen Hochschule Mittelhessen haben wir einen Partner in Frankenberg, mit dem wir konstant zusammenarbeiten können.“ Nach der Etablierung des Angebots ist laut Gantner jetzt allerdings der Mittelstand gefordert, auch Plätze für das duale Studium zur Verfügung zu stellen. Bewerber gebe es genug. Diese Erfahrung hat in der Vergangenheit auch Heinz-Georg Müller gemacht. Am Stammsitz in Ernsthausen sind momentan zwei junge Menschen in Ausbildung, im Verkauf haben zwölf Azubis in diesem Jahr ihre Lehre begonnen – ein beachtlicher Schnitt bei rechnerisch 180 Vollzeitstellen im Betrieb.

Hintergrund:

In Nord- und Mittelhessen gibt es insgesamt vier Arbeitskreise der Wirtschaft. Arbeitschwerpunkte sind Verkehrs-, Bildungs-, Hochschul- und Wirtschaftspolitik sowie Regional- und Stadtentwicklung. Der Frankenberger AFK organisiert regelmäßig Stammtische der Wirtschaft, bei denen Unternehmen in der Region besichtigt werden. Außerdem organisiert der AFK Diskussionsforen und Vortragsveranstaltungen. Seit vier Jahren gibt es Partnerveranstaltungen, bei denen auch die Geselligkeit gepflegt wird. In „ungezwungener Umgebung lernt man sich noch besser kennen“, betont Vorsitzender Klaus Gantner. „Das hilft in Situationen, wenn man als heimische Wirtschaft eng zusammenstehen muss.“

Von Rouven Raatz



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