Thomas Gsella liest in Frankenberg

Der Kragenbär und ein muhendes Häschen

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Thomas Gsella liest im Frankenberger Steinhaus eigene Texte und Gedichte von Robert Gernhardt. Das verdeutlicht er durch ein Bild des verstorbenen Dichters im Hintergrund.Foto: Patricia Kutsch

Frankenberg - Unsinnig, bissig, aber vor allem urkomisch ist ein Abend mit Satiriker Thomas Gsella: Der Verfasser unzähliger humorvoller und ironischer Gedichte hat am Freitagabend ein kleines Publikum in der Stadtbücherei unterhalten.

Bekannt ist Thomas Gsella durch die Satirezeitschrift „Titanic“ und seine Kolumne im „Stern“. Seinen manchmal bissigen, manchmal ironischen und manchmal sehr direkten Humor hat er in einer Lesung mit rund 20 Zuhörern geteilt. Er bescherte dem eigentlich viel zu kleinen Publikum einen gelungenen Abend mit eigenen Texten - und Gedichten des berühmten Dichters, Mitbegründers der „Titanic“ und Drehbuchautors der Otto-Filme, Robert Gernhardt. „Seine Gedichte sind besser, aber die Bilder in meinen Büchern sind bunt“, stellte Gsella gleich zu Beginn der Lesung fest.

Gsella las seinem Frankenberger Publikum zahlreiche Gedichte von Gernhardt in chronolgischer Reihenfolge vor. Dabei schuf er Themengebiete - und wusste zu jedem Thema auch ein eigenes Gedicht beizusteuern. Bei diesen direkten Gegenüberstellungen wurden die Unterschiede zwischen beiden Dichtern deutlich, die verschiedenen Schwerpunkte, die unterschiedliche Ironie, die Wortwahl - gemeinsam haben die Texte aber auch einiges: Den Humor über jegliche Grenzen hinaus, das Spielen mit Vorurteilen und die teilweise genialen Wortspiele - etwa „Du Pfingsten Ball“.

Den Abend eröffnete Gsella mit Texten über die komplizierten Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Gernhardt hatte einen Text geschrieben über ein Kind, das seinen Vater fragte, ob er nicht lieber seine Mutter sein wolle - und der sein Kind daraufhin aussetzte. Gsell wusste zu berichten von einem viel zu intelligenten Kind, dass die Eltern mit Fragen überforderte.

Nicht fehlen durfte in der Lesung „Das Gebet“ von Gernhardt. „Otto hat es einmal ungefragt in einer Abendschau aufgesagt“, berichtete Gsella. Daraufhin habe Gernhardt dem Komiker die Zusammenarbeit angeboten - und die Otto-Filme entstanden. „Preise künftig meinen Namen, denn sonst setzt es etwas - Amen“, sagt der Betende in dem lyrischen Werk zu Gott. Mit der Religion befasste sich auch Gsella. Er beschrieb, wie das Christentum fast gescheitert wäre, als Jesus sich mit 13 Jahren mit seinen Eltern unterhielt und damals sehr modern sagte „Ey, Maria, chill dein Leben!“

Viele Lacher ernteten Gernhardts Kurzgedichte über tierische Erotik von Dachs, Pferd, Wal und Kragenbär und Gsellas Tierfabeln über den Regenwurm und den Sonnenschein - hübsch verpackt in sinnige und unsinnige Moralsprüche.

„Am Klischee entlang und darüber hinaus“, haben Gsella selbst und sein früherer und bereits verstorbener Kollege Gernhardt oft geschrieben. Mit Vorurteilen gespielt hat Gernhardt mit der Frage „Vater, mein Vater, wie werde ich Rassist?“ und dem aus dieser Frage resultierenden Gespräch. Böse Gedichte über Berufsbilder hat Gsella verfasst - von einigen Lesern kamen Proteste in Reimform, etwa von Lehrern, die er als faul beschrieb. Vorurteile fasste er auch zusammen für Maurer (Die Ritze auf, die Birne zu), Zahnärzte (reicher Räuber, drum wählt er die CDU und wo es geht den Stoiber) oder Psychoanalytiker (er malt ein Häschen, das macht Muh - und andere Notizen).

Frankenberg setzte Gsella am Freitag spontan auf Platz eins seiner Rangliste der schönsten Städte: „Man kann auch aller Hoffnung bloß in Frankenberg leben bleiben“, sagte er. Geschrieben habe er das Gedicht eigentlich für Essen. „Aber hier passt es auch“, sagte er und erntete einige Lacher. Eine liebevolle Beschreibung der Schönheiten bekam auch „der Teufel namens Bielefeld“, die „Arschgesichterstadt“ Offenbach oder Kassel (Im Sommer fallen Spinner ein und machen Documenta).

Zum Ende des Abends befasste Gsella sich mit Gedichten über das Leben, den Tod und das Alter - denn Gernhardt schrieb oft über den Tod, nachdem er von seiner Krebserkrankung erfahren hatte. Bei den beiden Dichtern hat natürlich auch der Tod trotz aller Trauer eine lustige, unterhaltsame Seite. „Natürlich war ich schlauer, doch ist kein Hirn von Dauer“, las Gsella aus einem seiner Texte vor.

Während des Vortrags erntete Gsella viele Lacher - danach Applaus, für den er einige Zugaben als Dank für sein Publikum bereithielt.

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