Politische "Schwergewichte" waren zu Gast bei CDU und SPD

Doppelter Wahlkampf: Kramp-Karrenbauer und Schäfer-Gümbel in Frankenberg

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Ein Foto mit der Generalsekretärin: Mitglieder der Jungen Union ließen sich vor dem Landratsamt in Frankenberg mit Annegret Kramp-Karrenbauer (rote Jacke) fotografieren.  

Frankenberg. Wenige Tage vor der Landtagswahl versuchen die Parteien nochmal alles, um unentschlossene Wähler von sich zu überzeugen. 

Dafür hatten CDU und SPD am Mittwoch zwei politische Schwergewichte nach Frankenberg eingeladen: Fast gleichzeitig waren Annegret Kramp-Karrenbauer, Generalsekretärin der Bundes-CDU, und Thorsten Schäfer-Gümbel, Landesvorsitzender der SPD, in der Stadt.

Nach den Rückschlägen für CSU und SPD bei der Landtagswahl vor elf Tagen in Bayern – wohl auch als Antwort auf die Politik der Großen Koalition in Berlin – betonten beide Politiker in Frankenberg, dass es am Sonntag nicht um die Bundespolitik gehe, sondern um Hessen.

Kuchen für Kramp-Karrenbauer

Der Kaffee steht bereit, der Kuchen ist geschnitten, die Pavillonzelte sind aufgestellt, als Annegret Kramp-Karrenbauer um 14.40 Uhr auf den Vorplatz des Landratsamtes in Frankenberg vorfährt. Vorgefahren wird. Die Generalsekretärin der Bundes-CDU ist ins Hessenland gekommen, um ihre Partei vier Tage vor der Landtagswahl zu unterstützen. 

17 solcher Termine hat sie seit vergangener Woche, sagt uns die 56-Jährige. Sie kommt gerade aus Eschwege, fährt dann weiter nach Biedenkopf, in den Wahlkreis von Finanzminister Thomas Schäfer. In Frankenberg will sie Claudia Ravensburg zur Seite stehen, das Direktmandat im Wahlkreis zu verteidigen und Stimmen für die CDU zu sammeln.

Kramp-Karrenbauer macht keinen Hehl um die Strategie der CDU für Sonntag: Es soll um Hessen gehen, nicht um die Bundespolitik, auch wenn die an Wahlkampfständen oft ein Thema sei, wie uns Claudia Ravensburg erzählt.

„Ich könnte verstehen, wenn Sie gesagt hätten, ich solle in Berlin bleiben“, sagt Kramp-Karrenbauer den gut 80 Besuchern am Landratsamt. „Denn das, was die letzten Wochen aus Berlin gekommen ist, war alles andere als ein guter Rückenwind“, gibt die Generalsekretärin zu und meint damit wohl auch das Verhalten der Großen Koalition im Fall Maaßen. Welchen Einfluss so etwas auf die Landtagswahl haben kann, haben CSU und SPD vor zwei Wochen in Bayern erlebt. In Hessen soll das nicht auch passieren, hofft die CDU.

„Wer sagt, denen in Berlin müsse man mal einen Denkzettel verpassen, wird am Sonntagabend nur fünf Minuten lang bei der Hochrechnung ein gutes Gefühl haben. Er muss aber hier vor Ort fünf Jahren lang damit leben“, sagt Kramp-Karrenbauer und lehnt ausdrücklich eine Regierung ab, „in der die Linken sitzen“. Auch Thomas Rampe (CDU), Erster Stadtrat von Frankenberg, betont in seinem Grußwort: „Es geht um Hessen, nicht darum, Berlin eine runterzuwatschen.“

Kramp-Karrenbauer spricht deshalb lieber darüber, wie wichtig es sei, Claudia Ravensburg, Volker Bouffier und die Hessen-CDU zu unterstützen. Und Wähler sollten sich nicht auf Umfragen verlassen, dass schon alles entschieden sei. „Es ist noch alles drin, mehr als 40 Prozent der Menschen sind noch unentschieden.“

Solche Menschen will auch Claudia Ravensburg für sich gewinnen, um erneut als Direktkandidatin in den Landtag einzuziehen. Die CDU wolle hessenweit „deutlich über 30 Prozent kommen“, ruft Ravensburg den Zuhörern zu. Die meisten von ihnen sind ohnehin in der CDU engagiert. Sie sollen nochmal auf die letzten Tage Wahlkampf eingestimmt werden, noch Freunde und Nachbarn überzeugen. „Man kann bis Sonntag 18 Uhr kämpfen“, sagt Kramp-Karrenbauer.

Nach ihrer Rede am Mikrofon mischt sie sich unter die Leute, hört zu, diskutiert mit und lässt sich fotografieren. „Ganz sympathisch“, sagt eine Besucherin, „ich hätte nur gedacht, dass sie größer ist.“

Am Tor zur Frankenberger Rathausschirn: (von links) Thorsten Schäfer-Gümbel, Stadtverordneter Hendrik Klinge, Heinz Debus als Vorsitzender des Frankenberger Seniorenbeirates und die heimische SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Daniela Sommer.

Glückwunsch von TSG

„Zukunft jetzt machen“ steht auf dem Bus, mit dem der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel am Mittwochnachmittag vor dem historischen Frankenberger Rathaus eintrifft. Landtagskandidatin Dr. Daniela Sommer hatte ihren „Chef“ vom Bahnhof abgeholt. Zuvor hatte „TSG“, wie der SPD-Chef intern genannt wird, zwei Wahlkampf-Endspurt-Auftritte in Korbach und Bad Wildungen absolviert. Aufgeräumt, zugänglich für jeden, tiefenentspannt: so präsentiert sich der hessische SPD-Landeschef vor etwa 50 bis 60 Zuhörern, die vor dem aufkommenden Nieselregen in die Rathausschirn flüchten. 

Der Vorsitzende des Frankenberger Seniorenbeirates, Heinz Debus, spricht den prominenten Besucher direkt an. „Wir setzen uns für Barrierefreiheit und eine gute Versorgung der Senioren ein“, sagt Debus. „Und wir verlassen uns darauf, dass Sie uns weiterhelfen.“ Großer Applaus ist Debus sicher, denn SPD-Kandidatin Daniela Sommer verrät: „Herr Debus hat heute Geburtstag!“ 

Nach einem freundlichen Glückwunsch kommt Thorsten Schäfer-Gümbel gleich zur Sache und nimmt – vor durchweg älterem Publikum – den aktuellen „Jugendwahn“ aufs Korn: „Die jungen Leute sind zwar schneller, aber die Älteren kennen eine Abkürzung“, sagt Schäfer-Gümbel unter großem Gelächter. Zielführend sei es, „Erfahrungen über Generationen auszutauschen“. Eine Lanze bricht „TSG“ für den ländlichen Raum. „Mobilität ist hier anders als in Frankfurt“, sagt Schäfer-Gümbel. Die ländlichen Kommunen müssten finanziell besser ausgestattet werden, um auch Straßenbaubeiträge abschaffen zu können. 

Beim Hessen-Trend der ARD rangiert die SPD derzeit bei 21 Prozent. Das weiß natürlich auch Thorsten Schäfer-Gümbel. Die Bayern-Schlappe von unter zehn Prozent steckt ihm in den Knochen. Aber Hessen sei nicht Bayern, betonen die Wahlkämpfer der SPD. „Machen Sie aus der hessischen Landtagswahl keine Abstimmung darüber, ob Ihnen die Bundespolitik gefällt“, bittet Schäfer-Gümbel. In Hessen gehe es auch darum, Interessen von Stadt und Land miteinander zu verbinden. 

Bevor Schäfer-Gümbel wieder in den Wahlkampf-Bus steigt, werden noch viele Fotos gemacht. SPD-Kreisvorsitzender Dr. Hendrik Sommer überreicht eine Flasche mit „Berghöfer Fichtensprossen-Schnaps“. Auch Bürgermeister Rüdiger Heß hatte den prominenten Gast in der Rathausschirn freundlich begrüßt.

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